Erzeugerpreise im Sturzflug – Landwirte im Landkreis beklagen "dramatische Situation" – Unter den Erzeugungskosten

„Die Landwirtschaftlichen Erzeugerpreise befinden sich im Sturzflug.“ Dieses ernüchternde Resümee hat Kreisobmann Leonhard Welzmiller vom Bayerischen Bauernverband am Donnerstag im Rahmen eines Pressegespräches auf dem Milchviehbetrieb Drexl in Schwifting gezogen. Den Bauern würden die Märkte weg brechen. Für ihre Produkte, etwa Mais, Weizen oder Milch, bekämen sie immer weniger, dagegen stiegen die Produktionskosten mit rasanter Geschwindigkeit, so der Kreisobmann. Viele Milchbauern stünden vor einer existenzbedrohenden Situation. Er appellierte an die Verbraucher, bewusst heimische Produkte zu kaufen, denn letztlich müssten diese am Markt erwirtschaftet werden.

Als „dramatisch“ bezeichnete Welzmiller die derzeitige Situation für die Landwirtschaft. Dabei säßen Ackerbauern, Schweinehalter und Milcherzeuger im selben Boot. Vor allem aber im Milchbereich sei die Entwicklung katastrophal, denn aktuell reduzieren Discounter und Einzelhandel die Preise für Milch und Milchprodukte drastisch. Die Folge seien starke Auswirkungen auf die Erzeugerpreise, auch in den anderen Bereichen. „Die Preise, die die Bauern im Landkreis Landsberg derzeit für Getreide bekommen, decken nicht einmal die Kosten für Saatgut, Dünger, Diesel und die aktuelle Ernte“, erklärte Welzmiller. So lägen die Erzeugungskosten pro Hektar Getreide bei rund 300 Euro. Dabei herrschten im vergangenen Jahr noch „traumhafte Verhältnisse“. Die Getreidepreise seien gut gewesen und der Milchpreis lag um die 40 Cent pro Liter, erinnerte Betriebsleiter Bernhard Drexl. Doch aus diesem Traum sei man inzwischen erwacht. „Vor einem Jahr bekamen wir für 100 Kilogramm Weizen bis zu 30 Euro, heuer ist es knapp die Hälfte. Beim Körnermais hat sich der Preis von 15 Euro auf derzeit nur noch fünf Euro reduziert“, so Drexl. Im freien Fall würde sich auch der Milchpreis befinden. Von durchschnittlich über 37 Cent pro Liter läge dieser im November bei 34 Cent, Tendenz weiter fallend. „Dies ist eine Katastrophe für mich“, betonte Milchvieh- bauer Drexl, dessen Betrieb erst vor zwei Jahren für gut eine halbe Million Euro modernisiert und vergrößert wurde. Jetzt seien die Betriebsmittelkosten um 100 Prozent rauf gegangen, erklärte er. Erschwerend kommt hinzu, dass der Verbrauch von Milchprodukten in privaten Haushalten gegenüber dem Vorjahr erheblich zurückgegangen ist. Speziell der Butterabsatz sei davon stark betroffen. „Hier gab es einen Einbruch des privaten Verbrauchs von 9,25 Prozent“, sagte Welzmiller. Für die schwierige Situation der Bauern seien neben gestiegenen Produktionskosten vor allem auch die Finanzkrise sowie das zurückhaltende Kaufverhalten des Handels und der Verarbeiter verantwortlich. Fleischerzeuger leiden zusätzlich unter Exporteinbußen. Beim Milchmarkt mache sich zudem bemerkbar, dass von der EU im Laufe dieses Jahres etwa 90000 Tonnen Butter weniger als noch im Vorjahr exportiert werden konnte. Auch Wettbewerbsverzerrungen wie zum Beispiel vergleichsweise hohe Dieselkosten würden zu Buche schlagen. So müssten die deutschen Bauern über 40 Cent Steuer je Liter Agrardiesel bezahlen, während ihre Kollegen aus Frankreich und Österreich gerade mal nur 5,5 beziehungsweise 9,8 Cent zu zahlen hätten, sagte Welzmiller. Heimische Produkte kaufen Aber auch durch die guten Getreideernten in Europa und auf der ganzen Welt, durch gute Wachstumsbedingungen in Ländern, die in den vergangenen Jahren Missernten eingefahren hatten, sei für Getreide ein mengenbedingter Preisdruck entstanden, so der Kreisobmann. Er rät den Getreideerzeugern im Landkreis, den Markt aufmerksam zu beobachten und günstige Verkaufsgelegenheiten zu nutzen. Die Milchbauern müssten sich verstärkt für eine bessere Vermarktung ihrer Milch einsetzen, ob in der Erzeugergemeinschaft oder über die Molkereigenossenschaften. An die Verbraucher appellierte Leonhard Welzmiller, bewusst heimische Milchprodukte zu kaufen. „Letztlich muss der Milchpreis am Markt erwirtschaftet werden.“

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