Party bis tief in die Nacht

Eröffnung der Kreiskulturtage mit Vielfalt und Kurzweil

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Die zweiten Kreiskulturtage wurden am Samstagabend im Stadttheater mit Festakt und Party würdig eröffnet.
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Die zweiten Kreiskulturtage wurden am Samstagabend im Stadttheater mit Festakt und Party würdig eröffnet.

Landsberg – Es sind die zweiten Kreiskulturtage. Das merkt man: Initiatorin Annunciata Foresti ist entspannter. Landrat Thomas Eichinger hält die Ansprache spontan und kurzweilig. Und anstatt mit der Kunstpreisverleihung und vielen Worten zu eröffnen, werden die geladenen Gäste mit dem geflutet, worum es geht: mit Kultur. Barockmusik und sperrige Klangwelten, Akrobatik und Videoinstallation, Nachwuchstalente und Profis. Und nach Häppchen mit Sekt darf getanzt werden. Mit DJ Rupen und seinem perfekten Händchen für die richtige Stimmung.

Die Besucher lernen das neue Format der Kreiskulturtage-Eröffnung gleich beim Eintritt kennen: Das Duo Hochformat, die zwei Schauspielerinnen Julia Dietze und Mirjam Kendler aus Igling, stelzt in blumenbesetzten Traumkleidern am Eingang entlang, öffnet die Türen, bittet Politiker, Kulturengagierte und Künstler ins Foyer des Stadttheaters.

Er habe sich überlegt, was er wohl zum Thema der Kreiskulturtage „Mut“ sagen solle, setzt Landrat Eichinger an. Er selbst werde mutig unter dem Käfig am Landratsamt lesen – „Ich kann ja schlecht nein sagen, wenn das Thema ‚Mut‘ ist.“ Und er habe sich für seinen mutigsten Anzug entschieden – ein sportiv gemustertes Kleidungsstück in mittelgrau.

Die erste Darbietung ist visuell: Manuela Hartels Videoinstallation und Performance „No Weapon formed against me shall prosper“ besticht durch Wasserring-Lichtprojektionen auf satellitenähnlichen Schüsseln, mit wandernden Strommasten, Ameisenköpfen, eine liegende Frau. Verstörend, akustisch fordernd, aber zugleich optischer Genuss.

Den bieten auch die beiden Schäfer-Schwestern: Zwei Tücher, die von der Decke zum Boden hängen, sind die Werkzeuge der Prittrichinger Turnerinnen Simone und Theresa. „Hand in Hand“ der Titel ihrer Darbietung in perfekter Körperbeherrschung und Koordination zueinander. Langsame Bewegungen, die eine schwerelose Welt erschaffen, begleitet von sphärischen Gitarrenklängen Mudar Al Saids.

Die Musik des Abends reist durch Jahrhunderte und Kontinente: Das barocke Venedig stellt das Kammerorchester der Landsberger Musikschule vor. Als Solisten überzeugen der 15-jährige Sean Mahner aus Schongau an der Oboe und Kontrabassist Florian Poppen aus Dießen. Vom Nachwuchs geht es zum Profi, vom Barock zur Neuzeit: Der Königsbrunner Klarinettist David Schöndorfer besticht mit dem romantischem „Solo de concours“ von André Messager, ein Stück, dass der Saint-Saens-Schüler 1899 als Wettbewerbsbeitrag für das Pariser Konservatorium schrieb. Und mit Gershwins „Prelude Nr. 1“ – ein Foxtrott, der das chromatische Glissando aus „Rhapsody in Blue“ zitiert.

Musikalische Grenzen überschreiten die Dießenerin Anette Rießner am Akkordeon und der Münchener E-Gitarrist Johannes Ollinger. „Das Leben als ein Selbstmord in Zeitlupe“ heißt frei übersetzt die Komposition des Argentiniers Marcelo Nisinman – der auch Rießners Bandoneonlehrer ist. Sie zeigt melodiefernste Laute, gepaart mit melancholischen Tango-Anklängen. Unerhörtes, das beim Publikum auf großen Anklang stößt. Den Abschluss des Abends macht „Drumaturgia“ mit japanischem Taiko Drumming: Mastermind Carl Amadeus Hiller mit Gast-Schlagzeuger Henning Hohmeier. Schläge, die Magen und Wände vibrieren lassen. Und das Publikum zu Applausstürmen hinreißen.

Eine „soziale Skulptur“ nennt Foresti die Kreiskulturtage. Es sei wichtig, den Kindern Mut vorzuleben: „Im Moment leben sie ihn ja eher uns vor.“ Für die Unterstützung des Landkreises bedankte sich Foresti nicht mit Blumen. Sondern mit einer Moritat auf den Landrat, dargeboten von Hannah Moreth und Nathalie Robinson. Die „die Leichtigkeit des Seins“ gegen die nicht immer vorhandene „Leichtigkeit des Werdens“ stellt.

Party mit DJ Rupen

Nach Kultur strömen die Gäste ans Büffet. Small-Talk bei Sekt und Häppchen – aber nicht lange. Denn nach wenigen Minuten steht der Penzberger Rupen K. Gehrke alias DJ Rupen am Mischpult. Wer seinen ehemaligen Jalla Club im Völkerkundemuseum kennt, kennt auch sein musikalisches Händchen für volle Tanzflächen voller Euphorie. Das Theaterfoyer gefällt ihm. „Da sollte man regelmäßig feiern.“ Unterstützt wird er von der indonesischen Jazzgeigerin Luluk Purwanto, die improvisiert. Ganz spontan, „wir proben nie“. Was entsteht, ist gute Laune, Freude pur. Ansteckend.

Das erste Mal hat Rupen in Köln aufgelegt, bei einer privaten Party. „Mit einem Doppelalbum von Stevie Wonder“, lacht er, „das ist schon 100 Jahre her.“ Er selbst hat auch mal Musik gemacht, also mit ‚echten‘ Instrumenten, Saxophon und Querflöte. „Aber mein Anspruch an Musik ist viel zu hoch, das macht mir keinen Spaß, weil ich beide Instrumente nur schlecht spielen kann.“ Und es scheint kein Verlust. Die Konzentration auf Auflegen war ganz offensichtlich der richtige Weg.

In Landsberg setzt Rupen auf afrikanische und südamerikanische Rhythmen, Cumbia, ab und zu auch ein bisschen Elektro-Swing. Und das mit Erfolg. Bei den ersten Tönen stehen schon Tänzer auf dem Parkett, beim zweiten ‚Song‘ ist die Tanzfläche voll. Älterer Herr schwingt neben Jungspund die Hüfte, Wohlsituiertes und Extravaganz geben sich die Hand. Was er denn mache, wenn die Leute partout nicht in Bewegung kommen wollten? „Ganz ehrlich, das kenne ich nicht“, sagt Rupen. „Offensichtlich habe ich ein ungemein gutes Gefühl für Stimmung.“ Dem muss man zustimmen. Was sicher auch das Publikum der Kreiskulturtage tut. Denn das hat bis zwei Uhr getanzt.

Susanne Greiner

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