KREISBOTEN-Serie: Feuerwehrkommandanten im Landkreis Landsberg

Peter Wörishofer: Selber machen heißt die Devise

+
Stolz präsentiert der 1. Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Oberdießen Peter Wörishofer den Schriftzug auf dem Einsatzwagen. Das ausschlagende ‚W‘ stehe für das Chaos. Und das ‚ß‘ sieht aus wie eine? Genau, eine Wasserpumpe.

Oberdießen – Ob es bei der Freiwilligen Feuerwehr Oberdießen wohl zu den Aufnahmevoraussetzungen gehört, handwerklich begabt zu sein? Das wohl eher nicht. Geschadet hat es in den letzten Jahren mit Sicherheit aber auch nicht, wenn man sich ansieht, was die Feuerwehrler alles so zusammengezimmert haben. Allerdings ist das Handwerken natürlich nicht die Hauptaufgabe der Feuerwehr. Mit was sich die Oberdießener Kameraden sonst noch so beschäftigen, erzählt der 1. Kommandant Peter Wörishofer.

Seit drei Jahrzehnten ist der 46-Jährige nun schon bei der Feuerwehr. Seit 2001 ist Wörishofer zudem der 1. Kommandant. Eine lange Zeit, in der sich auch einiges bei den Oberdießenern getan hat. „Wir haben schon viel erreicht. Die Feuerwehr wurde 1995, als ich 2. Kommandant wurde, quasi generalüberholt.“ So sei nicht nur er neu in sein Amt gewählt worden. Auch der Vereinsvorstand habe sich komplett neu zusammengesetzt. Der frische Wind, der damals durch die Feuerwehr wehte, scheint einen richtigen Motivationsschub mit sich gebracht zu haben. So wurde als Wörishofers erstes Großprojekt die 120-Jahr-Feier auf die Beine gestellt. „Wir dachten uns, 125 Jahre feiert eh jeder. Dann machen wir halt 120 Jahre“, grinst der 46-Jährige.

Das nächste Projekt sollte sich dann über eine längere Zeit hinziehen. 1998 fiel der Startschuss für den Neubau des Feuerwehrhauses. „Wir haben das Gebäude komplett in Eigenleistung errichtet.“ Nur Putz und Estrich hätten damals Firmen übernommen. Der Rest wurde von den Kameraden an den Wochenenden bewerkstelligt. Sind die Oberdießener Feuerwehrler also alle begnadete Handwerker, oder wie kommt‘s? Tatsächlich ist Wörishofer selbst Maurer – mittlerweile zum geprüften Bautechniker und Bauleiter aufgestiegen – und den ein oder anderen Handwerker gebe es in der Feuerwehr auch. „Und auch die, die nicht so handwerklich geschickt sind, kann man irgendwie einspannen“, lacht Wörishofer.

Doch der Kommandant konnte sich auch auf die Bürger verlassen. „Das ganze Dorf hat damals mitgeholfen.“ Und so stand im Jahr 2000 das fertige Feuerwehrhaus. Vom Häuslebau konnten die Feuerwehrler aber wohl nicht genug kriegen. 2017 folgte der Anbau einer weiteren Garage entstand in Eigenregie.

Wer jetzt denkt, in Oberdießen gebe es für die Feuerwehr nix zu tun und sie müssten sich deshalb anderweitig beschäftigen, der täuscht. Vor allem 2018 habe es besonders viele Einsätze gegeben. Einer der häufigsten Einsatzorte ist dabei die B17, für deren Teilbereich die Feuerwehr zuständig ist. Verkehrsunfälle sind hier keine Seltenheit.

Als Wörishofer seine Zeit bei der Feuerwehr Revue passieren lässt, kommt ihm auch wieder ein besonderer Einsatz in Erinnerung. Im Februar 2006 wurden er und seine Kameraden wegen Hochwassers alarmiert. Allerdings war es mehr, als nur ein paar Zentimeter in einem Keller. Damals schmolz einsetzender Regen den Schnee. Das Wasser konnte nicht versickern, weil der Boden gefroren war. „Das Wasser der Fluren von der Süd-Ostseite des Dorfes ist alles auf das Dorf zugeflossen.“ Kurzerhand habe man ein großes Loch neben dem Feuerwehrhaus gegraben. Dort lief das Wasser hinein und die Feuerwehr konnte es abpumpen. Ganze drei Tage und zwei Nächte seien sie im Dauereinsatz gewesen.

Um für solche und andere Notfälle vorbereitet zu sein, braucht es die richtige Ausrüstung. Dazu gehören natürlich auch die Fahrzeuge. 2009 gab‘s für die Feuerwehr ein TSF-W – ein Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser und Atemschutz. Nur gibt es da ein kleines Problem. In den Einsatzwagen passen gerade mal sechs Leute. Für 39 Aktive und zehn Feuerwehranwärter ist das freilich etwas knapp. Deshalb steht auf der Weihnachtswunschliste der Feuerwehr heuer auch ein Mannschaftstransportwagen. Genehmigt ist er schon. Damit die Gemeinde die Kosten nicht alleine stemmen muss, soll ein Teil aus der Vereinskasse beigesteuert werden. Dafür organisiert Wörishofer mit dem Vereinsvorstand verschiedene Aktionen. So gab‘s schon ein Kesselfest mit Bürgermeisterstückerl. Die Einnahmen flossen in die Vereinskasse. Am kommenden Samstag, 30. November, veranstaltet die Feuerwehr zudem einen Weihnachtsmarkt mit verschiedenen Verkaufsständen und einem Flohmarkt mit Weihnachtsartikeln beim Kirchplatz. Natürlich wird es sich auch der Nikolaus nicht nehmen lassen, vorbei zu schauen. Bläser und verschiedenen Chöre sorgen für das passende musikalische Flair. Im Pfarrheim findet zudem eine Krippenausstellung sowie ein Krippenverkauf statt.

Wörishofer ist für den großen Tag schon fleißig am planen. Eigentlich keine typische Kommandanten-Tätigkeit. Sollte man meinen. Aber zu dem Amt gehört halt eben doch noch einiges mehr. Langweilig wird es Wörishofer da bestimmt nicht. „Auch als Bauleiter hat man mehr als genug Arbeit.“

Fünf Jahre hat er in seiner aktuellen Amtszeit noch. Die sollten zu schaffen sein. Vor allem mit so einer Spitzentruppe. Dass die Oberdießener sich aufeinander verlassen können und Teamleistung hochhalten, haben sie ja schon bei ihren Bauprojekten mehrfach unter Beweis gestellt.
Stephanie Novy

Auch interessant

Meistgelesen

Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Nach möglichen Selbstmord auf der A96 sucht Polizei nach Zeugen
Nach möglichen Selbstmord auf der A96 sucht Polizei nach Zeugen
Mit dem KREISBOTEN zum PULS Open Air auf Schloss Kaltenberg
Mit dem KREISBOTEN zum PULS Open Air auf Schloss Kaltenberg
In Landsberg und Asch brennen Mülltonnen - Brandstiftung
In Landsberg und Asch brennen Mülltonnen - Brandstiftung

Kommentare