Geier und Leuchttürme

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Impro vom Feinsten, diesmal auf gut boarisch (von links): Maria Maschenka, Robert Lansing und Karin Krug vom „Fastfood-Theater“.

Landsberg – Sturm in den Bergen, ansteigende Musik, ein Mann hängt in der Wand, klammert sich mit letzter Kraft an den Felsen – und stürzt, angegriffen von einem Lämmergeier. Nein, die Rede ist nicht von einem klassischen Bergfilm, sondern von der neuesten Produktion des Münchner „Fastfood-Theaters“.

Aufgebrezelt“ haben sich die Akteure diesmal im Landsberger Stadttheater: die Damen (Karin Krug, Maria Maschenka) im feschen Dirndl, Robert Lansing in der Lederhose und geben gleich das Thema des Abends vor: Bayerische Volksimpro. Da wird das Publikum erst einmal mit einem Jodeltraining aufgewärmt und in einen netten Ratsch verwickelt. Auf Zuruf entwickelt sich eine valentineske Vorstandssitzung des örtlichen Hasenzüchtervereins bei der die Frage, welche Hasen genau gemeint sind, für heitere Missverständnisse sorgt.

Auch die Tätigkeit des Fastfood-Pianisten Michael Armann für den Landsberger Gospelchor wird spontan ins Geschehen einbezogen, als das Trio auf der Bühne das Volksstück „Der Leuchtturm“ („Nennt uns mal einen Begriff, der in einem bayerischen Dorf überhaupts nix zu suchen hat!“) improvisiert. Mit viel Spaß und noch mehr Können wirbeln die Schau­spieler durch sämtliche Rollen, die der Komödienstadl zu bieten hat: die grantelnde Oma, der visionäre Jungbauer samt singender Gattin und Teenie-Tochter, die zugroaste Bürgermeisterssekretärin und der senile Bürgermeister.

Dramatischer geht es nach der Pause zu: mit dem gespielten Bergfilm „Der Absturz der Lämmergeier“ – ebenfalls nach einer Idee aus dem Publikum. Untermalt von der atmosphärischen Klavierbegleitung des wunderbaren Michael Armann entwickelt sich die Intrige um einen naiven Wirtssohn, die intrigante Tante, die ebenfalls etwas einfache Schäferin Anna­- mirl und die Außenseiterin Annelies mit allen Elementen, die auch Ganghofer schon schätzte: Rettung aus Bergnot, die Romanze zweier Gebeutelter, Bestrafung der Bösen und natürlich Tiere – in dem Fall die Lämmergeier. Aus zwei Leitern werden Berggipfel, aus einer staubigen Decke eine Wiese. Mit „Landsberg-gstanzl“, dessen komplex-aktuelle Thematik (Zurufe: Derivate, Hauptplatz, Parkgebühren) die Schauspieler aus „Minga“ etwas überforderte („Ich versteh ehrlich gesagt nicht so ganz, wo euer Problem ist.“), als Zugabe verabschiedeten sich die Schauspieler wieder zurück in die Großstadt.

Patricia Eckstein

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