2.000 Euro Geldstrafe

35-Jährige beschimpft und ohrfeigt 15-Jährige

+

Landkreis – Eine 35-Jährige ist vor dem Amtsgericht in Landsberg zu einer Geldstrafe von 2.000 Euro verurteilt worden, weil sie die zum Tatzeitpunkt 15-Jährige Freundin ihres Sohnes ins Gesicht geschlagen hat. Die Strafe hätte aber noch deutlich empfindlicher ausfallen können, hätte ihr Sohn nicht seine Aussage vor Gericht verweigert.

Der Vorfall ereignete sich im Oktober letzten Jahres. Der mittlerweile 16-jährige Sohn der Angeklagten war zusammen mit seiner damaligen Freundin bei einer Bekannten. Wenig später stieß die Mutter mitsamt ihrem Lebensgefährten zu den drei Jugendlichen dazu. Ab hier unterscheiden sich die Aussagen der Beteiligten maßgeblich. Die Angeklagte behauptete, dass ihr Sohn sie, kaum dass sie aus dem Auto ausgestiegen war, zu Boden schubste. Ihr Lebensgefährte sei dazwischen gegangen und habe ihren Sohn festgehalten. „Ich war sauer und da habe ich seine Freundin angeschrien“, sagte die 35-Jährige aus. Mit „Schlampe“ und „Hurre“ soll sie die damals 15-Jährige beschimpft haben. „Ja, das habe ich gemacht. Und das tut mir auch wirklich leid.“ Ihr mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen habe sie ihr aber nicht, beteuerte die Angeklagte immer wieder.

Laut Anklage soll sie zudem ihrem Sohn mit der Faust auf den Hinterkopf und den Rücken geschlagen haben. Auch das stritt sie ab. Tatsächlich konnte das auch keiner der geladenen fünf Zeugen bestätigen. Der Sohn selbst verweigerte seine Aussage vor Gericht.

Die Geschädigte schilderte den Vorfall vor Gericht anders. Die Angeklagte sei aus dem Auto gestiegen und habe vollkommen unvermittelt die 15-Jährige beschimpft. „Sie hat gesagt, ich wolle ihr den Sohn wegnehmen“, erzählte die Jugendliche vor Gericht. Dann habe die Angeklagte sie in eine Ecke an der Garage gedrängt und zweimal versucht, mit der flachen Hand in das Gesicht zu schlagen. Beim ersten Mal habe sie aber lediglich ihre Brille erwischt.

Anschließend habe die Angeklagte bis zum Eintreffen der Polizei weiter herumgeschrien. Die bei der Tat ebenfalls anwesende Freundin der beiden Jugendlichen bestätigte in ihrer Aussage die Geschehnisse. Allerdings habe sie die Ohrfeigen nicht selbst gesehen, weil sie ein Stück weiter weg mit den Eltern der Geschädigten telefoniert habe. Die Jugendliche habe nur gehört, wie der Sohn der Angeklagten rief: „Warum schlägst du meine Freundin?“ Ihre beste Freundin sei weinend bei der Garage gestanden. Mit der Hand an der Wange.

Der 37-jährige Lebensgefährte der Angeklagten konnte bei seiner Aussage die Vorwürfe weder bestätigen noch dementieren. Er sei die ganze Zeit mit dem Rücken zu den anderen gestanden. Denn er habe den Sohn der Angeklagten festgehalten, nachdem der seine Mutter gegen zwei Bäume gedrückt haben soll.

Die als Zeugin geladene Polizeibeamtin führte vor Gericht noch an, dass die Angeklagte erheblich alkoholisiert und sehr aggressiv war. Auch in Anwesenheit der Beamten habe sie herumgeschrien. Einen Atemalkoholtest habe die Frau verweigert und auch ein Gespräch sei nicht möglich gewesen. Auch weigerte sie sich zunächst, ohne ihren Sohn zu gehen. Die Polizisten wollten der Frau ihren Sohn ihn ihrem Zustand allerdings nicht überlassen, wie die Beamtin berichtetet. Stattdessen brachten sie ihn zu seinen Großeltern, bei denen der Jugendliche ohnehin seit etwa drei Jahren lebt.

Da der 16-Jährige Sohn seine Aussage verweigerte, konnte nicht geklärt werden, ob es tatsächlich zu den Faustschlägen kam. Zumal keiner der Zeugen Derartiges gesehen hat. Richter Alexander Kessler machte deshalb noch während der Zeugenbefragungen klar, dass es nur noch um die Ohrfeigen gegen das Mädchen ginge.

Der Verteidiger der Angeklagten, Klaus Huttenlocher, beantragte letztlich Freispruch. Er zweifelte an, dass es sich um eine vorsätzliche Körperverletzung gegen das Mädchen handelte. „Sie hat bei der Polizei und vor Gericht selbst gesagt, dass sie nur ein leichtes Ziehen verspürt, aber keine Schmerzen gehabt habe“, erklärte der Jurist. Zudem sei es denkbar, dass es im Gerangel zu einem Versehen kam und seine Mandantin nicht die Absicht hatte, das Mädchen zu ohrfeigen.

Das letzte Wort hatte die Angeklagte. Sie sprach das Mädchen direkt an: „Ich möchte mich nochmal offiziell für die Beschimpfungen entschuldigen.“ An den Richter gewandt: „Aber geschlagen habe ich sie wirklich nicht.“

Richter Alexander Kessler verurteilte die 35-Jährige zu 50 Tagessätzen à 40 Euro. Und blieb damit unter den geforderten 90 Tagessätzen der Staatsanwaltschaft. Glück für die Angeklagte, denn ab 90 Tagessätzen werden die Vorstrafen in das polizeiliche Führungszeugnis aufgenommen.

Der Vorsitzende habe nicht die geringsten Zweifel, dass die Geschädigte die Wahrheit sage. „Klarer und glaubhafter kann eine Aussage gar nicht sein.“

Als strafmildernd bewertete der Richter, dass es sich um eine sehr geringe Verletzung handelte. Auch die erhebliche Alkoholisierung wertete er zum Vorteil der 35-Jährigen. Wobei er betonte, bei einem weiteren Vorfall unter Alkoholeinfluss würde es strafverschärfend wirken. Als negativ wertete der Richter den Altersunterschied. „Das Tatopfer ist halb so alt wie Sie. Sie hätten eigentlich eine Vorbildfunktion gehabt, die Sie aber in keinster Weise erfüllt haben.“

Stephanie Novy

Auch interessant

Meistgelesen

Unbekannte sprengen Zigarettenautomat in Reichling
Unbekannte sprengen Zigarettenautomat in Reichling
Jugendliche Graffiti-Sprüher identifiziert
Jugendliche Graffiti-Sprüher identifiziert
Kommunalwahl 2020: SPD verzichtet auf Landrats-Kandidat
Kommunalwahl 2020: SPD verzichtet auf Landrats-Kandidat
Ordensschwestern kippen Landsberger Gewerbebiet
Ordensschwestern kippen Landsberger Gewerbebiet

Kommentare