Bayern-Rundfahrt der Radprofis:

Im großen Bogen um Landsberg

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Weil Radprofis mit enorm hoher Geschwindigkeit ins Ziel rasen, benötigt man für die Zielgerade rund 500 Meter – damit scheidet der Landsberger Hauptplatz aus.

Landsberg – Dank André Greipel, Tony Martin und John Degenkolb: Deutschland ist wieder im Radsportfieber. Der Stadt Landsberg indes steht der Sinn nicht nach rasenden Radrennfahrern; sie hat das Angebot ausgeschlagen, bei der „Bayern-Rundfahrt“ für Radprofis 2016 Etappenziel zu werden. Entsprechende Informationen bestätigten gegenüber dem KREISBOTEN jetzt sowohl Rundfahrtleiter Ewald Strohmeier als auch Oberbürgermeister Mathias Neuner.

Auf Anregung eines Kamera-Motorradfahrers aus der Lechstadt habe er den Vorschlag vorgestellt und mit dem Oberbürgermeister besprochen, so Strohmeier. „Das ist ja eigentlich auch eine gute Idee. Wir waren noch nie in Landsberg und unsere ehemalige Pressechefin wohnt auch da.“ Bei Neuner stieß er mit dem Angebot aber nicht auf sehr große Gegenliebe. „Man hat das in der Verwaltung besprochen und mir jetzt gesagt, es ist wegen der Straßen in Landsberg und wegen des hohen Gesamtaufwandes nicht machbar.“

Dazu steht der Oberbürgermeister auch und erläutert die Hintergründe aus seiner Sicht. „Für die Ankunft braucht man 500 Meter Zielgerade, somit fällt der Hauptplatz schon aus.“ Man hätte stattdessen in die Breslauer Straße gehen sollen, aber, so Neuner, „wenn wir so etwas machen, dann wollen wir ja schon etwas für unsere Altstadt tun. Bei der aufwendigen Organisation hätte man dann schon dort die Siegerehrung machen müssen und das vielleicht mit einem Tag der offenen Tür kombinieren.“

Ein weiterer Punkt, der nach Ansicht des Stadtoberhauptes gegen weitere Verhandlungen sprach: „Wir hätten 395 Übernachtungen bezahlen müssen, davon 275 in Friedberg, weil von dort am nächsten Tag weitergefahren werden sollte. Bei so viel Geld sollte das dann aber wenigstens in der Stadt bleiben.“

Dass sich die wichtigste und ranghöchste Radrundfahrt in Deutschland auch aus Beiträgen der Etappenorte finanziert, ist kein Geheimnis; etwa ein Drittel der Gesamtkosten übernehmen die Städte, die angefahren werden, heißt es ganz offiziell. „Das sind ungefähr 40000 bis 50000 Euro pro Stadt“, so Strohmeier. „Das kann man durch Sponsoring teilweise refinanzieren, außerdem bleibt durch Besucher und Übernachtungen ja viel Geld in der Stadt – und es gibt auch noch die Berichterstattung darüber.“ Auch die hatte es der Verwaltung aber nicht angetan. „Wir haben das analysiert, das sind ungefähr 30 Sekunden in der Rundschau. Das ist für mich nicht der ganz große Mehrwert“, sagt OB Neuner.

Dass solche Angebote ausgeschlagen werden, komme durchaus vor, allerdings eher selten, sagt Strohmeier, der seit Beginn der Rundfahrt 1980 die Veranstaltung organisiert. „In Freising hat der Stadtrat einmal kontrovers diskutiert, da hat dann gleich Erding zugeschlagen.“ Einen Alternativplan habe er für die Rundfahrt 2016 nach der Absage aus Landsberg noch nicht, aber generell sei „eine ganze Menge Städte interessiert“. So hat in Amberg der Stadtrat unlängst mit großer Mehrheit beschlossen, sich um eine Etappenankunft zu bewerben. Bayern sei groß, sagt Strohmeier, „wir schauen halt, dass wir über die Jahre flächendeckend sind.“

Dass Landsberg jetzt vorerst ein weißer Fleck auf der Rundfahrt-Karte bleiben wird, wurde dem Stadtrat allerdings nicht zur Entscheidung vorgelegt, wie Oberbürgermeister Neuner bestätigt. „Wir bekommen jedes Jahr sehr viele Veranstaltungsanfragen, das geht in die Hunderte. Das geben wir ja nicht jedesmal in den Stadtrat.“ Außen vor gelassen will er das Gremium damit aber nicht wissen: „Wenn ein Stadtrat großes Interesse an der Rundfahrt hat, kann er gerne einen entsprechenden Antrag für das nächste Jahr stellen.“

Christoph Kruse

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