Ein fast aussichtsloses Unterfangen

Auch Michael Maaßen (rechts) konnte die Niederlage des EVL gegen Passau nicht verhindern. Sein Tor zum 2:6 kurz vor Schluss war nur noch Ergebniskosmetik. Foto: Krivec

Könnte man mit nur zehn Stammspielern binnen zehn Tagen fünf Punktspiele in der Eishockey-Oberliga erfolgreich bestreiten, würden das vermutlich alle Vereine so handhaben. Da das dann aber doch nicht funktioniert, gab es beim EV Landsberg zweierlei Konsequenzen: Zum einen gingen vier der fünf Spiele verloren, zum anderen sollen bereits in dieser Woche weitere Verstärkungen für die Defensive geholt werden.

Der kräftemäßige Einbruch war am deutlichsten beim 2:6 (0:2, 1:1, 1:3) im Heimspiel am Sonntagabend gegen Passau zu beobachten und er konnte niemanden überraschen. In den Tagen zuvor waren die Landsberger bereits gegen Füssen (4:8) und Selb (3:5) angetreten, brennende Oberschenkel gab es dann spätestens am Dienstag in Regensburg. Einen 1:4-Rückstand wandelte die Minitruppe im letzten Drittel noch in ein 4:4 um, im Penaltyschießen zeigte man sich dann souverän und brachte überraschend noch zwei Punkte mit nach Hause. „Aber das hat natürlich wahnsinnig viel Kraft gekostet“, so Trainer Dave Rich. „Ich habe nur gehofft, dass wir am Freitag in Tölz nicht gleich ein Tor kassieren, weil es sonst schwer würde.“ Der Wunsch wurde nicht erfüllt: Nach vier Minuten stand es schon 2:0 für die Gastgeber, nach zwei Dritteln 8:0. Zwar waren Glücksschüsse der Tölzer und einige Unsicherheiten bei Torhüter Reichlmeir dabei, doch letztendlich gab es am klaren 10:2-Sieg des Favoriten nichts zu rütteln. Das sah am Sonntag zunächst ganz anders aus. Trotz „Familientages“ mit vergünstigtem Eintritt und vorgezogenem Spielbeginn waren zwar nur 552 Zuschauer gekommen, doch die trauten zunächst ihren Augen kaum. Im ersten Drittel spielte praktisch nur der EVL, die Passauer, einst Nachbarn im Tabellenkeller, inzwischen jedoch Fünfter der Oberliga, hatten wenig zu melden. Ein altes Manko brachte die Gastgeber aber um die verdiente Führung: Auch beste Chancen werden in dieser Saison viel zu selten genützt. Schon nach 30 Sekunden lag die Scheibe zweimal frei vor dem nicht immer souveränen Englbrecht im Passauer Tor, doch es fand sich kein Verwerter. Allein im ersten Drittel brachten aus kürzester Distanz Bigam, Barz, Bacek und Maaßen den Puck nicht im Tor unter. „Der Torhüter hat einige Scheiben fallen gelassen“, so Rich, „aber uns fehlt da zur Zeit ein bisschen das Glück. Die Schüsse sind aber auch zu harmlos, gehen oft nur halbherzig auf den Körper des Torwarts. Wenn man sieht, wie die Spieler im Training treffen, könnte man meinen, sie haben danach ihr Pulver schon verschossen.“ Die Passauer wirkten zunächst wie abwesend, verschliefen immer wieder ihre Wechsel, so dass der EVL zu einer Chance nach der anderen kam. Die Führung aber ging wieder einmal an die Gäste. In der 2. Minute stocherte Schmid einen Nachschuss zum 0:1 über die Linie, in der 7. kam es noch dicker: Nach einer guten Gelegenheit für den EVL landete der Puck aus dem Passauer Torraum an der roten Linie bei Michal Schön, der zuvor seine Kollegen seelenruhig alleine hatte verteidigen lassen und nur auf den Alleingang spekuliert hatte, den er dann auch kühl zum 0:2 abschloss. „Das muss ich mir auf Video noch einmal anschauen, wie der da hingekommen ist und warum der so alleine stand“, war Rich genauso verblüfft über die Aktion wie seine Spieler. Das zweite Drittel stand unter umgekehrten Vorzeichen, ging allerdings wieder nicht gut für die Gastgeber aus. Nach und nach fand Passau ins Spiel, während beim EVL die Beine schon ab der Spielmitte sichtlich schwerer wurden. „Wir hatten am Anfang das Glück auf unserer Seite", meinte EHF-Coach Jukka Olilla später, „aber dann sind wir besser ins Spiel gekommen.“ Tatsächlich schafften es die Black Hawks, die Partie langsam zu beruhigen und sich die Führung zu verdienen, als der EVL dann aus dem Nichts zuschlug. Einen Nachschuss lupfte Bacek aus spitzem Winkel aufs Tor und von Englbrechts Körper kullerte die Scheibe zum umjubelten 1:2 ins Gehäuse (36.). Das Glücksgefühl hielt genau vierzehn Sekunden lang an. Nach dem Treffer brachte Rich zur Entlastung die dritte Reihe aufs Eis und die sah respektvoll zu, wie der Puck nach einem Bandenabpraller zu Popp kam, der unbedrängt zum 1:3 ins Eck schlenzen durfte. „Das war der Knackpunkt“, waren sich beide Trainer nach der Partie einig. „Wir wollten im letzten Drittel noch abwarten, clever spielen“, so Rich, „aber dann kassieren wir gleich das nächste Tor. Das war’s dann.“ Drei Lattenschüsse hatten die Passauer dann in kurzer Folge zu verzeichnen, beim 1:5 in Unterzahl hatte die EVL-Verteidigung schon nicht mehr die Kraft, noch energisch einzugreifen, das 1:6 durch Vogl (58.) und 2:6 nach Einzelleistung durch Maaßen (59.) waren nicht mehr relevant. „Die Stammkräfte bekommen jetzt zwei Tage Regeneration und werden höchstens Schwimmen gehen“, gab der Trainer Erholung als erstes Ziel vor.

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Der zahnlose Tiger im Nahverkehr
Der zahnlose Tiger im Nahverkehr
Ziegelanger: Wohnungsbau mit Stolpersteinen
Ziegelanger: Wohnungsbau mit Stolpersteinen
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben

Kommentare