Fasziniert vom Phänomen Zivilcourage

Er hat alle Kontinente bereist, ist Mitbegründer des Umweltmagazins Natur, erfolgreicher Wis­sen­­- schafts­journalist, Kabarett- und Sachbuchautor: Claus-Peter Lieckfeld, 61 Jahre alt, gebürtig in der Lüneburger Heide und seit 20 Jahren wohnhaft in Windach. Gelegentlich schreibt er auch Romane, gerade ist sein dritter fertig geworden, der voraussichtlich noch in diesem Jahr erscheinen wird. Er trägt den Titel „Spee“ und zeichnet drei Jahre im Leben des Jesuitenmönches Friedrich Spee nach. Dieser setzte sich als „Anwalt der Hexen“ im 17. Jahrhundert kritisch mit Hexenprozessen und Folterpraxis auseinander.

Die Handlung des Romans führt den Leser in den Dreißig­jährigen Krieg, tief in den Irrsinn der katholisch-protestantischen Glaubenskämpfe und den Zynismus der europäischen Mächte. Spee ist ein klügerer Kopf als die meisten seiner Mitbrüder und auch seiner Vorgesetzten. Einer, zu dessen Predigten die Menschen strömen und dessen Vorlesungen überfüllt sind, einer, der sich traut, der eigenen Kirche unbequeme Wahrheiten zu sagen: „Wer Blut vergießt, wird dafür wohl nur allerseltenst eine himmlische Erlaubnis vorweisen können. Und darum schmerzt es mich, wenn Männer Gottes im Namen der Kirche sagen, Hexen seien zu verbrennen, weil die Kirche kein Blut vergießen darf. Ja, darf die Kirche denn Blut kochen?“ Scheiterhaufen droht Spee schreibt ein Buch, in dem er nicht nur die Hexenverfolgung anprangert, sondern vor allem die ihr zugrunde liegende Logik ad absurdum führt. Ta­t­sächlich trägt die „Cautio Criminalis“ entscheidend zum Ende des Hexenwahns in Deutschland bei, bringt ihren Verfasser jedoch in Bedrängnis. Er verliert seine Lehrerlaubnis, entgeht nur knapp einem Berufsverbot als Priester und landet fast selbst auf dem Scheiterhaufen. All das ist historisch verbürgt, ebenso wie ein Mordanschlag, den Spee schwer verletzt überlebt. „Wer diesen Anschlag verübt hat, ist nie restlos aufgeklärt worden“, erzählt Lieckfeld. Diesen Umstand machte er sich zunutze: Die zweite Hauptfigur des Romans ist der gescheiterte Attentäter, die fiktive Figur eines jungen Protestanten, der sich dem Heer des Schwedenkönigs Gustav Adolf anschließt und später fast sein Glück macht. Mit „Spee“ ist Lieckfeld eines jener Bücher gelungen, die man kaum aus der Hand legen kann, so spannend und brillant geschrieben ist es, durchsetzt von feiner Ironie. „Mich fasziniert das Phänomen Zivilcourage“, sagt der Autor – Leute, die ohne Gedanken auf die eigene Sicherheit gegen Unrecht zu Felde ziehen. In diesem Fall das Unrecht der Hexenverfolgung, die, wie alle Ideologien, zur völligen Verrohtheit ihrer Verfechter führt. „Wie Ideologie wirkt, habe ich am eigenen Leib erfahren“, erinnert sich Lieckfeld und erzählt, wie er als junger Student eine Zeitlang dem Maoismus anhing. Studiert hat er Germanistik und Sozialkunde für Lehramt am Gymnasium – das allerdings zur Zeit der Lehrer­- schwem­me, so dass er sich nach dem zweiten Staatsexamen statt im Klassenzimmer in der Redaktion des Nordheider Wochenblatts wiederfand. Von da ging es zum NDR, zur Zeitschrift Natur und schließlich in die Freiberuflichkeit. Lieckfeld schrieb unter anderem Natur- und Tierreportagen für GEO, Merian, Die Zeit und die Süddeutsche Zeitung, verfasste Texte für die Münchner Lach- und Schießgesellschaft und das Düsseldorfer Kom(m)ödchen und machte sich als Autor zahlreicher Sachbücher zu Umweltthemen, etwas „Tatort Wald“ oder „Logbuch Polarstern“ einen Namen. Besserer Autor Rückblickend ist Claus-Peter Lieckfeld froh, dass er nicht in der Schule gelandet ist. „Ich glaube, ich bin ein besserer Autor als Lehrer“, schmunzelt er. „Vom Spaßfaktor ganz zu schwei­gen.“ Im kult.café Dießen Neue vom Hexenawalt liest Claus-Peter Lieckfeld am Montag, 22. Februar, um 20 Uhr im kult.café in der Prinz-Ludwig-Straße 23 in Dießen aus seinem neuesten Roman „Spee“.

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