Heute im Landsberger Bau-, Planungs- und Umweltausschuss:

Geht "drei mal drei"?

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Drei Gebäude mit drei Etagen – die Anwohner sehen darin keine siedlungstypische Wohnbebauung.

Landsberg – Und ewig grüßt das Murmeltier: Am heutigen Mittwoch steht das Thema „Bebauung der Freifläche am Hopfengarten“ erneut auf der Tagesordnung des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses des Stadtrats. Huber Wohnbau aus Buchloe hatte 2007 die Genehmigung für den Bau von drei Reihenhäusern und einem Doppelhaus erhalten und immer wieder die Verlängerung beantragt. Doch das reicht dem Projektentwickler nicht: Nach einem (einstimmig abgelehnten) großen Mehrfamilienhaus stellt er nun zwei oder drei Mehrfamilienhäuser zur Debatte. Die Anwohner protestieren auch diesmal.

Die erste der beiden ­Bauvoranfragen basiert auf dem Vorhaben, das Haus „Hopfengartenstraße 13“ zu erwerben, abzureißen und das Grundstück in das neue Vorhaben einzubeziehen, das dann aus drei Mehrfamilienhäusern bestehen würde. Der Vorteil: Das Problem der unzureichenden Einfahrt direkt am bestehenden Eckhaus vorbei würde entfallen; das ­Gesamtgrundstück „­Hopfengartenstraße 13 bis 15“ hätte dann einen breiten Straßenanschluss. Von dort ginge es in eine große durchgehende Tiefgarage und zu den fünf ­oberirdischen Besucherparkplätzen.

Das Vorhaben ist nach § 34 des Bundesbaugesetzes vor allem daraufhin zu prüfen, ob die Grundflächen (281, 303 und 304 Quadratmeter) und Höhen der geplanten Baukörper denen der Umgebung ­entsprechen. Die Stadtverwaltung gibt in Sachen „Grundflächen“ grünes Licht, findet allerdings neben einem Einzelgebäude (Schwaighofstraße 63) nur einen „Gebäudekomplex“ und eine „Reihenhausanlage“ mit ähnlichen Maßen. „­Hinsichtlich der Grundflächen fügt sich das Vorhaben somit in die Umgebung ein“, meint die Verwaltung, ohne weiter dazu Stellung zu nehmen, ob man die Grundfläche eines Hauses wirklich mit der Grundfläche vergleichen kann, die durch das Aneinanderbauen mehrerer Häuser entstanden ist.

Auch hinsichtlich der Höhen­entwicklung füge sich das Vorhaben in die Umgebung ein. Allerdings ist das nur deswegen der Fall, weil die Dachform nicht in die Betrachtung einbezogen werden darf. Ein Haus mit Walm- oder Satteldach und einer Firsthöhe von neun Metern ist etwas anderes als ein faktisch dreigeschossiges Haus mit Flachdach ohne Schrägen; es mag die gleiche Höhe haben, verfügt aber über eine andere Kubatur. Die Stadtverwaltung vergleicht in ihrer Sitzungsvorlage im Übrigen erneut das geplante Vorhaben mit dem ursprünglich genehmigten; da es aber nie verwirklicht wurde, kann es nicht Vergleichsobjekt sein.

Während aus dem Bauausschuss Sympathie für die Lösung „drei mal drei“ (drei Gebäude mit drei Etagen) zu hören ist, sind die Anwohner strikt dagegen. „In dieser Planung ist eine siedlungstypische Wohnbebauung mit kleineren Baukörpern mit Satteldächern nicht verwirklicht“, heißt es in einem Schreiben an die Ausschussmitglieder. Damit entstünden bodenrechtliche Spannungen; die Siedlung würde durch den „Präzedenzfall“ auf längere Sicht nachhaltig verändert. Der Kern der Nachkriegssiedlung würde „vollkommen zerstört“. Außerdem befürchten die Anwohner Verkehrsbelastungen und eine Veränderung des Grundwasserstands.

Huber Wohnbau hat noch eine zweite Voranfrage gestellt; sie sieht vor, auf den Erwerb des alten Wohnhauses zu verzichten und nur zwei Gebäude zu errichten. Auch sie will die Stadtverwaltung durchwinken. Der Nachteil dabei wäre, dass die Einfahrt zu den beiden Häusern problematisch bleibt. Freilich: Der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss ist in der Schwaig­hofsiedlung, wo es keinen qualifizierten Bebauungsplan gibt, an enge Kriterien gebunden. Grundsätzlich haben Grundstückseigentümer das Recht, so zu bauen, wie sie möchten; ob das dann praktisch und schön ist, darf die kommunale Politik nicht zum Maßstab machen – sie muss Interessen ausgleichen, ist aber kein Ersatzarchitekt.

Werner Lauff

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