Die EVL-Luft wird dünner

Selten konnte sich der EVL am Freitag gegen Füssen so behaupten wie in dieser Szene Landsbergs Stürmer Florian Brenninger (links) gegen Gäste-Spieler Sebastian Wolsch. Foto: Krivec

Das Wochenende ging für den EVL mit einem Mini-Erfolgserlebnis zu Ende, doch die Hilferufe des Trainers werden lauter: Mit 3:4 (0:1, 0:2, 3:0, 0:1) unterlag man am Sonntag in Selb erst nach Penaltyschießen und holte somit nach 0:3-Rückstand noch einen Punkt. Insgesamt bedeutete das allerdings die sechste Partie in Folge ohne Sieg und den vorletzten Tabellenplatz in der Oberliga – und noch dazu fällt am kommenden Freitag im Heimspiel gegen Passau (20 Uhr) neben Philipp Michl (Knieverletzung) auch noch Nick Anderson aus, der in Selb eine Spieldauer-Disziplinarstrafe kassierte.

„Er fährt einen Check, der Schläger geht mit hoch, Absicht war das nicht, man hätte es auch bei zwei plus zwei Minuten belassen können“, ärgerte sich Coach Dave Rich nach der Partie. Entscheidend für die Niederlage war diese Situation allerdings nicht, vielmehr setzte sich fort, was sich in den vergangenen Spielen bereits abgezeichnet hat: Der EVL macht zu viele Fehler im eigenen Drittel und verfügt über zu wenige Spieler mit Erfahrung, um in kritischen Spielsituationen den Überblick zu behalten. Beispiele gab es in den jüngsten Spielen zuhauf, so auch am Freitag bei der 2:4 (2:2, 0:1, 0:1)-Niederlage im Heimspiel gegen den EV Füssen. Der EVL hatte wie die sprichwörtliche Feuerwehr losgelegt und hätte zur ersten Pause bereits klar führen können, als Verteidiger Ricky Helmbrecht 13 Sekunden vor Drittelende beim Stand von 2:1 mit der Scheibe in der Ecke des Verteidigungsdrittels stand. „Es gibt oft in solchen Momenten zwei Optionen, in dem Fall war es: Puck über das Plexiglas aus dem Drittel rausschießen oder hinter das Tor zurückspielen“, so Rich, „wir entscheiden uns zu oft für die falsche.“ Die falsche Option war diesmal die Plexiglas-Variante, die richtige wäre die andere gewesen. So fing Ex-EVL-Profi Sebastian Wolsch den Puck mit der Hand an der blauen Linie ab und schoss auf das Tor, wo Raphael Rohwedder völlig alleingelassen zum 2:2 abfälschen konnte – ein Treffer, von dem sich die Gastgeber seltsamerweise nicht mehr erholten. Mit je einem weiteren Treffer in den folgenden Dritteln brachte der EVF den Sieg relativ locker nach Hause. „Wir haben das dann kontrolliert und ich denke auch verdient gewonnen“, fasste das Gästetrainer Schorsch Holzmann später zusammen. Bleibt die Frage, warum der EVL auch bei relativ knappen Rückständen in dieser Saison nicht mehr zurückschlagen kann. Rich beantwortet das so: „Man merkt einfach den Unterschied, wenn der Gegner einige erfahrene Spieler mehr hat. Die gewinnen mehr Bullys, die wissen in jeder Situation, was sie zu tun haben.“ Spieler dieser Art fehlen dem EVL derzeit und deshalb griff Rich in Selb zu einer gewagten Maßnahme, die letztendlich den Punktgewinn sicherte: Mit Maaßen, Thiel und Barz formierte er im letzten Drittel erstmals eine Art Paradesturm. Der Top-Angriff erzielte alle drei Treffer, die den EVL überhaupt erst in die Verlängerung brachten. Ohnehin spielte man die letzten zehn Minuten nur mit zwei Reihen. Rich: „Die anderen laufen, sie schießen, aber sie sind einfach überfordert.“ Doch auch wenn die Oberliga in dieser Saison nicht mehr so stark wie noch vor zwei Jahren ist, lässt sich die noch junge Spielzeit sicher nicht mehr mit zwei Blöcken durchstehen. Daher ist verständlich, wenn der Trainer inzwischen unverhohlen nach Verstärkung ruft. „Mir ist klar, dass die finanzielle Situation des Vereins auf Punkt eins der Prioritätenliste steht. Aber es gibt offenbar einen kleinen Kreis von Privatsponsoren. Auch heute hat mich jemand gefragt, was wir brauchen, um die Situation zu verbessern. Die Antwort ist ganz einfach: Einen Stürmer und einen Verteidiger.“ Damit könnten dann auch die Leistungsträger wie Benjamin Barz, Ricky Helmbrecht und Nick Anderson entlastet werden. Alle drei zählen zu den Aktivposten im Team, machen aber auch teilweise entscheidende Fehler. Für Rich nicht überraschend: „Sie haben gute und schlechte Tage, aber ich muss ihnen auch zu viel Eiszeit geben. Wer müde ist, macht Fehler.“ Zwei Kandidaten im Test Ob es mit der gewünschten Verstärkung klappt, ist noch offen. In der laufenden Woche sollen zwei Spieler zum Probetraining in Landsberg erscheinen. Einer spielt bei einem Zweitligisten und hat gerade seinen deutschen Pass erhalten, der andere spielt im Juniorenteam eines DEL-Klubs und wünscht sich Spielpraxis im Profibetrieb. Dass es für den EVL derzeit nicht einfach ist, derlei Spieler an Bord zu bekommen, ist Rich auch klar. „Der Erste hat sofort vier andere Angebote von Vereinen, die ihm wesentlich mehr zahlen können. Der Andere schaut auf die Tabelle und sieht, wo Landsberg steht und was er dort verdienen kann. Es ist schwierig, im Moment eine Perspektive zu bieten.“ Dazu kommt noch ein ganz anderes Problem, das sich aus der Personalnot ergibt: Die Junioren kämpfen in der Bundesliga ebenfalls um den Klassenerhalt. Rich: „Ich kann nicht ständig fünf Spieler aus meiner Mannschaft abstellen." Am kommenden Sonntag wird es daher schwierig. Die erste Mannschaft tritt um 18 Uhr bei den Tölzer Löwen an, die Junioren spielen um 11 Uhr gegen den Vorletzten Bietigheim gegen den letzten Tabellenplatz. Zwei Spiele an einem Tag sind allerdings für einen Juniorenspieler nicht erlaubt.

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