Weiter Raum, absurdes Spiel

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Mit „Röhr Du“ waren Michael Altinger und Alexander Liegl auf der Kleinkunstbühne s‘Maximilianeum zu Gast.

Landsberg – Flüchtlingskrise, China-Krise, Wirtschaftskrise, AfD und wie geht es überhaupt Griechenland? Es gibt große und bedeutungsschwangere Themen, an denen sich die Kabarettisten derzeit mit Inbrunst abarbeiten. Brünftig geht es nun auch im jetzt nicht mehr aktuellen Programm von Michael Altinger und Alexander Liegel zu – allerdings garantiert frei von großen Themen und meist auch ohne Sinn, was nicht ohne Verstand bedeutet.

Ja klar, den Altinger Michael kennt man aus dem Fernsehen. Seit er in der Nachfolge von Ottfried Fischer das Zepter am Schlachthof-Stammtisch übernommen hat, sowieso. Zum quasi TV-öffentlichen Altinger, der sich mit seiner eigenen Mischung aus Comedy und Kabarett unter den Spitzenkräften der Branche etabliert hat, gibt es noch einen anderen Altinger. Einen wie man ihn im Fernsehen nicht kennt und wie er jetzt auf Einladung der Kleinkunstbühne s‘Maximilianeum zusammen mit Alexander Liegl im Stadttheater zu erleben war. Da lässt der Niederbayer alle öffentlich-rechtliche Restkorrektheit fahren und knallt mit seinem kongenialen Spezl – weniger bekannt aus Funk & Fernsehen, was die Sache nicht schlechter macht – eine atemberaubende Klamauk-Show auf die Bretter.

Warum das Programm „Röhr Du“ heißt, erschließt sich dabei nicht zwingend, vielleicht weil es die Fortführung der „Platzenden Hirsche“ ist, wahrscheinlich aber weil in der Brunft beim Hirsch wie beim Manne aufgrund erhöhter sexueller Reizbarkeit leicht mal eingeschränkte Zurechnungsfähigkeit herrscht. Was im Falle Altinger/Liegl in wilde Slapstick-Comedy mündet. Dabei ist es die helle Freude wie sich die Beiden durchs Programm spielen, toben, streiten, singen. Wie Altinger den frisch verliebten Lagerfeuer-16-Jährigen mit Gitarre mimt, der seine erste große Liebe besingt. Dabei sind die Texte mindestens so linkisch-pubertär wie die – von Heiterkeitsanfällen begleiteten – Tanzeinlagen Liegls.

Wer bei dem tollen Treiben nach einem roten Faden sucht oder gar einem tieferen Sinn, kann fündig werden, hat aber zu tun. Der Schaukampf zweier Jugend- und später Männerfreunde wird durch eine abstruse Familiengeschichte lose verknüpft, wobei ein Kaufhaus im Zentrum steht, das gleichzeitig Metzgerei und – weil eh schon gefliest – halt auch noch Schwimmbad. Das lässt weiten Raum für absurdes Spiel bei Wort und Szene und diesen weiten Raum nutzen Altinger/Liegl weidlich. Es gibt herrliche schauspielerische Kabinettstückchen, wenn etwa Altinger im Stechschritt mit Vase zum „Urnengang“ ansetzt und mehr als nur einmal blitzt valentinesker Wortwitz auf („a echte Ming-Vase, halt aus Minga“).

Dabei schießen die Beiden dann auch mal übers Ziel hinaus wie etwa in der Nummer mit dem gar zu klamaukig geratenen Arzt, der auf „Arzt IV“ ist und der Doktorvater der Mann von der Doktormutter. Auch den ein oder anderen Altherrenwitz hätte Altinger ohne weiteren Qualitätsverlust weglassen können. Am Ende verzeiht man Altinger/Liegl diese Ausreißer gerne, weil sie einfach auch zu viel Freude am Spaß im wilden versprühen. Und das mit dem Programmtitel klärt sich spätestens nach der letzten Nummer: Das Publikum im sehr gut besuchten Stadttheater röhrt nach Zugabe.

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