Erst renovieren, dann feiern

Fast 100 Jahre ist die evangelische Christuskirche am Lech. Vor ihrem Geburtstag stehen umfangreiche Renovierungen des Innenraums an. Foto: Eckstein

So, wie sie sich von dem blauen Himmel abhebt, mutet sie fast mediterran an. Auf den ersten Blick ist es schwer, sie einem bestimmten Baustil zuzuordnen. Tatsächlich wurde die evangelische Christuskirche in Landsberg im ausgehenden Jugendstil errichtet, 2014 feiert sie ihren 100. Geburtstag. Zuvor aber steht noch eine komplette Renovierung des Innenraums auf dem Programm. Sie soll im Mai beginnen.

„Wir führen die Renovierung aber nicht nur im Hinblick auf das Jubiläum durch, es sind Arbeiten, die dringend gemacht werden müssen. Aber natürlich ist es schön, wenn die Kirche zum Jubiläum renoviert ist“, erklärt der evangelische Stadtpfarrer Detlev Möller im Gespräch mit dem KREISBOTEN. Und diese Arbeiten umfassen ein ganzes Paket: zum einen müssen die Fresken im Altarraum und acht Gemälde in den Deckenschrägen restauriert werden, die 1952 von dem Maler Erich Horndasch gestaltet wurden. „Da gab es drei Optionen: man hätte die Jugendstil-Fassung wieder herstellen können, eine völlig neue Gestal­tung anstreben oder aber die Fresken aus den 50er Jahren restaurieren“, erläutert Möller. Erhaltenswerte Kunst Man habe sich für die letzte Lösung entschieden, weil sie inhaltsreicher als die floralen Ornamente des Jugendstils sei. Die Fresken zeigen die vier Evangelisten, die Gemälde verweisen auf die Verwurzelung im Alten Testament und spannen heilsgeschichtlich den Bogen zur Christusfigur am Altar. „Das hatte zu dieser Zeit natürlich einen besonderen Grund. Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte man zeigen, wo man steht, wo die Wurzeln sind“, betont Möller. Außerdem sei die Kunst der 50er-Jahre, die früher kunstgeschichtlich eher stiefmütterlich behandelt worden sei, von der Denkmalpflege „entdeckt“ und als erhaltenswert eingestuft worden. „Wir werden also diese Gestaltung beibehalten und ein neues Farbkonzept dazu entwickeln.“ Als weitere Maßnahme soll die Zusammenstellung des Altarraumes, der als zu dicht gedrängt empfunden wird, verändert werden. „Wir wollen den Altar, der ja auf Stufen steht, runter setzen, das entspricht auch viel mehr dem evangelischen Verständnis. Außerdem wird er ein Stück weiter vorne stehen, damit die Gemeinde mehr Platz hat, sich um den Altar zu versammeln. Diese Veränderung hat also liturgische, praktische und gestalterische Gründe“. Das bedeute allerdings auch, dass man sich Gedanken um das Kreuz machen müsse, um eine andere Art der Aufhängung. „Wahrscheinlich wird auch der Stamm ersetzt“, mutmaßt der Pfarrer. Die anderen Baumaßnahmen haben eher einen praktischen Hintergrund: die Akustik und Beleuchtung sollen verbessert, die Induktionsschleife für Hörgeschädigte reaktiviert werden. „Unsere gesamte Elektrotechnik ist fast 100 Jahre alt, das muss dringend erneuert werden“, betont Möller. Wegen Schadstoffbelastung wird der Fußboden umgestaltet, zudem gebe es Brandschutzauflagen, die verschiedene Verbesserungen verlangen. Die evangelische Gemeinde muss dabei allerdings nicht so lange auf ihre Kirche verzichten, wie die Katholiken der Stadtpfarrei Mariä Himmelfahrt. In nur einem halben Jahr sollen die Arbeiten durchgeführt werden, ab Ende Mai bis Mitte Dezember werden die Gottesdienste im Gemeindehaus stattfinden. Für Trauungen steht die kleine Kirche in Sandau zur Verfügung. Spenden erwünscht Insgesamt sind für die Renovierung 600000 Euro veranschlagt, 100000 Euro davon übernimmt die Landeskirche, die zudem ein Darlehen von weiteren 200000 Euro zugesagt hat. Den Rest muss die Gemeinde stemmen, wobei der Stadtpfarrer auf diverse Zuschüsse von der Stadt, dem Bezirk und dem Landesamt für Denkmalpflege hofft. „Natürlich wäre es sehr schön, wenn unsere Gemeindemitglieder die Renovierung ihrer Kirche mit Spenden unterstützen würden“, hofft Detlev Möller.

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Jetzt kostet auch Bio-Müll
Jetzt kostet auch Bio-Müll
Töpfermarkt am Limit
Töpfermarkt am Limit
Ex-Rechtsanwalt steht mit einem Bein im Gefängnis
Ex-Rechtsanwalt steht mit einem Bein im Gefängnis

Kommentare