Hotel muss sich Kirche unterordnen

Erster Entwurf zum neuen Hotel steht: Ist aber immer noch zu groß

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Anstelle des 1906 gebauten Lagerhauses (rechts) hinter der Gaststätte Seepost soll ein modernes neues Hotel entstehen. Es muss sich aber der historischen Kirche St. Jakob (links) von 1149 unterordnen.

Schondorf – „Darf‘s a bisserl mehr sein?“ Nach dem lukrativen Spruch beim Metzger gingen wohl die Bauwerber des geplanten Hotels auf dem Seepost-Areal in Schondorf vor und hofften auf ein ‚Ja‘. Im Frühjahr stellten sie im Gemeinderat ihre Pläne vor, die aber einhellig als zu überdimensioniert abgelehnt wurden. Anders rechne sich das Projekt wirtschaftlich nicht, so die Begründung. Jetzt plötzlich die Kehrtwende. Im Bauausschuss und im Gemeinderat präsentierte man jetzt eine deutlich geschrumpfte Planung, die den Bebauungsplan von 2008 aber immer noch das „bisserl von 50 Prozent“ überschreitet.

Dass ein modernes Hotel in bester Lage direkt am Ammersee die Touristengemeinde Schondorf aufwerten würde, darüber waren sich die Rathausspitze und alle Gemeinderäte einig. Zumal auch ein dringend benötigter Veranstaltungssaal entstehen soll. Magenschmerzen bereiten aber immer noch die zu großen Dimensionen im Schatten der historischen St. Jakobs Kirche. Man könne hier keine Ausnahme bewilligen, betonte Gemeinderat Wolfgang Schraml (FW). „Bei den Kleinen sind wir kleinlich, bei den Großen wären wir großzügig“ sagte er in Bezug auf alle bisher abgelehnten Anträge wegen Bebauungsplanüberschreitung.

In den neu eingereichten Plänen soll jetzt an Stelle des alten Lagerhauses (Baujahr 1906) hinter der Seepost der Hotelneubau mit einem Stockwerk weniger und auch einer kleineren Tiefgarage entstehen. Damit sei man von der Gesamthöhe – wie gefordert – deutlich unter der Traufhöhe der benachbarten St. Jakob Kirche. Diesem als „prägender Landmarke“ weithin sichtbare Kulturdenkmal muss sich ein Hotelneubau unterordnen, so Kirchenpfleger Marius Langer. Im Erdgeschoss ist neben dem Foyer der Saal für Veranstaltungen, Seminare, Hochzeiten etc. vorgesehen. Zum jetzigen Restaurant Seepost wird es eine direkte Verbindung geben. Zusammen mit den Fremdenzimmern in der Seepost käme das Gesamtprojekt auf 29 Hotelzimmer. Ein Wellness- und Fitnessbereich soll den Gästen zur Verfügung stehen. In der Tiefgarage sind jetzt nur noch 14 Stellplätze geplant. Sie würde damit nicht mehr in die unmittelbare Nähe der Kirche reichen, unter der man stollenartige Erdställe vermutet. In denen hatten sich vermutlich die Schondorfer Bürger bei den jahrelangen blutigen Fehden zwischen Staufern und Welfen versteckt.

Bürgermeister Alexander Herrmann plädierte für die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes. Mit dem Bauwerber wolle man gemeinsam auf einen Konsens „mit offenem Ende“ hinarbeiten. Die Gemeinde dürfe aber nicht haften, wenn das Projekt aus Gründen wie auch immer nicht zustande komme. Herrmann stellte nochmals klar, dass die jetzt vorgestellten Pläne nur einen Vorentwurf als Diskussionsgrundlage darstellten. Mit zwölf Ja-Stimmen bei drei Gegenstimmen und einer Enthaltung stimmten die Gemeinderäte schließlich für den „Prozesseinstieg eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes.

Die Gaststätte Seepost mit Terrasse und Biergarten und dem traumhaften Blick auf den Ammersee bleibt auf jeden Fall erhalten. Der Wirtsgarten schließt sich direkt an die Südwand von St. Jakob an, was früher durchaus beabsichtigt war. Denn die Symbiose von Kirche, Wirtshaus und Beherbergung hat in der katholischen Welt eine lange währende Tradition nach der Devise „keine Wallfahrtskirche ohne Gasthof“.

Die unter Denkmalschutz stehende Kirche St. Jakob von 1149 sei ein beeindruckendes Beispiel romanischer Baukunst und gehört zum Netzwerk der Pilgerkirchen am Jakobsweg, so die Denkmalschützer. Der auf einem Hügel direkt am See vom Schondorfer Adeligen Chuonradus errichtete Tuffsteinbau sei eine „Landmarke“ und für Pilger schon von weitem zu sehen. Das doppelgeschossige Gotteshaus gilt als eine der bedeutendsten hochmittelalterlichen Kleinkirchen Bayerns mit profanem Obergeschoss. Die Deutungen für diesen Raum zwischen Gewölbe und Dachstuhl sind unterschiedlich und gehen von der Beherbergung von Pilgern bis zum Trockenplatz für Fischernetze. Denn das damalige Unterschondorf bestand nur aus ein paar Fischerhütten. Auch unterirdisch rund um die Kirche könnten sich stollenartige Erdställe als Verstecke befinden, was dann als erhaltungswürdiges Bodendenkmal ausgewiesen würde. Selbst Gräber im Kirchenbereich seien möglich. Bodenuntersuchungen und Bauarbeiten für Hotel und Tiefgarage müssten auf jeden Fall archäologisch begleitet werden, so die Denkmalschützer.

Dieter Roettig

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