Dem Essen auf der Spur

Gehörigen Respekt hatten einige Grundschüler vor den Kühen im Stall. Foto: Peters

„Ihr seid die Hauptpersonen.“ Mit diesen Worten hieß Landesbäuerin Annemarie Biechl am Dienstag voriger Woche rund 40 Grundschüler aus Finning auf dem Bauernhof der Familie Gall willkommen. Der Aussiedlerhof vor den Toren der Gemeinde war Schauplatz der Auftaktveranstaltung zum 8. Kindertag der Landfrauen.

Alle zwei Jahre organisiert der Bayerische Bauernverband den Aktionstag, mit dem Kindern ein erster Zugang zur Landwirtschaft ermöglicht werden soll. Seit die Landfrauen 1998 den Schnuppertag zu ihrem 50-jährigen Jubiläum ins Leben riefen, erfreut sich die Aktion wachsender Beliebtheit. Waren es 2001 noch 24000 Kinder, die sich bayernweit auf 500 Betrieben einen Einblick in das Leben auf dem Bauernhof verschafften, liegt die Zahl der Teilnehmer heuer bereits bei über 53000 – Tendenz steigend. Für viele der Grundschüler ist es der erste Bauernhofbesuch in ihrem Leben. Selbst in Finning, mitten auf dem Land, heben fünf Kinder schüchtern ihre Hand, als Biechl fragt, wer noch nie auf einem Bauernhof gewesen sei. Für Johann Gall ist diese Entwicklung Warnsignal und Aufforderung zugleich. Die Bauern müssten ihre Betriebe in Zukunft noch viel mehr öffnen, fordert der Landwirt. Aus reinem Eigennutz: „Die Kinder sind schließlich unsere Kunden von morgen.“ Und wenn die nicht mehr wissen, woher die Milch im Supermarkt kommt, ist das für die ganze Branche ein Problem. Bei den Finninger Grundschülern braucht Gall keine derartigen Wissenslücken mehr zu fürchten. Fast zwei Stunden lang legt sich der Landwirt gemeinsam mit seiner Frau Angelika ins Zeug, um den Kindern die tägliche Arbeit auf dem Bauernhof näher zu bringen. Getreu dem Motto des Aktionstages „Dem Essen auf der Spur“ beginnt Galls Runde in der Milchkammer, wo die frische Milch aus dem silbernen Tank in den bereitstehenden Transportlaster gepumpt wird. Anschließend zieht die Gruppe weiter in den großen Außenklimastall, in dem die Galls ihre 55 Milchkühe halten. Immer wieder bombardieren die wissbegierigen Kinder den Landwirt mit Fragen. Wie viel frisst eine Kuh am Tag? Warum hat der Stier einen Ring in der Nase? Hören die Kühe auf ihren Namen? Gall wirkt inmitten der Kinderschar ein bisschen wie Löwenzahnmoderator Peter Lustig, der einst berühmt dafür war, schwierige Zusammenhänge kindgerecht aufzuarbeiten. Vor zehn Jahren siedelte der Bauer seinen Hof aus, im vergangenen November stellte die Familie ihren Betrieb auf ökologischen Landbau um. Eine eigene Biogas- sowie Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Gebäude sorgen für den benötigten Strom. Mit seinem offenen Stall und chipgesteuerten Futteranlage zählt der Milchviehbetrieb zu den modernsten in Bayern. Eines hat sich dadurch freilich nicht geändert: „Es ist immer noch sehr viel Arbeit“, sagt Gall. Das nehmen die Grundschüler allerdings schon gar nicht mehr wahr. Sie toben längst durch das Heu, das in einer der Hallen aufgetürmt ist.

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