Den falschen Weg gewählt – Neue Kritik zum "Gedenken in Kaufering"

Nach der feierlichen Einweihung des Mahnmals „Hain der 30000“ reißt die Kritik nicht ab. So bedauert Ulrike Mascher, Vorsitzende des Kuratoriums Stiftung Bayerische Gedenkstätten, die fehlende Kooperationsbereitschaft der Marktgemeinde mit der KZ-Gedenkstätte Dachau. Dies sei insofern sehr bedauerlich, da sich die Dachauer Experten bereits intensiv damit be- schäftigt haben, wie man das Gedenken der KZ-Außenlager gestalten kann. Eben das wird Thema einer Podiumsdiskussion am 14. Mai um 20 Uhr im Pfarrzentrum Thomas-Morus-Haus sein.

Die Vorsitzende des Kuratoriums, Mascher, findet den in Kaufering eingeschlagenen Weg „nicht richtig“. Man könne gerade bei dieser sensiblen Thematik nicht einfach nach dem Motto verfahren: „Kräftig anpacken, dann steht schon irgendwas.“ Bereist im Vorfeld habe es Gespräche zwischen Kaufering und Dachau gegeben – „man war auf einem guten Weg“, so Mascher. Doch Mahnmalstifter Dr. Friedrich Schreiber sei nicht auf die Experten zugekommen und habe seinen eigenen Weg verfolgt. Dabei wäre es laut Mascher vor allem auch mit Blick auf die Quellenlage besser gewesen, auf die Landsberger Historikerin Dr. Edith Raim zurückzugreifen, „die hierzu über die besten historischen Kenntnisse verfügt.“ Auch Kuratoriumsmitglied und Überlebender Abba Naor habe sich „kritisch zu dem Kauferinger Gedenkprojekt geäußert“, so Mascher weiter. Noar, der sich gerade in der Gedenkarbeit sehr engagiert, sei mit Blick auf die Lechgemeinde „sehr irritiert“. Mascher: „Man wäre gut beraten, sich mit ihm in Verbindung zu setzen, wenn es darum geht, ein Konzept für die Gedenkarbeit zu entwickeln.“ Besorgnis erregend Auch der Beirat der Stiftung bayerischer Gedenkstätten steht der Gedenkarbeit in Kaufering kritisch gegenüber. So heißt es im Sitzungsprotokoll des wissenschaftlichen Beirats der Stiftung vom 17. April: „Mit großer Sorge nimmt der Beirat zur Kenntnis, dass sich in Kaufering neue Aktivitäten entwickeln, die auf wissenschaftlich schwankender Grundlage stehen und stärker an Emotionen appellieren als auf die Bildung eines historischen Bewusstseins.“ Laut dem Vorsitzenden der Stiftung, Prof. Wolfgang Benz, bezieht sich die Kritik vor allem auf die falschen Zahlenangaben: „Es ist Besorgnis erregend und bietet Rechtsextremen ein Fundament, auch zukünftige Zahlen in Frage zu stellen.“ Laut Benz sollte man lieber dreimal recherchieren, bevor man etwas in Bronze gießt. In Auschwitz habe man in den 90er Jahren eine 1945 angebrachte Gedenktafel entfernt, da sie völlig überhöhte Opferzahlen anführte. Ungeachtet dessen bietet Ulrike Mascher dem Verein „Gedenken in Kaufering“ weiterhin Mithilfe an. Es sei wichtig sich mit der Stadt Landsberg und Kaufering an einen Tisch zu setzen, denn die Frage nach einem Gesamtkomplex für die Gedenkarbeit der KZ-Außenlager sei mit den Aktivitäten in Kaufering noch nicht erledigt. Zu diesem Thema gibt es am Donnerstag, 14. Mai, um 20 Uhr im Thomas-Morus-Haus eine Podiumsdiskussion. Teilnehmer werden Bürgermeister Dr. Klaus Bühler, die Landsberger Historikerin Dr. Edith Raim, die Leiterin der Gedenkstätte Kaufering, Dr. Gabriele Hammermann, sowie Mahnmalstifter und Sprecher des Vereins „Gedenken in Kaufering, Dr. Friedrich Schreiber teilnehmen. Moderiert wird die Debatte vom Stimmkreisabgeordneten und kulturpolitischen Sprecher der Lantags-Grünen, Dr. Sepp Dürr: „Das Engagement des Vereins und die tatkräftige Unterstützung der Gemeinde Kaufering sind nicht hoch genug zu schätzen. Denn staatlicherseits ist man, wie das zuständige Ministerium jüngst im Ausschuss für Hochschule, Forschung und Kultur einräumen musste, nach all den Jahren noch keinen Schritt weiter. Andererseits ist das Konzept des Vereins nicht ohne Kritik geblieben.“ Grünen-Abgeordneter Dürr habe zu dieser öffentlichen Informations- und Diskussionsveranstaltung eingeladen, „um einen Überblick über Historie sowie derzeitige Situation der elf Außenlager zu bekommen und die Frage zu diskutieren, wie ein Gesamtkonzept zur Gedenkarbeit aussehen könnte, das von allen Beteiligten gemeinsam getragen wird.“

Meistgelesen

Lisa will Bierkönigin sein
Lisa will Bierkönigin sein
Landrat klärt Mordfall
Landrat klärt Mordfall
Ein Rezept für das Miteinander
Ein Rezept für das Miteinander
Eine Leiche muss her!
Eine Leiche muss her!

Kommentare