Aus dem Amtsgericht Landsberg

Feinstes Gras per Post

Das Haschisch war zu je einem Kilo abgepackt.
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Der Verurteilte schickte sich knapp ein Dreiviertelkilo Haschisch per Post aus Spanien nachhause.
  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Landsberg – Die Polizei ist im Haus und sucht nach Drogen. Sie findet ein paar Feinwaagen, aber keinen Krümel Stoff. Da klingelt der Postbote an der Tür – und bringt ein Drogenpäckchen. Ein Drehbuchautor müsste diese Szene vermutlich umschreiben, weil zu viel Kommissar Zufall im Spiel wäre. In der Realität hat sie sich jedoch genauso zugetragen: im Oktober 2018 in einem Dorf im westlichen Landkreis.

Die Hausdurchsuchung an diesem Tag war bereits der dritte Anlauf der Drogenfahndung. Zweimal zuvor hatte der Verdächtige, ein heute 54-Jähriger, einfach nicht aufgemacht. Beim dritten Mal kamen die Beamten mit einem Vertreter der Gemeinde und dem Schlüsseldienst wieder, um sich Zutritt zu den Räumen zu verschaffen. Im Hausgang kam ihnen der Bewohner entgegen – er behauptete, das Läuten überhört zu haben.

Dass kurz darauf der Postbote klingelte, entging dem 54-Jährigen hingegen nicht. Sein Versuch, das verdächtige Päckchen verschwinden zu lassen, misslang. Die Polizisten fanden es in einem Schuppen unter einer Mülltüte. Der Inhalt brachte den Mann nun vor das Schöffengericht Landsberg: 755 Gramm Haschisch mit einem ungewöhnlich hohen Wirkstoffgehalt.

Absender des Päckchens war der Angeklagte selbst gewesen. Er hatte das Rauschgift wenige Tage zuvor in Spanien gekauft und mit der Post an seine Heimatadresse geschickt. Das gab er vor Gericht zu. Die Drogen seien teilweise für den Eigenkonsum gewesen, teilweise für den Verkauf. „Damals war eine besondere Situation“, versuchte der 54-Jährige die Aktion zu begründen. Im Februar 2018 sei die Großmutter seiner beiden Kinder gestorben, im April seine Lebensgefährtin, die die jüngere Schwester der Mutter seiner Kinder war. Er habe die zwei Beerdigungen zahlen müssen und Schulden gehabt.

Der gelernte Maler und Lackierer hat allerdings eine Vergangenheit als Dealer und saß deswegen auch schon in Haft. Dass er im Oktober 2018 auf­flog, hinderte ihn nicht daran, im August 2019 wieder Drogen zu schmuggeln. Dieses Mal wollte er sich aus Spanien fast ein Kilo Haschisch schicken lassen. Das Päckchen kam jedoch nie bei ihm an – es wurde vom Zoll abgefangen.

Zwischenzeitlich hatte sich ein weiteres Drama ereignet. Die Mutter seiner Kinder war schwer erkrankt und ist nach wie vor gehandicapt. Die heute 14 und 11 Jahre alten Kinder kamen ins Heim. Ihm, dem Vater, traute das Jugendamt die Betreuung der beiden aufgrund seiner Suchtproblematik damals nicht zu. An diesem Punkt sei er „aufgewacht“, beteuerte der Angeklagte vor Gericht. Seitdem habe er „absolut gar nichts mehr“ mit Drogen am Hut.

Ob das aber stimmte? Objektive Beweise, wie etwa die Vorlage eines negativen Urintests, blieb der Angeklagte schuldig. Die Hoffnung der Verteidiger Susanne Simmerding und Bernd Gutowski ruhte einzig auf zwei Zeugen, die den Angeklagten als geläuterten und nunmehr engagierten Vater darstellten.

Tatsache ist, dass das Jugendamt ihm die Kinder im April 2020 zurückgab und „im Moment“ aus Sicht der Behörde keine Zweifel an seiner Erziehungsfähigkeit bestehen, wie ein Mitarbeiter im Zeugenstand aussagte. Der 54-Jährige habe eine „intensive und innige Beziehung“ zu seiner Tochter und seinem Sohn. „Im Moment entwickeln sie sich toll und sind beim Vater am besten aufgehoben.“ Eine Sozialpädagogin der Caritas sagte aus, der Angeklagte mache auf sie „einen sehr guten Eindruck“.

Ob der 54-Jährige wirklich drogenfrei ist, hatte allerdings keiner nachgeprüft. Es seien so viele Stellen an dem Fall beteiligt, „dass sich jeder auf den anderen verlässt“, räumte der Vertreter des Jugendamts ein. Seiner Behörde reichte es zu wissen, dass der Angeklagte eine Suchtberatung bei der Caritas besucht – wobei diese nicht mit einer Therapie gleichzusetzen ist.

Ein Sachverständiger ging davon aus, dass der 54-Jährige immer wieder schwere Straftaten begehen werde, solange er von seiner Suchterkrankung nicht loskomme. Drei Tage, bevor er zur Begutachtung erschien, hatte er jedenfalls noch Cannabis und Alkohol konsumiert – das ergab seinerzeit ein Drogentest.

Selbst, wenn die Umstände günstiger gewesen wären, hätte der Angeklagte kaum darauf hoffen können, in Freiheit zu bleiben. Da das Gesetz für die beiden angeklagten Fälle Mindeststrafen von je zwei Jahren vorsieht, hatte das Schöffengericht keine Möglichkeit, eine Bewährungsstrafe zu verhängen. Daran änderten auch die emotionalen Plädoyers der Verteidiger nichts, die empört den Saal verließen, als das Urteil gefallen war. Es lautete auf drei Jahre und sechs Monate Haft, wobei der 54-Jährige lediglich die ersten vier Monate hinter Gitter muss und anschließend für eineinhalb Jahre in einer geschlossenen Psychiatrie therapiert wird.

Dass seine Kinder nun zurück ins Heim müssen, tue auch ihr leid, betonte die Vorsitzende Richterin Katrin Prechtel. Doch für seine Taten müsse der 54-Jährige die Verantwortung übernehmen. An seine Kinder habe er damals offenbar selber nicht gedacht.

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