Die musikalischen Schwestern

Esther und Carmen Steinmeier beim Landsberger "Jungen Rathaus"

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Die Schwestern Carmen (links) und Esther Steinmeier lockten zahlreiche Gäste zur Advents-Matinée ins Rathaus.

Landsberg – Außergewöhnlich viele Gäste sind bei der Advents-Matinée des „Jungen Rathauses“ am Sonntagvormittag zugegen. Fast der gesamte Festsaal ist gefüllt. Dass diese Zuhörer ein gutes Händchen bei der Auswahl ihrer kulturellen Veranstaltungen besitzen, zeigte sich im nachfolgenden Konzert der Geschwister Carmen und Esther Steinmeier: Mit einem abwechslungsreichen und anspruchsvollen Programm sowie einer gekonnten und selbstbewusst vorgetragenen Moderation versüßten sie den Sonntagmorgen – ganz ohne Kalorien.

Dabei haben sich die beiden Musikerinnen – Carmen ist 22, Esther 16 Jahre alt – nicht die einfachsten Instrumente ausgesucht: Esther widmet ihre Kunst dem Cello. Und Carmen lässt ihre Finger mit Leichtigkeit über die 40 Kilogramm schwere Harfe gleiten. Zum Glück hat das Instrument Rollen: „Ich fahre damit Bus, S-bahn., Metro, Zug. Und ich brauche keine Aufzüge“, lacht Carmen. Mobilität ist für sie wichtig, studiert sie doch momentan an der Haute École de Musique in Lausanne. Und war auch schon zuvor oft zwischen Berlin und München in diversen Orchesterengagements auf Mobilität angewiesen.

Ihre Schwester Esther startete eigentlich mit der Geige, bevor das Cello ihr Ohr eroberte. Und auch sie reist schon lange Strecken, um ihrem Wunsch nach perfekter Ausbildung nachzukommen: Seit Oktober ist sie Jungstudentin an der Musikhochschule Stuttgart, zudem spielt sie im Bundesjugendorchester. Und fast nebenher besucht sie die 11. Klasse des Ignaz-Kögler-Gymnasiums.

Das Programm der beiden Schwestern mäanderte zwischen Romantik, Barock und Neuzeit. Beeindruckend gleich Ernst Blochs (der Musiker, nicht der Philosoph) „Prayer“ aus der Suite „From Jewish Life“. Der als ‚Vater der jüdischen Konzertmusik‘ bezeichnete Komponist ließ sich von jiddischen Volksliedern inspirieren, wobei seine Arbeit in seinem Geburtsland, der Schweiz, weitaus weniger anerkannt wurde, als in dem Land, in dem er 1916 eine Stelle als Dirigent bei einer Ballettkompagnie annahm: in den USA. Die Suite entstand 1925 in Cleveland und enthält in dem von den Schwestern gespielten ersten Satz eine tief bewegende Melodie, die den Gesang eines Kantors nachahmt. Eine Melodie, die Esther mit großer Emotionalität spielte. Vor allem die düstere Stimmung des eher ‚dissonanten‘ Mittelteil s bekam durch Esthers Spiel Tiefe und Ausdruck. Und entsprach damit Blochs Veto für „gute und aufrichtige Musik.

In Franchommes Caprice no. 9 in h-moll überzeugte Esther auch als Solistin. Und nach einem traumhaften „Après un rêve“ von Fauré ließ Carmen in einer Fantasie für Harfe solo des in Braunschweig geborenen Louis Spohr ihre Finger über die Saiten tanzen. Arpeggien und präzise Läufe wechselten mit ausdrucksstarken Melodien. Harfenkompositionen seien selten, informierte Camen. „Spohr verliebte sich aber in eine Harfenistin, die auch seine Frau wurde.“ Und für die er zahlreiche Harfenwerke ersann. Wobei er sich in die komplizierte Technik des Saiteninstruments, das mittels Pedalen einer Saite drei verschiedene Töne entlocken kann, ein fuchsen musste. „Denn Komponieren für Harfe ist nicht so einfach“, betonte Carmen.

Nach einer Stunde endete das Konzert. Eines, das Entspannung und Inspiration vereinte.
Susanne Greiner

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