BRK feiert Jubiläum und weiht neuen Standort im Landsberger Frauenwald ein

Katastrophenschutz in trockenen Tüchern

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Endlich ist sie fertig, die Katastrophenschutzhalle des BRK im Industriegebiet. Am Wochenende fand zur Einweihung und zum 150-jährigen Jubiläum des BRK ein offizieller Festakt in der Halle statt.

Landsberg – Ein langes rotes Band zieht sich um das gesamte Gebäude. Ganz am Ende über dem Eingang steht es dann: das Rote Kreuz. Nach zwei Jahren Planung und knapp eineinhalb Jahren Bauzeit wurde am Wochenende die neue Katastrophenschutzhalle des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in Landsberg mit einem offiziellen Festakt eingeweiht. Und um die Gunst der Stunde zu nutzen, feierte man gleich ein weiteres Jubiläum mit: 150 Jahre Rotkreuzarbeit in Landsberg. Um genau zu sein: es sind schon 151 Jahre seit Gründung der Hilfsorganisation 1866 in der Lechstadt. Aber die Halle wurde nicht wie geplant letztes Jahr, sondern erst heuer fertig. Aber alles kein Problem. Oder wie Moderatorin des Festakts Ulla Müller vom BR die zweckmäßige Zusammenlegung so schön verglich: „Das ist wie Shampoo und Conditioner in einem.“

Als erster Festredner begrüßte Alex Dorow, Vorsitzender des CSU-Kreisverbands Landsberg, die zahlreich erschienen Gäste. Darunter auch Ex-Landrat Walter Eichner und Ex-OB Franz Xaver Rößle. Die hatten mit BRK-Geschäftsstellenleiter Andreas ­Lehner gemeinsam den Anstoß zum Bau der Halle gegeben und an ihre Nachfolger Landrat ­Thomas Eichinger und OB Mathias Neuner „übertragen“. Insgesamt 2,3 Millionen Euro kostete das Großprojekt, für das die Stadt Landsberg das Baugelände im Industriegebiet Frauenwald zu einem günstigen Preis an das BRK verkaufte. Nun bietet die 600 Quadratmeter große Halle Platz für den Katastrophenschutz, für Lager, Büro- und Ausbildungsräume des Jugendrotkreuzes und für zwei weitere Mieter: Der Blutspendedienst des BRK hat zwei seiner vier Teams von Augsburg in die Lechstadt verlegt, um die ihm zugeteilten Gebiete besser versorgen zu können. Der zweite Mieter: zwei Katastrophenschutzabrollbehältern, für die der Landkreis mit einem einmaligen Zuschuss von 200.000 Euro einen „Parkplatz“ erworben hat.

Sturmfest für die Zukunft

Dorow ging auf das lange Bestehen der weltweiten Hilfsorganisation „Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung“ ein, die Kriege und andere Krisen überstanden habe und weiterhin Menschen helfe, „ohne Ansehen dessen, der diese Hilfe braucht“. Gegründet wurde das Rote Kreuz 1863 von dem Schweizer Henry Dunant, der 1859 bei der Schlacht von Solferino spontan den Verletzten auf beiden Seiten half und dabei mit den feindlichen Italienern zusammenarbeitete – daher das „Sono tutti Fratelli“, „Wir sind alle Brüder“. Aus der Vergangenheit, so Dorow, könne man lernen, das zu sichern, was man jetzt habe und es sturmfest für die Zukunft machen. Dafür müssten auch die Politiker parteiübergreifend Konzepte und Ideen finden. „Wir leben in einer Spaßgesellschaft, aber ich möchte gerne Spaß durch Freude ersetzen“, schloss der Vorsitzende. Denn die Freude am Helfen sei die wahre Triebfeder für die auch zum großen Teil ehrenamtlichen Leistungen der BRK-Mitglieder.

Präsident des BRK Theo Zellner wies auf drei wichtige Aspekte des Roten Kreuzes hin: „Dezentralität ist ein Aspekt, aus dem sich das Rote Kreuz definiert.“ Denn es gehe nicht um ein „das fassen wir jetzt hier mal zusammen“, sondern vielmehr um individuelle Lösungen. Einen weiteren wichtigen Punkt sieht Zöllner in der Sicherheit, die das Rote Kreuz der „aus den Fugen geratenen Welt“ in einem überschaubaren Rahmen gewährleiste. Schließlich gehe es auch um die Aufgaben der Zukunft, wobei Zöllner insbesondere die Aufgabe der Integration von Flüchtlingen betonte. Es seien die Idealisten, auf denen das Rote Kreuz aufbaue. „Und Idealisten sind diejenigen, die die Welt verbessern wollen.“

Landrat Eichinger erinnerte sich an die Situation, als sich sein Sohn schwer verletzte: Innerhalb weniger Minuten sei Hilfe gekommen, „inklusive Hubschrauber, und da wurde mir klar, in welchem Luxus wir leben“. In jeder Krise habe man einen Ansprechpartner, der mit Rat und Tat zu Seite stehe. Als Geschenk zur Eröffnung der Halle überreichte Eichinger einen Zinnteller: „Aus Silber wird er wohl nicht sein bei der geringen Kreisumlage“.

Moderatorin Müller setzte sich mit mehreren BRK-Landsberg-Mitgliedern zum Plausch aufs „Rote Sofa“: Gernot ­Weisensee aus der Bergwacht. Oder auch Marianne Asam, die in Landsberg entscheidend beim Aufbau der Flüchtlingsarbeit beteiligt war. Weiter ­Christoph Ruml von der Wasserwacht sowie Charlotte Sepp, die ­Müller über den Stand des BRK aufklärte: „Das BRK ist sozusagen die CSU des Roten Kreuzes.“

Und schließlich setzte sich noch Veronika Döring auf die Couch: Seit bald 62 Jahren engagiert sich die in der Seniorenarbeit tätige Döring beim BRK. Sie selbst bezeichnet sich als „Untergrundarbeiterin“: „Ich mag nicht in der Öffentlichkeit stehen. Ich arbeite überall mit und das ist meins.“ Mit Freude erinnert sie sich an die Euphorie der Menschen, als die Mauer fiel – auch damals war das Rote Kreuz zur Stelle. Ob sie denn beim Einsatz in Krisengebieten nicht auch Angst gehabt habe, wollte Müller wissen. Dörings Antwort beeindruckt: „Angst? Vor was?“

Nach der Ehrung von knapp 30 Mitgliedern für besondere Verdienste oder langjährige Dienstzeiten segneten abschließend Pfarrer Gregory Herzel und Dirk Wnendt in ökumenischer Eintracht die neue Halle sowie die Fahrzeuge. Vor allem jedoch die Menschen, die die Arbeit des BRK erst ermöglichen.


Susanne Greiner

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