Erst zwölf und schon Weltmeister

In 19,23 Sekunden hat Simon den Parcours, den so genannten Obstacle, in Wellington, Neuseeland zurückgelegt. Damit war der Landsberger Gymnasiast nicht nur schnellster in seiner Altersgruppe, sondern schneller als jeder andere Teilnehmer dieser Disziplin. In den 100-, 400- und 800-Meter-Rennen belegte er in seiner Altersgruppe jeweils den ersten Platz. In einigen anderen Wettbewerben erreichte er den zweiten oder dritten Platz.

In Wellington, Neuseeland, waren zwischen dem 27. Dezember und dem 7. Januar mehr als 600 Einradfahrer aus 23 Ländern angetreten. Es war die 15. Weltmeistermeisterschaft in 30 Jahren. Trotzdem bringen viele Menschen das Einradfahren immer noch mit einer lustigen Zirkusnummer in Verbindung. Damit haben die rund 20 verschiedenen Disziplinen nun wirklich nichts gemeinsam. Es geht um Technik, Körperbeherrschung, Kondition und, wer schon mal ein Downhill-Rennen verfolgt hat, auch um Mut. Als Simon im Herbst 2006 mit dem Einradfahren begann, erkannten seine Eltern sehr schnell das außergewöhnliche Talent ihres Sohnes. Weil es weit und breit keinen Verein gab, bei dem Simon sein Können hätte vertiefen können, gründeten sie kurzer Hand beim TSV Landsberg eine eigene Gruppe. Als immer mehr Einrad-Begeisterte zu ihnen stießen und sie mit immer mehr Wettbewerbserfolgen aufwarteten, brauchte die Gruppe einen Namen. Heute sind die Landsberger Einradfreaks schon weit über die Kreisgrenze hinaus als „Lechflitzer“ bekannt. Wer aber im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz wie Simon Rodler einnimmt, muss mehr als außergewöhnlich talentiert sein. „In den Monaten vor der WM habe ich fast jeden Tag trainiert. Auch Samstag und Sonntag.“ "Im Sattel bleiben" Während andere ihre Freizeit im Schwimmbad verbringen oder gemütliche Touren auf zwei Rädern rund um Landsberg machen, fahren Simon und sein Papa mit ihren Einrädern auf Zeit eben mal nach Erpfting und zurück. Oder sie gehen in die Turnhalle des Dominikus Zimmermann Gymnasiums und trainieren den Obstacle, wieder und wieder. „Hier muss man im Sattel bleiben, egal wie eng die Kreise werden und die Ideallinie finden.“, erzählt Simon begeistert von seiner Lieblingsdisziplin. Der junge Lechflitzer mag das Fahren um die Hindernisse besonders gern, weil hier die Wettkampfbedingungen immer gleich seien und er sich deshalb am Besten mit anderen messen könne. Und noch etwas ist von großer Bedeutung, wenn sich ein Ausnahmetalent zeigt und entwickeln will. Es braucht Eltern, die bereit sind, es zu fördern. Dazu Simons Mutter, Renate Rodler: „Der Enthusiasmus, mit dem Simon seit mehr als drei Jahren trainiert, steckt uns jeden Tag an, ihn zu unterstützen, wo wir können. Und seine Erfolge geben ihm und uns recht.“ Ihn mit Zeit zu unterstützen und ihn regelmäßig zu trainieren ist eine Sache. Immerhin tut der Vater Andreas Rodler das so intensiv, dass er selbst recht erfolgreich in Neuseeland an der WM teilnehmen konnte. Die Kosten für die Teilnahme an der Weltmeisterschaft aber ist eine andere Sache. „Das war unser Weihnachtsgeschenk für die ganze Familie. So langsam aber kommen wir in dieser Hinsicht an unsere Grenze.“, fasst Renate Rodler die Situation zusammen. Deswegen hoffen sie, nun wo Simon Weltmeister ist, einen Sponsor zu finden. Denn nach der WM ist vor der WM. Und Simon, das außergewöhnliche Talent und nunmehr Weltmeister, hat sich fest vorgenommen, wieder dabei zu sein, in zwei Jahren. Natürlich will er wieder ganz vorne mitmischen oder besser noch: ganz oben auf dem Siegertreppchen stehen. Mehr Informationen zu den Lechflitzern auf www.einrad-landsberg.de.

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