Einsatzzentrale unter der Leichenhalle

Feuerwehrkommandanten im Landkreis: Karl Hommer und Jürgen Müller aus Beuerbach

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Jürgen Müller (li.) und Karl Hommer leiten die Feuerwehr in Beuerbach.

Beuerbach – 256 Seelen zählt der kleine Ort, der nördlich von Weil und südlich von Scheuring liegt. Die Feuerwehr hat eine bewegte Geschichte hinter sich, wie Kommandant Karl Hommer und sein Stellvertreter Jürgen Müller zu berichten wissen. Die beiden leiten die Floriansjünger von Beuerbach seit 2003 und sind gemeinsam durch dick und dünn gegangen.

„Wir haben uns vor 17 Jahren zusammen in dieses Boot gesetzt“, sagt Karl Hommer zu Beginn des Gesprächs und er besteht darauf, dass sein Stellvertreter mit von der Partie ist. Der 51-Jährige arbeitet als Fluggerätemechaniker, ist ehemaliger Gemeinderat, verheiratet und hat vier Kinder, die aber nicht alle bei der Feuerwehr sind. „Kein Problem“, versichert Hommer, „diese Entscheidung überlasse ich jedem selbst.“

Er selbst ist mit 15 Jahren der Feuerwehr beigetreten und hat alle Höhen und Tiefen erlebt. Jürgen Müller war 16 Jahre alt, als er sich zum ersten Mal den Helm aufsetzte. Der 43-jährige Ehemann und Vater einer Tochter ist gebürtiger Beuerbacher und schafft hauptberuflich als Techniker im Landratsamt Fürstenfeldbruck.

31 Aktive zählt die Truppe, davon sieben Damen. Seit 2017 steht ein nagelneues Tragkraftspritzenfahrzeug in der schmucken Halle des Feuerwehrhauses, das wiederum 2010 eingeweiht werden konnte. Als die beiden 2003 ihr Ehrenamt antraten, residierte die Feuerwehr unter der Leichenhalle der örtlichen Kirche. Dort war es so feucht und gammelig, dass nicht einmal die Schutzanzüge vor Ort aufbewahrt werden konnten. Eine „Übergangslösung“, die natürlich viel länger währte als gewollt.

Statt eines Fahrzeugs gab es nur einen Anhänger. Karl Hommer erzählt: „Wir brauchten natürlich einen Traktor, der uns zum Einsatz gezogen hat. Es gab aber immer weniger Landwirte und bei den großen Bauern waren die Schlepper meist selbst im Einsatz. Manchmal war Alarm und kein Traktor da. Bis der geholt war, ging viel Zeit verloren.“ 2006 wurde endlich Abhilfe geschaffen und ein gebrauchtes Fahrzeug gekauft. Ein Quantensprung für die Feuerwehrleute von Beuerbach. „Das war wirklich ein erhebendes Gefühl“, erinnert sich Jürgen Müller. „Es handelte sich zwar um ein altes Auto, aber im Gegensatz zum Hänger war es eine Verbesserung um 100 Prozent. Mit Funkgerät! Das gab es ja bei dem Hänger gar nicht, da lief alles per Telefon.“

Doch noch immer diente der Platz unter der Leichenhalle als Feuerwehrhaus. Das neue Fahrzeug passte geradeso hinein. Endlich erbarmte sich die Gemeinde und gab grünes Licht sowie die nötigen Mittel für den Bau eines eigenes Hauses. 2010 konnte die Einweihung gefeiert werden und der Abschied vom feuchten Standort fiel natürlich nicht schwer. Sechs Jahre später konnte auch das arg gebrauchte Fahrzeug durch ein neues ersetzt werde. Karl Hommer, Jürgen Müller und ihre Truppe fühlten sich wie im Feuerwehrhimmel.

„Es ist einfach viel zu lange kaum etwas investiert worden, deshalb gab es viel Nachholbedarf. Alle Verantwortlichen haben zwar gewusst, dass etwas passieren muss, aber die Kosten waren einfach das Problem. Heute sind wir der Gemeinde und Bürgermeister Christian Bolz natürlich sehr dankbar“, erklärt Jürgen Müller. Und Karl Hommer fügt hinzu: „Das Fahrzeug ist ja kein Spielzeug für den Kommandanten, sondern eine Notwendigkeit. Wir haben in unserem Schutzbereich drei Kreuzungen, wo es ständig scheppert. Es war damals teilweise einfach übel, als wir noch keine gescheite Ausstattung hatten.“ In Geretshausen müssen die Kameraden heute noch mit einem Anhänger auskommen.

Quereinsteiger gesucht

„Wir haben zusammen schon einige Kämpfe durchgestanden“, sagt Karl Hommer und es ist deutlich, dass die Chemie zwischen den beiden stimmt. Im Januar 2021 stehen mal wieder Wahlen an und sie würden gerne weitermachen. Eine Jugendfeuerwehr gibt es im Moment nicht, zu viele junge Leute verlassen Beuerbach, weil es zu wenig Bauplätze gibt. Die regelmäßigen Informationsabende und direkte Ansprachen tragen keine Früchte. Über Quereinsteiger würde man sich sehr freuen, versichert Müller. Der Feuerwehrverein hat sechzig Mitglieder. Es scheint, als sei fast der halbe Ort mehr oder weniger mit der Feuerwehr verbunden.

In seiner Freizeit fungiert Jürgen Müller sechs bis sieben Mal im Jahr sogar noch als Schiedsrichter bei den Leistungsprüfungen der Kameradinnen und Kameraden. Er schätze aber die vielen Kontakte, die dadurch entstehen würden, versichert er. Wenn er mal ganz abschalten will, geht er mit seiner Tochter zum Reiten oder besucht ein Spiel des FC Augsburg, wo er Mitglied ist.

Karl Hommer hingegen hat ganz andere Pläne für die Zukunft. Gerade erst hat er den „großen“ Bootsschein gemacht, der es ihm erlaubt, die sieben Weltmeere zu beschippern. Das eigene Boot ist ein Traum, den er sich noch erfüllen möchte. „Immer wenn ich an einem überfüllten Strand war, habe ich neidisch auf die Boote geschaut, die vor der Küste trieben und auf denen man seine Ruhe hat. Das kriege ich aber auch noch hin“, sagt er im Brustton der Überzeugung und seine Augen leuchten.

Bis dahin wird es aber noch so manchen Einsatz für ihn und seinen Stellvertreter geben. Nun allerdings dem 21. Jahrhundert angemessen.

Dietrich Limper

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