Rational-Gründer Siegfried Meister zu Grabe getragen

Ein Mäzen und Visionär

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Die letzte Ehre erweisen: Zum Requiem anlässlich des Todes von Rational-Gründer Siegfried Meister kamen viele Menschen in die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt und zur Beisetzung (Foto) auf dem Waldfriedhof.

Landsberg – „Wir verneigen uns vor einer Unternehmerper­sönlichkeit, die ein einmaliges Werk geschaffen hat.“ Diese Worte der Traueranzeige für Rational-Gründer Siegfried Meister spiegeln wider, welches Ansehen der am 28. Juli Verstorbene in seinem Unternehmen genoss. Ein „Visionär“. Einer, der den Mensch in den Mittelpunkt stellte, auf Werte wie Freiheit und Vertrauen setzte. Auch auf Disziplin. Dass dies Respekt und Zuneigung erzeugte, zeigte sich am Freitag beim Requiem in Mariä Himmelfahrt und der anschließenden Beisetzung auf dem Waldfriedhof: Fast 1.000 Menschen begleiteten Siegfried Meister auf seinem letzten Weg.

Den Anstoß für Meisters Erfolg gab Wienerwald. Dort war der studierte Elektrotechniker Anfang der 70er leitender Mitarbeiter der Technik. Doch die Hühnchen schmeckten ihm nicht. Das muss doch besser gehen, dachte er – und die Idee des Kombidämpfers war geboren. Mit 35 Jahren gründete Meister 1973 Rational. Eigentlich habe er damit in die Oberpfalz gewollt, berichtet Oberbürgermeister Mathias Neuner in seiner Trauerrede. „Der Bauplatz war bereits reserviert.“ Aber dann hörte er von dem „interessanten Ge­wer­begebiet in Landsberg“. Die Stadt kannte er da schon. Denn sie war für den in Scherstetten geborenen Meister nach dem Krieg zeitweise zur zweiten Heimat geworden. Ein Telefonat mit dem damaligen Oberbürgermeister Hanns Hamberger genügte, und die Niederlassung in Landsberg war beschlossene Sache.

Rational-Gründer Siegfried Meister verstarb am 28. Juli.

1976 wurde der erste Combi-­Dämpfer vom Chef persönlich nach München geliefert. In die Prinzregentenstraße für Gerd Käfer. Heute ist die seit 2000 börsennotierte Aktiengesellschaft Rational mit knapp 1.900 Mitarbeitern weltweit vertreten. Gut 300 davon sind Köche. Combi-Dämpfer stehen in Restaurants und Großküchen, im Buckingham Palace und im Weißen Haus. Produziert wird aber immer noch ausschließlich in Landsberg. Auch deshalb wurde Meister 2008 Ehrenbürger der Stadt. Drei Tage später erhielt er im Rathaus das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Meister selbst zeigte sich damals von beiden Ehrungen beeindruckt: „Sie waren jenseits meiner Vorstellungskraft.“

Das Wirtschaftsmagazin Forbes führt den Unternehmer aus der Lechstadt als einen der 500 reichsten Menschen weltweit. Er erhielt die Brillat-Savarin-Plakette, mit der Persönlichkeiten geehrt werden, „die sich in herausragender Weise um die Gast- und Tafelkultur verdient gemacht haben“. Die Wirtschaftswoche kürte Rational vor zwei Jahren zum innovativsten Mittelständler Deutschlands. Und für ein Unternehmensvideo gab es 2014 den Silbernen Delphin bei den „Cannes Corporate Media&TV Awards“.

Liebe zur Musik

„Meisters Eltern waren sehr musikalisch“, erzählt Stadtpfarrer Michael Zeitler in seinem Nachruf. Und das gaben sie an ihren Sohn weiter. So ermöglichte der Unternehmer „außerordentliche musikalische Ereignisse“ wie den Orgelsommer. Auch die Landsberger Orgel ist Dank seiner Hilfe mit dem Register einer „Tuba mirabilis“ ausgestattet. Und damit eine der Bekanntesten in Europa. Für Meisters Liebe zur Musik sprechen auch die Benefiz-Konzerte „Klassik im Werk 3“. Der Kantor von Mariä Himmelfahrt, Johannes Skudlik, stellte die Musik der Totenmesse zusammen. Neben Mozart und Händel war darunter auch ein Popsong: „I am Sailing“ von Rod Stewart. Denn neben der Musik hatte Siegfried Meister noch zwei weitere Hobbys: Fliegen und Segeln.

Dass Siegfried Meister „ein unabhängiger Denker und fest im Glauben ist“, habe er in vielen Gesprächen erfahren, erzählt Zeitler. Es sei um Politik ge­gangen, um Philosophie, Geschichte. Und um die Kirche, die der Unternehmer auch kritisch gesehen habe. Dennoch hat er sie unterstützt: „Die Sanierung von Mariä Himmelfahrt in diesem Umfang wäre ohne ihn nicht möglich gewesen.“ Auf die Frage an Zeitler, wie viel er denn zur Renovierung benötige, habe er vorsichtig 500.000 genannt. „Es wurden dann doppelt so viel.“

Gesundheitlich habe Meister schon länger Probleme gehabt, die er jedoch mit „eisernem Willen und Disziplin“ meisterte – Eigenschaften, die er auch von seinen Mitarbeitern erwartete. Er sei ein eher strenger Chef gewesen, berichtet auch Rational-Vorstandsvorsitzender Peter Stadelmann. „Aber seine Mitarbeiter sah er als Unternehmer im Unternehmen – selbstverantwortliche Menschen, die miteinander auf Augenhöhe arbeiten, die Respekt verdienen und ihn auch zollen, ihre Meinung äußern und den Kunden als obersten Chef sehen.“ Meister selbst habe diese Haltung vorgelebt. Und sei von seinen Mitarbeitern zur 40-jährigen Jubiläumsfeier mit Standing Ovations belohnt worden.

„Nun ist seit einer Woche eine neue Zeit angebrochen“, schließt Vorstandsvorsitzender Stadelmann. Aber Meisters Philosophie sei längst auf sie übergegangen: „Er hat uns befähigt, das Unternehmen in seinem Sinn fortzuführen.“

Susanne Greiner

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