Getränkevertrieb schließt nach 120 Jahren

Familie Frieß hielt Fuchstal flüssig

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Im Getränkedepot. Anton Frieß war die letzten acht Jahre im Betrieb und hat die Eltern unterstützt. Mitte Mai ist jedoch Schluss.

Leeder – Der Betrieb war seit 1902 in Leeder ansässig und hat vier Generationen von Fuchstalern, aber auch Bewohner der Nachbardörfer mit Getränken versorgt beziehungsweise flüssig gehalten. Bis 1972 wurde dort sogar Bier gebraut. Doch nach fast 120 Jahren ist Schluss. Der Getränkevertrieb Frieß schließt zum 15. Mai seine Pforten.

Warum? Juniorchef Anton Frieß nennt dafür mehrere Gründe. Zum einen ist es die Gesundheit des Vaters, der jetzt 72 Jahre alt ist. Außerdem bricht zu Zeiten der Corona-Krise, wenn Vereine oder private Kreise keine Feiern mehr ausrichten, der Umsatz weg.

„Auf der anderen Seite können kleinere Betriebe heute nicht mehr mithalten“, bekennt Anton Frieß. Beim Edeka-Markt in Leeder hat im Herbst 2018 nebenan ein Getränkemarkt eröffnet. Und Netto, der demnächst eine größere Filiale in Leeder bezieht, habe Großkontrakte mit Herstellern und Lieferanten; so günstig könne er selbst die Ware nicht einkaufen.

Jahrzehntelange Treue

Die ehemalige Abfüllung und Reinigung der Brauerei wurde in den siebziger Jahren zum Getränkedepot umfunktioniert. Dort stünden jetzt erhebliche Investitionen an, erklärt Anton Frieß. Das würde sich aber für einen kleinen Getränkevertrieb nicht mehr rechnen.

Juniorchef Anton Frieß geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Unsere Kunden haben uns zum Teil jahrzehntelang die Treue gehalten. Es tut weh, wenn man dann aufhören muss.“

Die Brauerei gab es knapp 60 Jahre, den Getränkevertrieb fast 120 Jahre. Das stattliche Gebäude im Oberdorf war vom Urgroßvater aufgestockt worden. Hier ein Bild aus den 20ern.

Im Süden Leeders befand sich seit 1897 ein Bierkeller. Er gehörte zur Luitpold-Wirtschaft mitten im Dorf. 1902 hatte Xaver Frieß, der Urgroßvater des heutigen Juniorchefs, das Grundstück erworben. Der war als Käser nach Leeder gekommen. 1905 wurde erstmals im Sudhaus gebraut. Jahrzehntelang holten Leederer im Krug das Bier vom Sudhaus. Dabei hatten sie die Auswahl zwischen Dunklem, Export und Weizen.

Schluss mit Brauen

1972 hatte die Schwiegertochter von Xaver Frieß den Braubetrieb eingestellt, nachdem ihr Mann verstorben war. Anfang der achtziger Jahre übernahmen dann Walter Frieß und seine Frau Gertraud den Getränkehandel. In den neunziger Jahren wurde schließlich das Sudhaus auf der Rückseite zu Wohnzwecken umgebaut.

Zum Teil wurde die Ware angeliefert, etwa von der Aktien-Brauerei Kaufbeuren oder vom Hersteller des Krumbach-Mineralwassers. Doch viele andere Sorten holten Walter Frieß und sein Sohn bei einem Großlogistiker in Kaufbeuren.

Immer was zum Reden

Das Ausfahren war in den letzten Jahren meistens die Aufgabe von Anton Frieß. Beliefert wurden Vereine und größere Abnehmer in der eigenen Gemeinde, aber auch von Denklingen bis Unterdießen. Seestall, Epfach und schließlich Mundraching, wo Walter und Anton Frieß auf die Jagd gehen, waren die drei Ortschaften am Lech, die beliefert wurden.

„Es gab immer was zum Reden“, resümiert der Juniorchef zu den vielen Begegnungen beim Getränkeverkauf an der Rampe. Da wurden – wie in einem Laden – die Neuigkeiten aus dem Dorf und aus dem ganzen Fuchstal ausgetauscht. Die Familie war an Werktagen meist bis 20 Uhr für die Kunden da. Wie an einem kühlen Abend Anfang Mai, als ein junger Mann aus Leeder mit seinem grauen Pick-Up auf den Hof fuhr und die ganze Ladefläche mit Bierkästen, Wasserflaschen, Cola, Spezi und Limo befüllte.

Was Anton Frieß macht, wenn der Getränkehandel geschlossen hat? Der Leederer, 33 Jahre jung, ledig und seit Mai diesen Jahres für die Neue Liste Fuchstal im Gemeinderat, hat Forst- und Holzwissenschaften studiert. Er habe da was in Aussicht. Offen sei für ihn noch, ob er alternativ seine bisherige berufliche Erfahrung doch dazu nutze, um im Getränkevertrieb eine Stelle anzunehmen.
Johannes Jais

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