Die Feuerwehr im Blut

Feuerwehrkommandanten im Landkreis: Tobias Straus aus Lengenfeld

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Hat die Feuerwehr praktisch im Blut: Tobias Straus aus Lengenfeld.

Lengenfeld – Wenn schon der Vater Vereinsvorsitzender und Kommandant der Feuerwehr war, dann wurde Tobias Straus sein Werdegang praktisch in die Wiege gelegt. Mit 14 Jahren trat er der Jugendfeuerwehr in Lengenfeld bei und seitdem ist er fester Bestandteil der Truppe. Da war es nur folgerichtig, dass er vor elf Jahren zum Kommandanten gewählt wurde.

Der 38-jährige Konstrukteur bei einem großen Unternehmen für Umformtechnik ist verheiratet, Vater von zwei Töchtern und lebt seit jeher im beschaulichen Lengenfeld, einem Ortsteil der Gemeinde Pürgen. „Als ich Jugendlicher war, sind eigentlich alle jungen Leute im Ort zur Feuerwehr gegangen. Das war gar keine Frage“, erzählt Tobias Straus. Er durchlief die Ausbildungen: Trupp- und Gruppenführer, Maschinist und schließlich auch Atemschutzgeräteträger. Er gehört seit 1999 dem Vorstand an, war zehn Jahre Gerätewart und übernahm von 2007 bis 2009 die Rolle als Jugendwart. Mit 27 Jahren wurde ihm die Aufgabe als Kommandant zugetragen und Straus lehnte nach erfolgreicher Wahl nicht ab.

Heute gehören zwei Feuerwehrfrauen und 44 -männer zur aktiven Wehr. Die Jugendfeuerwehr besteht aus je sieben Jungs und Mädels. Um den Nachwuchs muss er sich also keine großen Sorgen machen. Zum gesamten Verein der Feuerwehr gehören rund 260 Mitglieder. „Ich bin froh und dankbar, dass die Zusammenarbeit mit dem Verein ausgezeichnet ist. Wir erhalten jede nur denkbare Unterstützung“, sagt Tobias Straus.

Im Durchschnitt wird er mit seinen Kameradinnen und Kameraden zu sechs bis zehn Notfällen im Jahr gerufen. Lengenfeld ist also nicht gerade ein Standort, an dem es täglich heiß hergeht, aber wenn die Sirene zum Einsatz ruft, muss jeder Handgriff sitzen. Das Löschgruppenfahrzeug, der vereinseigene Bus und der Tragkraftspritzenanhänger wollen natürlich trotzdem gepflegt und in Schuss gehalten werden.

Stolz ist Tobias Straus allerdings auf eine richtige Erfolgsstory, die er vor ein paar Jahren ins Leben gerufen hatte: Der 38-Jährige organisierte eine Ü18-Ausbildung. „Ich habe Leute im Dorf angesprochen, die ich für geeignet hielt, und konnte sechs Leute überzeugen. Einer war sogar schon über 50. Mit einem kompakten Ausbildungsprogramm habe ich sie an die Einsatzbereitschaft herangeführt und sie sind heute tragende Säulen bei der Feuerwehr“, schildert er seine Vorgehensweise. Gerne würde er diese Ausbildung wiederholen und ruft alle interessierten Bürger dazu auf, sich bei ihm zu melden.

Schock für die Gemeinde

Weniger erfolgreich war eine ganz andere Geschichte, die aber eher den Privatmann Tobias Straus hart traf. Seit drei Jahren gehörte der leidenschaftliche Waldhornbläser der „Blaskapelle Lechrain“ zum Organisationskomitee des Bezirksmusikfests 2020 in Lengenfeld. Für jeden Ort ist die Ausrichtung dieser Feierlichkeit eine ganz besondere Ehre, um die man sich lange zuvor und extra bewerben muss. Eine Chance, die ein Verein vielleicht nur einmal im Leben bekommt.

Dann kam Corona. Und damit das tragische Aus. Ein schwerer Schlag für die ganze Gemeinde. „Gastkapellen aus Südtirol und dem Schwarzwald wären gekommen, hier wäre richtig Action gewesen. Das Kapitel ist nun erst einmal geschlossen und ob es eine Neuansetzung geben wird, steht in den Sternen“, sagt Tobias Straus traurig.

Hoffen hingegen kann er auf das 150-jährige Jubiläum der Feuerwehr Lengenfeld. In fünf Jahren wird es so weit sein und er ist guter Dinge, dass wenigstens diese Feierlichkeit wieder über die Bühne gehen kann.

Um Frust abzubauen, über die Zukunft nachzudenken und Holz für den privaten Gebrauch zu schlagen, geht er in seinen eigenen Wald im Ortsgebiet von Lengenfeld. Oder er werkelt am eigenen Haus und Garten, denn dort gibt es immer was zu tun. „Jeder, der ein Eigenheim hat, weiß ja, wie das ist. Die Arbeit hört nie auf. Die Terrasse erweitern und den Hausspeicher ausbauen. Dank Corona und damit verbundener Kurzarbeit ist die Liste der Projekte aber um einiges kürzer geworden“, berichtet Tobias Straus.

Den größten Teil seiner Freizeit widmet er aber der Familie. Urlaub war gar nicht geplant, der sollte für das Bezirksmusikfest geopfert werden. „Ich konnte den Urlaub nun in den August verschieben. Wir werden wahrscheinlich hier bleiben und viele Tagesausflüge machen. Ansonsten fahren wir Fahrrad, wandern und nutzen unseren Garten.“

Ein Gen hat Straus allerdings nicht vom Vater übernommen. Er zeigt auf den alten Fernseher in einer Ecke der Feuerwache: „Da hat mein Vater montagabends immer die Spiele von 1860 München geschaut. Ich bin allerdings ein Roter und die spielen zum Glück nicht montags.“ Er lacht herzlich. Aber mal abgesehen davon scheint er die Fußstapfen seines Vaters voll und ganz auszufüllen. 

Dietrich Limper

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