Kaufering vor der Bürgermeisterwahl:

Von Schlagabtausch keine Spur im Leonhardisaal

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Im überfüllen Leonhardisaal bezogen die Bürgermeisterkandidaten Andreas Keller, Dagmar Kramer, Thomas Salzberger, Gabriele Uitz und Bärbel Wagener-Bühler erstmals auf dem Podium Stellung.

Kaufering – Von Politikverdrossenheit keine Spur: Wer nicht rechtzeitig kam, musste sich sogar mit einem Stehplatz zufrieden geben. Grund für den Auflauf im Leonhardisaal: Die fünf Bürgermeister-Kandidaten stellten sich auf der Theaterbühne aktuellen Fragen und Problemstellungen im Rahmen einer Podiumsdiskussion.

Einziger Wermutstropfen des Abends war die Lautsprecheranlage, die durchgehend für Ärger sorgte. Ansonsten gab es viele interes­sante Aussagen von gut vorbereiteten Kandidaten. Die Kauferinger konnten sie hautnah erleben; und umgekehrt hatten Gabriele Uitz (CSU), Thomas Salzberger (SPD), Andreas Keller (GAL), Bärbel Wagener-Bühler (Kauferinger Mitte) und Dagmar Kramer (Freie Wähler) die Möglichkeit, aus erster Hand zu erfahren, wo den Kauferingern der Schuh drückt. Eingeladen hatte dazu der Dorfverein, die Moderation übernahm Simon Nieberler.

Wohl eine der interessanten Fragen war, was die Kandidaten im Falle einer Wahlniederlage machen würden. Die Frage zielt speziell auf Gabriele Uitz und Bärbel Wagener-Bühler ab. Uitz ist erst im letzten Sommer nach Kaufering gezogen und Wagener-Bühler wohnt noch gar nicht im Ort. Uitz versprach, auch im Falle einer Wahlniederlage im Ort zu bleiben und sich weiter politisch zu engagieren. Ihre Kinder wären entsetzt, wenn sie wieder wegziehen müssten, sagte die fünffache Mutter. Wagener-Bühler betonte, dass sie gerne nach Kaufering ziehen würde. Für Thomas Salzberger, Andreas Keller und Dagmar Kramer war das keine Frage. Sie wollen alle sich weiter für den Markt engagieren.

Manchmal bedarf es erst eines Wahlkampfes, um die heißen Themen anzugehen, die Kaufering seit Jahren bewegen. Eines dieser Themen war das Heizkraftwerk, das der Marktgemeinde seit dem ersten Tag Verluste einbringt und nicht unwesentlich zur Verschuldung des Ortes beigetragen hat. Für Bärbel Wagener-Bühler ist klar, dass man das Heizkraftwerk durch verschiedene Maßnahmen wirtschaftlich machen könne. Andere ähnliche Werke würden schließlich auch hochrentabel arbeiten.

Andreas Keller sieht Licht am Ende des Tunnels. Er will die Konsolidierung fortsetzen. „Vielleicht schaffen wir im nächsten Jahr schon die schwarze Null“. Ähnlicher Meinung ist Thomas Salzberger. Er würde die Konsolidierung weiter fortzusetzen. Ein Verkauf komme für ihn nicht infrage. Salzberger wies aber darauf hin, dass kein dauerhaftes Defizit zu akzeptieren sei. Auch die Verrechnung der Verluste mit den Einnahmen aus der Photovoltaikanlage sieht er kritisch, zumal nach Ablauf der Stromeinspeisungvergütung die Anlage auf dem freien Strommarkt konkurrieren müsse.

„Mit Sparen allein kommen wir nicht voran“, sagte Gabriele Uitz. Man sei schon in der Planungsphase von falschen Zahlen ausgegangen. Uitz widersprach Bärbel Wagener-Bühler was die Wirtschaftlichkeit angeht. Was man brauche, seien neue Ideen. So werde am Biogashof in Weil überflüssige Wärme in Granulat gespeichert, das nach Kaufering gebracht und zur Heizung des Hallenbades genutzt werde. Auch über das Undenkbare sollte man nachdenken, nämlich die Anlage zu verkaufen oder in Teilen oder komplett abzuschalten. Ein Bürgermeister entscheide natürlich nicht alleine über derart gravierende Fragen. Das müsse im Marktgemeinderat diskutiert werden. Gerade wenn die schwarze Null nicht erreichbar sei, wäre die Abschaltung eine Alternative. Für Andreas Keller ein finanzielles Desaster, da das Kraftwerk gerade erst einmal bei der „Halbzeit“ angelangt sei.

Wenig unterschiedliche Standpunkte gab es in der Diskussion über das Flüchtlingsheim am Schwimmbad. Der Vertrag läuft 2019 aus. Landrat Thomas Eichinger, Besucher der Podiumsdiskussion, musste zur Kenntnis nehmen, dass man in Kaufering keineswegs an einer Verlängerung interessiert ist. Die Forderung lautete, die anerkannten Flüchtlinge und Asylbewerber dezentral auf alle Gemeinde im Landkreis zu verteilen. Kauferings Drehkreuzfunktion müsse beendet werden. Außerdem müsse der Landkreis endlich die versprochenen Sozialwohnungen bauen.

Einig waren sich alle Diskussionsteilnehmer darüber, dass man das Ehrenamt wertschätzen und die Kauferinger Vereine weiter unterstützen müsse. Auch die Tempo 30-Zonen und die Vorfahrtsregelung war wieder einmal mehr Thema. Dagmar Kramer, die mehr als 2.000 Unterschriften gesammelt hatte, um auf den Hauptstraßen wieder eine Vorfahrtsberechtigung zu erreichen, will weiter dafür kämpfen. Keine einheitliche Meinung gab es zum Standort fürs neue Feuerwehrgebäude.

Einigkeit herrscht auch über die Notwendigkeit des Breitbandausbaues. Gabriele Uitz versprach, den designierten Ministerpräsidenten Markus Söder bei seinem Besuch in Kaufering am 22. Februar daraufhin anzusprechen.

Siegfried Spörer

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