Ein Fels in der Brandung

Zum 30. Mal: Die Stadtjugendkapelle Landsberg und der Christkindlmarkt

+
So wie dieses Jahr mussten die Musiker der Stadtjugendkapelle mit ihrem Dirigent Hans-Günter Schwanzer auch 2018 dem Regen trotzen.

Landsberg – Ob es regnet, schneit oder die Kälte die Nase laufen lässt: Solange die Posaunenzüge nicht einfrieren, eröffnet die Stadtjugendkapelle den Landsberger Christkindlmarkt. Für deren Dirigenten Hans-Günter Schwanzer war es heuer das 30. Mal. Wieder mal bei Regen. „Aber wir haben 30 Jahre en suite durchgespielt, mussten es nie ausfallen lassen. Da bin ich dem Herrgott schon dankbar.“

Nur viermal hat es geregnet bisher. So wie dieses Jahr, als die Stadtjugendkapelle schon nach gut einer halben Stunden aufgehört hat. „Es hat geschüttet“, begründet Schwanzer. Die Holzbläser verschanzen sich dann unter dem Kirchenportal. Das schwere Blech muss leiden: „Posaunisten, Bariton und Dirigent mussten danach dringend unter die heiße Dusche.“

Der wohl kürzeste Auftritt war in dem Jahr, als es so kalt war, dass die Posaunenzüge und die Tubaventile kurzerhand einfroren. „Da mussten wir nach 20 Minuten das Feld räumen“, erinnert sich der Dirigent. Aber eigentlich hat die Kapelle ein Repertoire für drei Stunden. Und das ohne ein Weihnachtslied! „Unser Programm reicht von Barock bis Rock, von Händel bis Maria Carey. Und jährlich kommen zwei Stücke dazu.“ Weshalb es in den letzten Minuten oft Diskussionen gebe, was man jetzt noch ins Programm packen kann.

Eröffnungsstück war lange Zeit Händels Feuerwerksmusik. Aber inzwischen schwört das Orchester auf Billy Joels „Leningrad“, „eines unserer 300 Lieblingsstücke“, grinst Schwanzer.

Als der inzwischen 59-jährige Dirigent 1990 zum ersten Mal mit dem Jugendblasorchester das Christkind begrüßte, war das auch gleichzeitig sein erster Auftritt in Landsberg. Damals noch unter ‚lauteren‘ Bedingungen, ohne Fußgängerzone: „Da sind die Autos noch vorbeigerast.“ Auch das Rahmenprogramm im heutigen Format existierte noch nicht. Norbert Kreutzer habe dann gefragt, ob nicht hailix BLECHle – Schwanzers andere Blechformation – an Nikolaus spielen könne. Der erste Schritt zu mehr Musik rund um den Weihnachtsmarkt.

Gleich im zweiten Jahr drohte das Wetter den Auftritt der Kapelle zu vermasseln: Blitzeis. Aber auch 1991 spielten sie – nur eben etwas später. Generell versuchten immer alle Mitglieder dabei zu sein, sagt Schwanzer. „Aber Unis und Arbeitgeber haben eben andere Pläne.“

Der Terminplan ist für die Jugend-Formation an Weihnachten immer mit Terminen gespickt: Humperdincks „Hänsel und Gretel“, Thomas „Heilige Nacht“, Weihnachstmarktkonzerte, die Weihnachtsserenade im Innenhof des Heilig-Geist-Spitals. „Zu dem Konzert kommen auch immer Ehemalige“, erzählt der Dirigent, „entweder mit Instrument oder mit Kind an der Hand“.

Ein weiterer wichtiger Termin ist das Konzert im Gefängnis. Ein immer sehr bewegendes Ereignis, erzählt Schwanzer, ein Gottesdienst mit Konzert, bei dem aber auch mal Rockkonzertatmosphäre herrsche. Es ist einer der wenigen Anlässe, zu dem die Kapelle sogar singt, und zwar „Macht hoch die Tür“ – was mit dem zweiten Satz „die Tor macht weit“ bei den Insassen immer besonders gut ankomme.

Der Probenaufwand für die Weihnachtstermine halte sich aber in Grenzen. „Die einzelnen Stücke sitzen bei den Musikern“, betont der Dirigent. Und jeder Auftritt mache dem Orchester immer ungemein viel Spaß. Denn auch der Umgang zwischen Leitung und Musikern stimme. „Das ist ein Miteinander, anders geht es gar nicht.“ Die Zeiten, in denen der Dirigent die Musiker rund mache – etwas, das Schwanzer früher mal bei Leonhard Bernstein in München erlebt hat – seien vorbei. Und wie lange will Schwanzer die Kapelle noch dirigieren? Das hängt von den Musikern ab, die den Dirigenten einmal im Jahr bestätigen müssen. „Aber so lange die mich wollen, mache ich mit Freuden weiter.“
Susanne Greiner

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Fuchstalbahn: Wieder aufs Abstellgleis?
Fuchstalbahn: Wieder aufs Abstellgleis?
Gefälligkeitsatteste: Kripo ermittelt gegen Kauferinger Arzt
Gefälligkeitsatteste: Kripo ermittelt gegen Kauferinger Arzt
Amtsgericht: 38-Jähriger wegen Geldwäsche angeklagt
Amtsgericht: 38-Jähriger wegen Geldwäsche angeklagt

Kommentare