Im Zeichen der Leichtigkeit

Erste Landsberger Open-Air-Soirée der »Kammermusik im Bibliothekssaal«

Die Septett-Musiker im Säulenhof
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Die Septett-Musiker im Säulenhof (v.l.): Rolf Weber, Kumiko Yamauchi, Cornelius Rinderle, Christa Jardine, Thomas Hille, Johannes Kaltenbrunner und Clemens Weigel.

Landsberg – Fast ist es ein Jahrestag: Am 22. Juni letzten Jahres hat Franz Lichtenstern, Initiator der Kammermusik im Bibliothekssaal, die erste Soirée im Säulenhof des ehemaligen Heilig-Geist-Spitals organisiert. Am vergangenen Samstag, 19. Juni, heißt es ‚Auf ein Neues‘: „Ich hoffe, dass das jetzt der letzte Wiederanfang ist“, begrüßt Lichtenstern seine Gäste bei bestem Sommerwetter. Zu hören sind Ferdinand Ries und Beethovens ‚Kammersinfonie mit Miniorchester‘, das Septett Es-Dur op. 20.

„Die Vorschriften sind länger als das Konzertprogramm“, kommentiert Lichtenstern die Bedingungen, die alle in der Kultur- und Veranstaltungsbranche momentan einschränken. Weshalb er auch um Spenden bittet, die allesamt an den Nothilfefonds der Deutschen Orchesterstiftung gehen – der leider immer noch notwendig sei, da es viel zu wenig Auftrittsmöglichkeiten gebe. Er würde sich zudem freuen, wenn die Stadt, „sobald das letzte Raubtier ordnungsgemäß benannt ist“, hier ein Waschbecken, eventuell eine Toilette installiere, um das teilüberdachte Outdoorgelände des Säulenhofes besser nutzen zu können. Aber die Freude, endlich wieder spielen zu dürfen, ist Lichtenstern und seinen Kollegen aus dem Orchester des Gärtnerplatztheaters anzumerken – und zwar deutlich.

Zum Hupen der Fußballfans, die vier Tore gegen Portugal feiern, erklingen die ersten Töne von Ries‘ Notturno No. 1 in B-Dur. Ein schwermütiges Schreiten, das aber schon nach wenigen Takten in ein vom Horn dominiertes Larghetto übergeht, dessen ‚hüpfender‘ Rhythmus die Schwermut vertreibt. Das Stück des Beethoven-Schülers Ries ist gefällig, nahezu gediegen. Es zeigt dennoch die Besonderheit der einzelnen Instrumente – und ihre gegenseitige, klangliche Ergänzung.

Das Septett in Es-Dur begeisterte Beethoven – zumindest am Anfang. Nach der Premiere 1800 in Wien, Beethoven war 30 Jahre alt, nannte er es in Bezug auf seinen nicht gerade geliebten Lehrer Haydn seine „Schöpfung“. Die Besetzung mit vier Streichern (Violine, Viola, Cello und Kontrabass) und drei Bläsern (Klarinette Fagott und Horn) – sozusagen ein Miniorchester – macht das Stück zur Kammersinfonie. Es strotzt vor Optimismus und Lebensfreude, schon im ersten Satz deutlich zu hören. Vorbild ist der geliebte Mozart und dessen Divertimento, ebenfalls in Es-Dur und mit gleichem, sechssätzigem Aufbau – allerdings ‚nur‘ ein Trio.

Das Septett bleibt bis 1830 Beet­hovens meistgespieltes Werk. Was den Komponisten allerdings nicht wirklich freut. Lieber wäre ihm die Schätzung seiner anderen, kunstvolleren Werke. Das Septett habe „viel natürliche Empfindung“, sei aber kaum Kunst.

Das Werk hat kaum Schwere: gleich zwei Tanzsätze, von denen der erste nahezu ein Gassenhauer wurde; im vierten Satz tauchen Variationen über ein niederrheinisches Volkslied auf, das Beethoven einer seiner Klaviersonaten entlieh. Und auch, wenn im Andante des vierten Satzes kurz das Unheil in Moll anklopft (fast ein „Don Giovanni“-Moment), wird es sofort vom Scherzo und dem abschließenden Presto verdrängt.

Leichtigkeit ist auch das Credo der Musiker – und genau das hebt die Besonderheit des Werkes noch hervor. Vor allem der ‚Gassenhauer‘, bei dem Cellist Clemens Weigel nahezu mittanzt, erklingt in einer Flüssigkeit, die im Vergleich zu Interpretationen steht, die durch strenges Absetzen der Töne eher schreiten. Alle Instrumente haben eine eigenständige Stimme. Dennoch dominiert bei den Bläsern die Klarinette, die Rolf Weber vor allem im Thema des zweiten Satzes schweben lässt. Und natürlich die Geige, auch durch äußerst virtuose Läufe und eine Kadenz, die Kumiko Yamauchi mit Präzision und dennoch großer Emotion darbietet. Ein Abend voller Optimismus, der Vorfreude auf die zwei weiteren Soiréen am 18. Juli und 15. August macht.
ks

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