Problem mit dem Platzhalter

Finanzausschuss behandelt Kosten der Bahnüberführung im Landsberger ULP

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Die Arbeiten für die Bahnüberführung, die auch Unterführung werden soll, laufen.

Landsberg – Die Bahnüberführung im neuen Wohngebiet Urbanes Leben am Papierbach (ULP) hat im Finanzausschuss die Frage aufgeworfen, wie die Stadt mit Planungen und Kostenschätzungen umgehen soll, um sich vor unliebsamen Überraschungen zu schützen.

Die Brücke, die gleichzeitig eine Fußgängerunterführung wird, soll eine Spannweite von zwölf Metern und eine Breite von fünf Metern bekommen. Dass sie teurer wird als ursprünglich geschätzt, war bereits seit den Haushaltsberatungen im letzten Herbst bekannt. Keine Überraschung also – und auch kein Wunder, denn der zunächst genannte Betrag von 1,3 Millionen Euro war lediglich ein Platzhalter, wie der Leiter des Straßenbaureferats Hans Huttenloher sagte.

Inzwischen hat eine Baugrunduntersuchung ergeben, dass die Brücke „voll im Grundwasser“ stehen werde. Deshalb müssen 25 Meter tiefe Pfähle gesetzt und eine Entwässerungsleitung gelegt werden, damit die Unterführung nicht vollläuft, wenn der Grundwasserspiegel steigt. Außerdem lässt sich die Bahn, in deren Eigentum die Brücke übergehen wird, die zukünftigen Unterhaltskosten mit 400.000 Euro ablösen. Die Bahn hätte die Brücke übrigens auch selber bauen können, „aber dann hätten wir über einen Zeitrahmen von 15 Jahren gesprochen“, so Huttenloher.

Das Investitionsvolumen für die Gesamtmaßnahme liege nunmehr – inklusive Nebenkosten – bei rund fünf Millionen Euro. Davon trägt der ULP-Investor 60 Prozent, also drei Millionen Euro. 700.000 Euro kommen voraussichtlich als Zuschuss vom Freistaat, sodass bei der Stadt ein Anteil von 1,3 Millionen Euro verbleibt. „Damit kommen wir eigentlich ganz gut weg“, befand Zweiter Bürgermeister Moritz Hartmann (Grüne), der in Vertretung von OB Doris Baumgartl die Sitzung leitete.

Unter dem Tagesordnungspunkt ging es eigentlich nur um die Anpassung des Honorars für das Planungsbüro. Es steigt aufgrund der höheren Baukosten von knapp 300.000 auf 490.000 Euro.

Wolfgang Weisensee (Landsberger Mitte) stellte allerdings die Frage, wie man planen solle, wenn zunächst keine belastbaren Zahlen vorliegen. Auch Stefan Meiser (ÖDP) fand es „einfach unschön“, wenn Zahlen an die Öffentlichkeit gelangen würden, die man später nach oben korrigieren müsse.

Dritter Bürgermeister Felix Bredschneijder (SPD) nahm die Verwaltung in Schutz. Denn oft genug wolle der Stadtrat ausdrücklich Zahlen hören, bevor die ersten Leistungsphasen einer Planung überhaupt beauftragt seien. Das wiederum rechtfertigte Christian Hettmer (CSU): „Wir brauchen ja eine Hausnummer – spätestens für die Haushaltsberatungen.“

Idealerweise, so Moritz Hartmann, sollte der Stadtrat politisch wissen, was er will, dann die ersten Planungsschritte samt Kostenberechnung in Auftrag geben und dann erst die endgültige Entscheidung treffen. „Aber manchmal sind wir ja auch in Zugzwang.“ So wie im vorliegenden Fall – denn dass die Bahnüberführung gebaut werden muss, stellt niemand in Frage.

Die Anpassung des Planungshonorars wurde schließlich mit zwei Gegenstimmen beschlossen.
Ulrike Osman

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