"Querfinanzierung bewirkt Wohnen für alle"

Erster Spatenstich am Papierbach - Schrem-Bau wird ersetzt

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Beim ersten Spatenstich am Papierbach-Areal: Projektentwickler Michael Ehret, Stadtbaumeisterin Birgit Weber, Stadtjustitiarin Petra Mayr-Endhart, Oberbürgermeister Mathias Neuner (von rechts).

Landsberg – Der erste Spatenstich für das "Urbane Leben am Papierbach", der am vergangenen Donnerstag im Frühnebel stattfand, war der Startschuss für die nun beginnenden Ausschachtarbeiten. Gleichzeitig bildete er den Rahmen für eine improvisierte Pressekonferenz von Projektentwickler Michael Ehret (ehret + klein) und Oberbürgermeister Mathias Neuner, aus der neue Informationen resultierten. Die vielleicht wichtigste Mitteilung: Der Karl-Schrem-Bau soll abgebrochen und durch einen äußerlich vergleichbaren Bau in Industrieanmutung ersetzt werden.

Außen sehr ähnlich, innen ganz anders – so könnte man den Plan von ehret + klein zum Karl-Schrem-Bau zusammenfassen. Die Hauptgründe für den Abriss lägen im kontaminierten Beton, der praktisch auf jeder Etage bis auf zwei Zentimeter abgetragen werden müsste, sowie den Anforderungen an eine energiesparende Gebäudestruktur und den Brandschutz.

Michael Ehret hatte bereits in einer Stadtratssitzung vor der Sommerpause darauf hingewiesen, dass es vielleicht keine andere Möglichkeit geben würde; daher hatte ehret + klein den Bauantrag auch zunächst auf die Nebengebäude reduziert.

Der Gestaltungsbeirat der Stadt hatte zwei Tage zuvor über einen neuen Entwurf beraten, der allerdings noch einmal modifiziert wird. Ehret erklärte, durch den Neubau mit niedrigeren Decken solle keine zusätzliche Wohnetage entstehen; allenfalls Galerien im Souterrain und ein Staffelgeschoss seien denkbar. Auch Balkone würden nicht vorgesehen. Man wolle so nah wie möglich an die industrielle Bauweise herankommen und sogar die dafür typischen Baumaterialien verwenden. "Es wird wieder ein Stahlskelettbau mit Sehnen sein."

Zu teuer?

Ehret und Neuner äußerten sich auch zu den Quadratmeter-Preisen zwischen 4.800 und 6.600 Euro, die vom exklusiv beauftragten Vermarkter Realwert in den beiden bereits geplanten Gebäuden vor dem Karl-Schrem-Bau aufgerufen werden. Zum einen handele es sich um die Filetgrundstücke im Areal; die Wohnungen hätten teilweise Lechblick und Dachterrassen. Innerhalb des Baugebiets, das 800 Wohnungen umfasst, entstünden zahlreiche preisgünstigere Objekte, darunter auch 30 Prozent Sozialwohnungen. "Die teureren Wohnungen finanzieren die günstigen mit", sagte Ehret dem KREISBOTEN, "erst die Querfinanzierung bewirkt Wohnen für alle".

Man müsse grundsätzlich beachten, dass der Projektentwickler nicht nur Wohnungen baue, sondern auch den Lechsteg und die Bahnüberführung finanziere, eine Fußgängerzone schaffe, Schulerweiterungen bezahle, die Baukosten für das neue Jugendzentrum übernehme und zu zwei Kindertageseinrichtungen beitrage. Insgesamt summierten sich die Zahlungen an die Stadt auf fast 20 Millionen Euro. Außerdem habe ehret + klein das Grundstück nicht altlastenfrei bekommen. "Wenn Sie diese Kosten auf die Quadratmeter Wohnfläche umlegen, dann führt allein das zu einem höheren Kaufpreis".

Auch Neuner argumentierte: "Hier entsteht ja nicht nur Wohnen, hier entsteht urbanes Leben mit Veranstaltungsräumen, Gewerbe, Gastronomie, hier entsteht eine neue städtebauliche Achse". Stadtjustitiarin Petra Mayr-Endhart präzisierte: "Das hier ist der schönste Fleck der Stadt, es ist aber auch der komplizierteste." Zu beachten sei auch, dass keine zusätzliche Fläche versiegelt werde: "Wir nutzen bereits versiegelte Fläche um".

In Sachen "Altlasten" erklärte Ehret auf Nachfrage, die Entsorgung sei praktisch abgeschlossen. Auch das Thema "Merowinger-Gebeine" sei erledigt. Bei den nun beginnenden Ausschachtarbeiten bewege man sich auf Grundwasser-Niveau: "Was da war, ist wahrscheinlich längst durchspült."

Tempo anziehen?

Ehret bat die Stadt darum, bei den Baugenehmigungen das Tempo anzuziehen; das sei die Voraussetzung für die nächsten notariellen Beurkundungen. Man warte "sehnsüchtig" auf den nächsten Bescheid. Stadtbaumeisterin Birgit Weber versicherte, ihr seien keine Hindernisse bekannt; es könne sich nur noch um kleine Verzögerungen handeln. Ehret lobte trotzdem die "extrem professionelle" Zusammenarbeit mit der Verwaltung. "Es ist spannend, es macht Spaß".

Einig waren sich alle Beteiligten über die Bedeutung des Augenblicks. Mathias Neuner im Gespräch mit dem KREIBOTEN: "Der heutige Spatenstich ist Symbol einer Zeitenwende für Landsberg. Das Papierbach-Projekt ist eine Stärkung für die Innenstadt. Die Verbindung der alten und der neuen Stadt, vor allem durch den Lechsteg, das ist etwas ganz Bedeutendes."

Im Frühjahr 2019 kommen die (Hochbau-) Bagger aufs Gelände. Parallel soll die Errichtung des Lechstegs beginnen. Er soll bereits Anfang 2020 fertig sein. Im Laufe des Jahres können dann die ersten Bewohner ins Papierbach-Areal einziehen. 

Werner Lauff

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