Theaterprojekt

Inklusion mit Promifaktor

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Autor und Regisseur Rolf-Jürgen Lang, Komponist Paul Gallister sowie musikalischer und Projektleiter Christian Fischer (v. links) fachsimpelnd im Straßencafe im 2. Bezirk in Wien.

Landkreis – Es ist wieder so weit: Die Band der Lebenshilfe Dillingen „Musch’t Du habba“ beginnt demnächst mit den Proben zu einem neuen Musical. Schon mit ihrem ersten Inklusionsprojekt „Manchmal – auf dem Marktplatz des Lebens“ waren sie weit über den Landkreis hinaus erfolgreich. Unter anderem in Wien. Und dort knüpfte Autor und Regisseur Rolf-Jürgen Lang einen prominenten Kontakt: zum Komponisten und Produzenten Paul Gallister. Der wurde gerade mit dem österreichischen Filmpreis für die beste Musik in „Die Mitte der Welt“ ausgezeichnet. Er ist Produzent und Komponist der österreichischen Band Wanda. Und nicht zuletzt Arrangeur von Conchita Wursts Eurovision-Song „Rise like a Phoenix“.

Erst vor zwei Wochen trafen sich Regisseur Lang, Christian Fischer, Projektleiter und Leiter der Band „Musch’t Du Habba“ sowie der Österreicher Gallister in Wien: „Er kam gerade aus Los Angeles zurück“ berichtet Lang, „so wie es aussieht, ist er auf dem Sprung nach Hollywood.“ Kennengelernt hatte Lang den Musiker über dessen Vater Reinhard, der mit Lang befreundet ist. Als „Musch’t Du habba“ in Wien spielte, sagte Reinhard zu seinem Sohn Paul, er solle sich das unbedingt anschauen. Nicht umsonst war die Band ja bereits Vorgruppe der Biermösel Blosn und der Wellküren. Nach dem Auftritt saß man noch zusammen und eins kam zum anderen: „Paul Gallister war von unserem Projekt absolut begeistert“, erzählt Lang. Er habe das anfangs für die berühmte österreichische Höflichkeit gehalten. Aber offensichtlich war die Begeisterung echt. Denn jetzt hat er seine Unterstützung zugesagt. „Ich habe Paul das Konzept gezeigt und ihm die Texte zu den drei Liedern gegeben, die er komponieren wird.“ Und auch das musikalische Hauptthema des Musicals fließt aus Gallisters Feder.

„Poli und der Träumer – Eine AutoBiographie“ lautet der Titel des Musicals, das im Herbst 2018 Uraufführung haben wird. Darin geht es um einen Jugendlichen mit Behinderung, der Modellautos sammelt und darauf hinarbeitet, seinen großen Traum zu erfüllen: einmal im Polizeiauto durch New York fahren. „Es geht um die Idee, dass da jemand konsequent seinen Traum verfolgt, während andere Geld scheffeln, nur um vier Wochen in Urlaub fahren zu können“, sagt Lang. Die Handlung des Musicals wird deutlich machen, dass Otto Normalbürger im täglichen Leben das wirklich Wertvolle oft nicht bemerkt. „Die Geschichte geht auf jeden Fall zu Herzen, aber es wird auch viel Humor geben“ schmunzelt der Regisseur. „Und die Musik wird eher rockig sein.“

Die ganze Crew umfasst ungefähr 40 Personen, davon hat knapp die Hälfte eine Behinderung. Das Aufführungs-Prinzip hat Lang schon in vorherigen Inklusions-Musicalprojekten getestet: Um den Schauspielern mit Behinderung nicht zu viele Dialoge zumuten zu müssen, wird es eine Erzählerin geben, die die Ereignisse auf der Bühne beschreibt. Das Projekt wird wieder auf Tour gehen. Angedacht sind Städte wie Kempten, Regensburg, Augsburg oder auch, wenn möglich, München. Dazu gibt es dieses Mal etwas Besonderes: In jedem Ort will Lang einem ortsansässigen Chor die Möglichkeit zum Mitmachen geben: „Der Chor bekommt die Melodie und den Text zu einem Lied, wie er es umsetzt, kann er selbst entscheiden.“ Auch das ist Inklusion.

In spätestens einem Monat sollen die Proben beginnen: „Die Rollen für Menschen mit Behinderung haben wir bereits besetzt“, meint Lang. Eventuell brauche man noch ein oder zwei weibliche Zweitbesetzungen. Was noch offen ist: eine Rolle für einen Mann ohne Behinderung. Wenn möglich, sollte der bereits in einem Chor singen und auch Erfahrungen mit Soli haben. „Er muss auf jeden Fall den Mut mitbringen, um alleine auf der Bühne vor einem großen Publikum zu singen.“ Zu dieser Rolle fehlt auch noch die Zweitbesetzung. Gagen darf man leider keine erwarten, lediglich die Unkosten können erstattet werden. Die Proben finden in Dillingen statt, „aber sollte sich ein Landsberger bewerben, kann er gerne bei mir mitfahren“, sagt Lang. „Aber Vorsicht, die Samstage sind dann weg“, mahnt er: „Das Projekt geht über drei Jahre. Und es wird für alle Beteiligten sozusagen ein Vollhobby.“

Interessenten können sich direkt unter Rolf.J.Lang@gruensink.de mit dem Regisseur in Verbindung setzen.

Susanne Greiner

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