"Feldversuch" belastet Bauern – Blauzungenkrankheit: Impfung ist mit Risiken verbunden

Die blaue Zunge tritt eher selten auf. Lediglich in schweren Fällen der nach ihr benannten Wiederkäuerinfektion ist sie zu beobachten. Doch auch wenn die Krankheit glimpflich verläuft, können als Folgeschäden ein Rückgang der Milchleistung und Fruchtbarkeitsstörungen auftreten. Deshalb ist eine Impfung gegen die Blauzungenkrankheit verpflichtend vorgeschrieben – sehr zum Leidwesen vieler Landwirte, denn auch die Impfung ist nicht ohne Risiko. Auf einer Informationsveranstaltung des bayerischen Umweltministeriums versuchte CSU-Landtagsabgeordneter Dr. Thomas Goppel in der vergangenen Woche, zwischen Behörden, Tierärzten und Landwirten zu vermitteln.

Neben Vertretern des Umweltministeriums und der Tierseuchenkasse hatte Goppel dazu „geballte tiermedizinische Kompetenz“ ins Gasthaus Eberhard nach Eching geladen – unter anderem Professor Wolfgang Klee, Leiter der Rinderklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München, und den Präsidenten der bayerischen Landes- tierärztekammer Professor Theodor Mantel. Leonhard Welzmiller, Obmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) im Landkreis Landsberg, sowie zahlreiche Landwirte und praktische Tierärzte waren ebenfalls erschienen. Klee berichtete, die Blauzungenkrankheit (Bluetongue, BT) trete erst seit 2006 in Nordwest-Europa auf. Sie wird durch eine Mückenart übertragen, ist nicht ansteckend und verläuft meist nicht tödlich. Symptome sind unter anderem Fieber, Bindehautentzündungen, vermehrte Flüssigkeitsansammlungen in den Geweben vor allem im Kopfbereich sowie Schwellungen am Euter. Betroffene Tiere würden sich in aller Regel wieder erholen. Eine Impfung gegen BT ist dennoch vorgeschrieben - dies war sogar schon vor der offiziellen Zulassung der Impfstoffe der Fall, die gerade erst ausgesprochen wurde Einige enthalten Quecksilber und andere umstrittene Bestandteile. Die Behauptung, die Impfung sei ein riesiger Feldversuch auf Kosten der Landwirte, wies Klee jedoch zurück. Die Wahrscheinlichkeit von Impfschäden bezifferte er mit einem Fall auf 30000 Tiere, und nicht einmal dann sei klar, welche Ursache die Schäden tatsächlich hätten. Klee: „Wenn nach einer Impfung Dinge dokumentiert werden, die sonst nicht dokumentiert werden, wer will da einen Zusammenhang behaupten?“ "Sehr großes Bauweh" Aus den Reihen der Landwirte klang das aber ganz anders. „Seit der BT-Impfung werde ich nicht mehr glücklich“, berichtete Milchbauer Michael Schuster. So seien bei seinen Kühen Probleme mit einem erhöhten Zellgehalt in der Milch aufgetreten, die nach ein paar Monaten ebenso plötzlich wieder verschwunden waren. „Den Stress wünsche ich niemandem“, so Schuster. Er werde seine Tiere wieder impfen lassen, „aber mit sehr großem Bauchweh.“ Dass Impfverweigerern Zwangsgelder in zum Teil fünfstelliger Höhe drohen, bezeichnete einer der anwesenden Bauern als Psychoterror. Wer vom Sinn der Impfung überzeugt sei, lasse sie ohnehin freiwillig machen. „Aber uns in der momentanen Wirtschaftslage mit Geldbußen und Subventionsverlust zu drohen, ist psychische Körperverletzung. Wir Bauern sind auch nur Menschen.“ Bauernverbandsvertreter Welzmiller kritisierte die Informationspolitik des Umweltministeriums. „Eine Veranstaltung wie diese hätte es schon im vergangenen Jahr geben müssen.“ Außer in Bayern gebe es nirgends eine Diskussion ums Impfen – in stärker betroffenen Bundes- und Nachbarländern habe niemand ein Problem damit. Auch Goppel bilanzierte, dass die Aufklärungsarbeit zu wünschen übrig gelassen habe. Um ein klareres Bild von möglichen Impfschäden zu bekommen, empfahl der Dießener Tierarzt Dr. Theo Halsema den Bauern, jede Nebenwirkung sofort dem Hoftierarzt zu melden. „Das wurde bisher viel zu wenig gemacht.“ Impfen auch im Landkreis Die flächendeckende Pflichtimpfung der Rinder-, Schaf- und Ziegenbestände gegen die Blauzungenkrankheit läuft. Tiere im Alter ab drei Monaten werden durch den Hoftierarzt geimpft. Bis Mitte Juni muss die Impfkampagne abgeschlossen sein. Dies gilt auch für Tiere, die gegen Ende ’08 geimpft wurden und nun eine einmalige Nachimpfung brauchen. Im vergangenen Jahr nicht geimpfte Rinder und Ziegen müssen zwei- malig, Schafe hingegen nur einmalig grundimmunisiert werden Die Kosten für den Impfstoff trägt der Freistaat, die für Durchführung bei Rindern die bayerische Tierseuchenkasse. Weitere Informationen gibt es im Veterinäramt Landsberg unter Telefon 08191/129-182.

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