Mehr Andrang als erwartet

Die erste Landsberger Pflegeberufe-Messe

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Erste Landsberger Pflegeberufe-Messer war ein voller Erfolg.

Landsberg – Das Schlagwort Pflegenotstand beherrscht seit langem die Schlagzeilen. Der Fachkräftemangel ist in diesem Bereich besonders deutlich zu spüren. Ein Problem, das auch im Landkreis Landsberg ansteht – und gelöst werden muss. Dementsprechend zufrieden waren Landratsamt und Messeorganisatoren mit dem Zulauf zur Premiere der ‚Messe der Pflegeberufe‘ im Landkreis.

„Es muss unser Ziel sein, das Pflegefachkraftmangel-Problem gemeinsam zu lösen“, sagte Schirmherr und Landrat Thomas Eichinger, als sich um zehn Uhr die Türen zur Messe öffneten. Dazu gehöre auch, dass die zukünftigen Auszubildenden erfahren, dass der Beruf persönlich erfüllend sein könne und man nicht so schlecht verdiene, wie viele oft behaupteten. „Ich habe mich über die Zahlen informiert und man verdient teilweise besser als im öffentlichen Dienst“, klärte der CSU-Landrat auf.

Viel Erfahrungen

Im Sportzentrum stellten insgesamt 20 Aussteller ihren Pflegeberuf und die Ausbildungsmöglichkeiten inklusive Spezialisierungen vor. Den Fachkräftemangel haben bisher aber nicht alle Aussteller zu spüren bekommen. So habe das Seniorenstift Kaufering seit Jahren einen konstanten Zulauf bei den Ausbildungsplätze: „Wir haben sechs Ausbildungsplätze auf drei Jahre verteilt und die sind auch besetzt“, erklärte Pflegefachkraft und Praxisleiterin Melanie Mundinbrugger. Das Klinikum Landsberg habe dagegen letztes Jahr zum ersten Mal keinen der beiden Ausbildungsplätze vergeben können, erklärt die stellvertretende Leiterin der OP-Pflege Melanie Geiger: „Wir hatten drei Bewerber, die nicht aus dem Landkreis waren, und alle haben sich aufgrund des Fahrtweges gegen uns entschieden. Wir würden uns sehr wünschen, dass auch der Landkreisnachwuchs wieder den Weg zu uns findet.“

Bei der Fachakademie für Heilpädagogik Augsburg spüre man zwar den Rückgang an Schülern, verfolge auf der Messe jedoch ein anderes Ziel. „Wir möchten bekannter werden, damit unser Berufsbild der Heilerziehungspfleger mehr Aufmerksamkeit bekommt“, so Schulleiterin Maria Andress. „Dadurch erhoffen wir uns dann neue Schüler für unsere Akademie“, sagt Dozent Jürgen Kischner.

Schritt in die Zukunft

„Es gibt aktuell Einrichtungen, die haben genügend freie Betten, aber kein Personal, um diese zu füllen“, schilderte Oberbürgermeister Mathias Neuner den akuten Fachkräftemangel. Dagegen müsse man vorgehen. Die Messe sei dabei ein erster Schritt in die richtige Richtung, um den Heranwachsenden die Attraktivität des Berufes zu zeigen. Auch auf die zwei Pflegeheime, die in Landsberg gebaut werden sollen (der KREISBOTE berichtete), kam Neuner zu sprechen. „In zehn Jahren haben wir knapp 1.000 pflegebedürftige Personen mehr im Landkreis.“ Man brauche bis dahin rund 300 Betten mehr, als aktuell zur Verfügung ständen. Im selben Zug würden auch neue Jobs entstehen. Und diese Pfleger benötigten dringend Wohnraum.

Landrat Eichinger teilte Neuners Ansicht. „Es ist eine große Herausforderung, der wir uns da annehmen müssen.“ Viel schlimmer sei aber die Perspektive, dass langfristig Arbeitskräfte in diesem Bereich fehlten und kein Nachwuchs vorhanden sei. „Es ist von großer Bedeutung, dass wir die jungen Menschen erreichen und ihnen den ersten Kontakt vermitteln“, führte er fort.

Der Kreisvorsitzende des VdK Landsberg Walter Eichner (links) im Gespräch am Stand des Klinikums Landsberg.

Der Kreisvorsitzende des Sozialverbandes VdK Landsberg und ehemalige Landrat Walter Eichner war ebenfalls auf der Pflegemesse anzutreffen. „Die Lösung offener Fragen, auch auf Landkreisebene, stellt eine große Herausforderung für die Sozial- und Gesundheitspolitikpolitik dar“, so der Altlandrat.

Rückkehr der Messe?

Auch Messe-Mitorganisatorin Dr. Birgit Haimerl, Geschäftsstellenleiterin Gesundheitsregion Plus im Landsberger Gesundheitsamt, war zufrieden: „Ich war überrascht, dass so viele Schüler und Klassen vorbeikamen, weil die Messe ja freiwillig war.“ Die Aussteller hätten ihr bereits ein positives Feedback gegeben, sie warte aber noch auf die ausführlichen Meinungsbögen.

Ob es eine weitere Messe gebe, hänge von vielen Faktoren ab. Sie könne sich aber in Zukunft vorstellen, die Pflegeberufemesse mit der Ausbildungsmesse zu verbinden, so Haimerl. „Bei der Ausbildungsmesse hat ja fast jeder Berufszweig seine eigene Halle. So wie die Handwerker müssten dann eben auch die Pflegeberufe eine eigenständige Halle bekommen.“
Matthias Gschwind

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