Immer am Silvesterabend:

Faustschläge statt Böller

+
Symbolfoto

Landsberg – Silvester ist kein guter Tag für einen 20-Jährigen aus Landsberg. Gleich zweimal geriet er jeweils zum Jahreswechsel in Auseinandersetzungen und ließ die Fäuste sprechen. Nun muss er für zwei Jahre ins Gefängnis.

Am Nachmittag des 31. Dezember 2013 begleitete der Dachdeckerhelfer seine Freundin zu einem Treffen mit einem Bekannten, mit dem sie zuvor gelegentlich Marihuana konsumiert hatte. Zuletzt hatte es Streit gegeben, nun wollte der 18-Jährige einen geliehenen Pulli zurück haben. Man traf sich in einer Unterführung am Hindenburgring. Dort ging der 20-Jährige auf den Anderen los und schlug ihm mit der Faust mehrmals ins Gesicht.

„Er hatte meine Freundin bedroht“, behauptete der Angeklagte vor dem Jugendschöffengericht Landsberg. Worin die Bedrohung bestand, blieb allerdings nebulös. Laut Anklageschrift sollte der 20-Jährige seinem Kontrahenten auch noch das Handy und 30 Euro Bargeld abgenommen haben. Dies ließ sich jedoch nicht nachweisen – vielmehr brachte der Geschädigte, ein 18-jähriger Baumpfleger, mit vagen Angaben und vielen Erinnerungslücken das Gericht schier zur Verzweiflung. „Die Aussage kann man in der Pfeife rauchen“, befand der Vorsitzende Richter Alexander Kessler anschließend.

Sein Urteil stützte das Gericht deshalb ausschließlich auf das Geständnis, das der Angeklagte zu Beginn der Verhandlung abgelegt hatte. Er gab zu, den Anderen mit der Faust geschlagen zu haben. Ein ärztliches Attest bescheinigte dem Opfer unter anderem eine gebrochene Nase und eine Schädelprellung. Auch, dass er gedroht habe, den Baumpfleger umzubringen, falls der zur Polizei gehe, räumte der Angeklagte (Verteidiger: Patrick Freutsmiedl) ein.

Bargeld und das Handy des Anderen habe er jedoch nicht geraubt, das habe er „nicht nötig“. Nicht erhärten ließ sich die Vermutung von Staatsanwalt Matthias Neumann, dass auf dem Handy Fotos gespeichert waren, die die Freundin des Angeklagten beim Drogenverkauf zeigten.

Dass die 18-Jährige schon mit Drogen zu tun gehabt hatte, stand allerdings fest. Auch sie saß auf der Anklagebank (Verteidiger: Karl Mayer) und gab zu, Marihuana besessen zu haben. Außerdem hatte sie sich der Strafvereitelung schuldig gemacht. Als am Tag nach dem Vorfall in der Unterführung die Polizei vor ihrer Tür stand, behauptete sie, den Täter nur flüchtig zu kennen und nur seinen Vornamen zu wissen. So dauerte es über drei Monate, bis der 20-Jährige überführt war.

Er wurde wegen vorsätzlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren verurteilt. Zum Tatzeitpunkt stand er wegen einer ganz ähnlichen Straftat unter offener Bewährung – an Silvester 2011 hatte er in Kaufering ein paar Jugendliche mit Faustschlägen traktiert und bedroht. Damals hatte ihm das Gericht noch eine Chance gegeben, dafür gebe es nun keinen Spielraum mehr, so Kessler.

Die 18-Jährige, die derzeit eine Ausbildung zur Sozialpflegerin macht, muss zwei Wochenenden im Jugendarrest verbringen, künftig drogenfrei leben und 15 Beratungsgespräche absolvieren. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Ulrike Osman

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Eine Leiche muss her!
Eine Leiche muss her!
Lisa will Bierkönigin sein
Lisa will Bierkönigin sein
Himmel oder Hummel
Himmel oder Hummel

Kommentare