Tod in der "fahrenden Zeitbombe"

Ein Wegekreuz an der Unfallstelle erinnert an den Tod des 20-Jährigen. Foto: Osman

Zwei Freunde sind spätnachts zusammen im Auto unterwegs. An einer Tankstelle kaufen sie Bier, setzen sich draußen auf eine Bank und trinken, drei oder vier Flaschen – jeder. Zu viel, um sich noch hinters Steuer zu setzen. Trotzdem treten sie gegen 4 Uhr morgens die Heimfahrt nach Scheuring an. Kurz vor der Ortseinfahrt dann die Tragödie: Der Fahrer verliert die Kontrolle, das Auto prallt gegen einen Baum. Der Beifahrer stirbt wenige Tage später an seinen Verletzungen. Der überlebende Fahrer stand jetzt wegen fahrlässiger Tötung vor dem Amtsgericht.

Er habe seinen Freund bereits aus dem Kindergarten gekannt, berichtete der Angeklagte, der zwischendurch mit den Tränen kämpfte. In jener Nacht im März kam er von der Spätschicht, traf zufällig den 20-Jährigen. „Wir sind herumgefahren, haben geratscht.“ Fahrun­- tauglich habe er sich nach den Bieren nicht gefühlt, und auch nicht bemerkt, dass sich sein Freund nicht anschnallte. Die Strecke von der Tankstelle in Kleinaitingen nach Scheuring sei er schon öfter gefahren. Mit gut 100 Stundenkilometern steuerte der Industriemechaniker aus Richtung Lichtenberg auf Scheuring zu, miss­- achtete die Tempolimits von zuerst 80, dann 60 Stundenkilometern. Hinter einer Kuppe kam er aufgrund einer Bodenwelle in einer Linkskurve von der Fahrbahn ab. Das Auto geriet ins Schleudern, kippte um 90 Grad und prallte mit dem Dach gegen einen Baum. Mit großen Aufwand mussten Fahrer und Beifahrer aus dem Wrack geschnitten werden. Der Angeklagte, bei dem ein Blutalkoholwert von 1,2 Promille festgestellt wurde, erlitt unter anderem einen Beckenbruch und verbrachte mehrere Wochen im Krankenhaus. Der Beifahrer wurde mit schwersten Verletzungen ins Klinikum Großhadern geflogen und starb dort nach fünf Tagen. „Ich habe schon viel gesehen, aber so etwas noch nicht“, sagte Gutachter Erich Schöbel über den Anblick der Unfallstelle. Bei seiner Untersuchung stellte er erhebliche technische Mängel am Audi des Angeklagten fest. Die hinteren Stoßdämpfer waren verschlissen, die Führung der Hinterachse gebrochen. „So konnte das Fahrzeug schon durch ein kurzes Verreißen des Steuers ins Schleudern kommen“, erklärte Schöbel. „Nicht mal ein Rennfahrer hätte es dann noch beherrschen können. Insgesamt war das Auto eine fahrende Bombe.“ Davon hatte der Angeklagte offensichtlich nichts gewusst – der Wagen hatte erst zwei Monate zuvor die TÜV-Hauptuntersuchung bestanden. Trotz dieser Aussage stand für Staatsanwalt Daniel Burdach fest: Die Unfallursache war überhöhte Geschwindigkeit, ausgelöst durch den Alkohol. Er forderte eine 15-monatige Bewährungsstrafe. Verteidigerin Stefanie Amend hielt eine Strafe von sieben Monaten für ausreichend. Sie wies darauf hin, dass der 21-Jährige seit dem Unfall keinen Tropfen Alkohol mehr trinke und unter dem Tod seines Freundes sehr leide. Zur Familie des Opfers hält er Kontakt. Um an den 20-Jährigen zu erinnern, stellte er an der Unfallstelle ein Wegekreuz auf. Das Urteil, das Richterin Beate Kreller aussprach, lautete schließlich auf ein Jahr Haft auf Bewährung und 15 Monate Füh­- rerscheinentzug.

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