Erst obdachlos und jetzt im Knast

Seine desolate Lebensgeschichte schildert der Angeklagte in dürren Worten: Mit zwei Jahren zur Adoption freigegeben, mit sechs Jahren von der Adoptivfamilie ins Kinderheim abgeschoben. Dort absolviert er die Hauptschule. Mit 17 Jahren wird er das erste Mal straffällig. Heute ist er 28, hat neun Vorstrafen im Kreuz und stand in der vergangenen Woche wegen Diebstahls und Betrugs vor dem Schöffengericht in Landsberg.

Der Vorfall ereignete sich im Sommer vergangenen Jahres. Peter Q. (Name geändert) hatte einen Selbstmordversuch hinter sich, war obdach- und arbeitslos und lebte nach eigenen Angaben in einem Bretterverschlag auf einem stillgelegten Tennisplatz im Landsberger Gewerbegebiet. „Tageweise“ habe er auch bei einer Freundin gewohnt, mit der er eine Affäre hatte. In der Nachbarwohnung lebte der Vater der 44-Jährigen, ein demenzkranker 85-Jähriger. Dorthin verzog sich der Angeklagte eines Abends, als seine Freundin einen „hysterischen Anfall“ hatte – nach eigenen Angaben, um mit dem Vater und den Brüdern der Frau über ihren Zustand zu sprechen. Als diese wegen eines Termins die Wohnung verließen, blieb der 28-Jährige allein zurück und entdeckte auf einem Regal ungeöffnete Briefe des Seniors. „In einem Brief zeichnete sich eine ec-Karte ab, zwei Briefe weiter war die PIN“, gestand der Angeklagte. Er stahl beides und hob 400 Euro vom Konto des 85-Jährigen ab. Dumm nur, dass er dabei von der Überwachungskamera am Geldautomaten gefilmt wurde. Dumm auch, dass einer der Söhne des 85-Jährigen später die Kontoauszüge überprüfte und bei der ungewöhnlichen Barabhebung stutzig wurde. „An der Nummer des Geldautomaten erkannte ich den Standort“, berichtete der 50-Jährige dem Gericht. „Dort geht mein Vater nie hin, und die Summe war auch unüblich.“ Er bat die Bank, die Bilder der Überwachungskamera sehen zu dürfen. Seine Schwester identifizierte den Mann am Automaten als Peter Q. „Ich wollte es kaum glauben“, so die 44-Jährige, die zwischenzeitlich sogar selbst von ihren Brüdern verdächtigt worden war, das Geld abgehoben zu haben. Ein weiterer Anklagepunkt gegen Peter Q. betraf den Diebstahl eines Mountainbikes, das er von einer Terrasse mitgenommen hatte. Das Fahrrad hat er inzwischen zurückgegeben, und auch die 400 Euro will er zurückzahlen. Das allerdings wird dauern, denn vorläufig sitzt Peter Q. in Haft. Richter Wolfgang Daum verurteilte den 28-Jährigen zu einem Jahr und vier Monaten Gefängnis. Außerdem muss er eine zweijährige Freiheitsstrafe wegen Körperverletzung absitzen, die zur Bewährung ausgesetzt war. Wegen seiner neuerlichen Straffälligkeit ist die Berufung hinfällig.

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