Mit dem Fahnenschmied fing alles an

Wer das Gelände der Firma Zink Nutzfahrzeuge im Landsberger Industriegebiet besucht, sieht mächtige Trucks und modernste Maschinen Seite an Seite. Doch ein auf den ersten Blick eher unscheinbarer Stein, der die Einfahrt säumt, weist auf die über 100-jährige Geschichte des Unternehmens hin: handelt es sich doch um den Schmiedestein, der das Herzstück des Gewerbes war, das der Königliche Fahnenschmied Alois Zink im Jahr 1903 gründete.

Das Metallhandwerk hat eine lange Tradition in der Lechstadt. Erste Berichte über die Aktivitäten der Bruderschaften und Zünfte datieren aus dem Jahr 1336, ungefähr 50 Jahre nach der Stadtgründung. Diese Bruderschaft der Schmiede und Wagner war die älteste berufsständische Vereinigung der Stadt, von ihrer Bedeutung kündet noch heute der dem Schutzpatron Eligius geweihte Altar im Seitenschiff der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Schon seit dem Jahr 1697 war die „Bergschmiede“, genannt nach ihrer Lage zwischen Alter Bergstraße und Hofgraben, eine feste Adresse für die Fuhrleute, die ihre Waren entlang der Via Claudia transportierten und am Bayertor die Grenze zwischen Oberbayern und Schwaben passierten. Dort konnten die Pferde neu beschlagen werden, während sich ihre Besitzer im nebenan gelegenen Gasthaus ausruhten und erfrischten. "Zu pompös" Auf diesem Gelände gründete der Königlich Bayerische Fahnenschmied Alois Zink am 24. Juli 1903 sein Gewerbe als Schmiedemeister, und zwar so erfolgreich, dass er acht Jahre später den Plan für den Bau der so genannten Zink-Villa bei der Stadt einreichte. Der wurde allerdings vom damaligen Stadtrat als „zu pompös für die Stadt“ abgelehnt. Das heute noch bekannte und unter Denkmalschutz stehende Anwesen ist also die verkleinerte und überarbeitete Form des ursprünglichen Bauplans. Neben dem Wohnhaus befanden sich auf dem Gelände eine Werkstatt über vier Etagen, die eine Wagnerei, eine Schmiede und ein Eisenlager enthielt. Unter der Leitung des Sohnes, Alois Zink junior, wurde der Betrieb 1939 zur „Oberbayerischen Eggenfabrik“, die er mit seiner Entwicklung der verstellbaren Zickzack-Egge zum Erfolg führte. Gleichzeitig wurde die Produktion von landwirtschaftlichen Anhängern ausgebaut, aus der Zink-Schmiede ka- men seit den 50er-Jahren neuartige Heuauflader, Viehtransporter und Langholzwagen, die regelmäßig auf der Landwirtschaftsmesse in München ausgestellt wurden. Umzug ins Industriegebiet Von Walter Zink, dem Vater der heutigen Inhaber Susanne und Andreas Zink, wurde das Geschäftsfeld auf Nutzfahrzeugservice und Fahrzeugbau erweitert. Schließlich wurde das Gelände an der Alten Bergstraße zu beengt. Deshalb siedelte die Firma 1978 ins Landsberger Industriegebiet um. Die unter Denkmalschutz stehende Zink-Villa wurde von der Stadt Landsberg übernommen. Heute steht die Firma Zink für modernste Fahrzeugtechnik, die sich auch besonders der Ausbildung der jungen Fachkräfte angenommen hat. „Diese lange Tradition konnte nur weitergeführt werden, weil es immer Menschen innerhalb der Familie gab, die sich neuen Techniken gestellt haben“, erklärt Walter Zinks Ehefrau Inge, Leiterin der kaufmännischen Abteilung. Und Walter Zink ergänzt: „Wir haben uns immer um die Nutzfahrzeuge der jeweiligen Epoche gekümmert, von den Pferden bis hin zu den modernen Lastwagen mit 680 PS.“

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Tiefe Einblicke ins Landsberger Klosterleben
Tiefe Einblicke ins Landsberger Klosterleben
Passanten retten zwei Frauen aus brennendem Unfallauto
Passanten retten zwei Frauen aus brennendem Unfallauto
Kaltenbergs "letzter Ritter"
Kaltenbergs "letzter Ritter"

Kommentare