Kunst aus der Garage

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Großer Andrang vor dem Kunstautomaten: Am Abend der Eröffnung wurde der umfunktionierte Zigarettenautomat schon kräftig geleert.

Landsberg – Weiße Wände, Neonlicht, ein kleines Rondell im Inneren der Parkgarage Schlossberg: Hier in der Unterwelt hängt er, der Kunstautomat Landsberg, der am Samstagabend offiziell eingeweiht wurde. „Kunst soll für alle erreichbar sein“, leitete der erste Vorsitzende des Vereins Künstlerforum Kunstautomat Gregor Netzer seine Ansprache ein. Offensichtlich funktioniert das Konzept: Nach Netzers Ansprache wurde der Automat gestürmt und ein Kunstwerk nach dem anderen aus den Schächten gezogen.

Der umfunktionierte Zigarettenautomat wirkt wie ein Farbklecks in der sonst eher tristen Umgebung: Ein umgekehrtes L in Orange- und Gelbtönen ziert seine Vorderseite. Hinter Glas die sechs Schächte, bestückt mit weißen Schachteln, in ihnen Kunst. Ein Bild vor jedem Schacht zeigt, was sich in ihm verbirgt. 

„Erfunden haben wir das nicht“, gibt Netzer zu. Kunstautomaten gebe es schon in einigen Städten weltweit. Und das Prinzip „Kunst aus Automaten“ sei in den USA bereits in den 60er Jahren aufgetaucht. Es gehe bei dem Projekt auch darum, hiesige Künstler zu unterstützen. „Und wir sind sehr froh, dass wir in der ersten Spielzeit so unterschiedliche Kunstwerke präsentieren können“, sagt Netzer. Es gibt auf Holz gedruckte Fotografien, Porträts Hundertjähriger, dreidimensionale Collagen aus Papier. 

Die Gewinnerin des Kulturförderpreises des Landkreises Landsberg Katharina Ranftl hat Kunstfische hergestellt, farbige Fischholzdrucke auf den Seiten des Buches „Die Fische“ von Paul Klee. „Die Künstlergruppe Billige Vorstadt wollte lieber anonym bleiben. Aber ihre Werke sind mit 70 auf 50 Zentimeter eindeutig die größten“, beschreibt Netzer. Daran sehe man, dass so ziemlich alles in eine Zigarettenschachtel passe. Zum Beispiel auch Metallobjekte in Form von Nadeln, die vom Dießener Künstler János Fischer stammen. 

Den Automaten habe der Verein von einem Landsberger gespendet bekommen, sagt Netzer. Aber das Aufhängen an den Betonwänden der Tiefgarage sei nicht so schnell gegangen, wie man sich das vorgestellt habe: „Zum Glück haben wir einen Fachmann, der das Ganze mit riesigen Dübeln geschafft hat.“ Nicht nur den Spendern und Helfern wolle er danken, auch der Stadt und insbesondere den Stadtwerken, die dem Verein diesen Platz genehmigt hätten. Vielleicht könne man ja bald die Tiefgarage in Kunstgarage umtaufen. Aber ganz wichtig sei ihm, allen Landsbergern zu danken: „Sie haben unser Projekt sehr wohlwollend aufgenommen.“ 

Jetzt solle doch jemand die erste Schachtel ziehen, bittet Gregor Netzer zum Abschluss seiner Ansprache. Ein kurzes Zögern, aber schon zücken die ersten den Geldbeutel und holen das nötige Kleingeld heraus. Die Münzen fallen in den Schacht, ein beherztes Ziehen an einem der Schübe, ein lautes „ratsch“: da liegt es, das erste Zigarettenschachtelkunstwerk. 

Neugierig öffnen die Käufer die Schachteln und ziehen kleine Tafeln, gerollte Zeichnungen oder Anstecknadeln heraus. Rundum Staunen und Zufriedenheit, einer fragt allerdings auch, ob man tauschen wolle. Nach einiger Zeit ist die Schlange vor dem Automaten verschwunden – und der Automat fast leer. Aber keine Sorge, es wird bald nachgefüllt.

Susanne Greiner

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