Ein Fall wie für den CIA

Ein ominöses Erbe, auf dessen Auszahlung sie seit Jahren wartet, soll Schuld sein an der Finanzmisere, die eine 53-Jährige vor das Schöffengericht Landsberg gebracht hat. In Erwartung eben dieses Erbes hatte sie sich große Geldbeträge geliehen und nicht zurückgezahlt, ein teures Auto gekauft und nicht bezahlt. Auch die Miete für einen Leihwagen blieb sie schuldig. Ihre Gläubiger vertröstete die Frau aus dem südlichen Landkreis mit oft haarsträubenden Geschichten.

Von einem Bekannten lieh sich die Kauffrau, die eine Boutique am Ammersee betrieb, rund 82000 Euro, angeblich, um diese gewinnbringend in den USA anzulegen. Die Frau habe behauptet, je größer die Anlagesumme, desto bessere Konditionen könne sie erhalten, so der Geschädigte. Gewinne sah er aber nie und forderte bald die Rückzahlung seines Geldes ein. „Sie hat das Geld wohl nicht angelegt, sondern ausgegeben, darum ist es jetzt nicht da“, ahnt er nun. Zweimal kündigte die Angeklagte an, den Betrag von einer Bank in Österreich beschaffen zu können. Einmal machte sich ihr Ehemann gar mit dem Geschädigten auf den Weg dorthin. „Wir haben auf einer Alm Brotzeit gemacht und auf den Geldboten gewartet, aber der kam nicht“, berichtete der Zeuge dem Vorsitzenden Richter Wolfgang Daum und den Schöffen. Ein anderes Mal gab sich die Angeklagte als CIA-Agentin aus und behauptete, das Geld werde per Flugzeug aus den USA kommen. „Es waren Geschichten, die man sonst nur aus Krimis kennt.“ Ähnliche Ausreden tischte die 53-Jährige einer Mitarbeiterin ihrer Boutique auf, von der sie sich im Jahr 2005 10000 Euro geliehen hatte, um Warenrechnungen zu bezahlen. Die Frau wartet noch heute auf ihr Geld. Ein Landsberger Autohaus verkaufte der Angeklagten ein Luxusauto für über 70000 Euro – und blieb auf der Rechnung sitzen. Vor Gericht beteuerte die Angeklagte, sie werde ihre Schulden bald begleichen, da sie aus dem Nachlass ihres Vaters ein Erbe in Höhe von 350000 Euro erwarte. Bisher habe ihr ihre 80-jährige Mutter die Auszahlung des Geldes verweigert, „aber jetzt, wo die Schwierigkeiten so massiv geworden sind, wird etwas kommen“, sagte die Frau überzeugt. Das Verhältnis zur Mutter beschrieb sie als schwierig, obwohl sie mit ihrem Mann und der alten Dame in deren Haus lebt und diese für Nebenkosten und Haushaltsrechnungen aufkommt. Ansonsten aber sei die Mutter „ein launischer Mensch“, und habe die Tochter in Sachen Erbe immer wieder vertröstet. „Um an das Geld zu kommen, hätte ich meine Mutter verklagen müssen, aber das hat mir widerstrebt“, erklärte die 53-Jährige, die mehrfach wegen Betrugs vorbestraft ist. All das möchte das Gericht nun von der Mutter selbst hören. Deshalb wurde die Verhandlung unterbrochen, um die alte Dame für einen nächsten Termin vorzuladen.

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