Für die ökologische Aufwertung:

Ohne Lockströmung läuft’s nicht

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Hier soll’s ab Oktober „bequem flussauf“ gehen: In 63 Becken können die Lechfische die ersten sieben Meter Höhenunterschied am Kraftwerk Kaufering (hinten) überwinden.

Kaufering – Noch stehen Huchen&Co. bei ihrem natürlichen Zug stromauf vor einem unüberwindbaren Hindernis aus Stahl, Beton und mächtigen Turbinen: der Lechstaustufe 18. Fast 14 Meter Höhenunterschied wären zu überwinden, um die Wanderung fortzusetzen zu können. Dass das bald möglich sein wird, dafür sorgt derzeit die e.on mit dem Bau einer Fischaufstiegshilfe. Das 2,2 Millionen Euro teure Bauwerk soll im Oktober seiner Bestimmung übergeben werden.

Das Ziel, den Lech an dieser Stelle flussaufwärts passierbar zu machen, werde mit einer „aufwendigen, nach den neuesten wissenschaftlichen Er-kenntnissen konzipierten Fisch- aufstiegsanlage“ umgesetzt, erläuterte e.on-Sprecher Theodoros Reumschüssel am Dienstag beim Pressetermin auf der Baustelle. Im November vergangenen Jahres begannen die Arbeiten im Norden Kauferings, heute kann man die Struktur der künftigen Anlage und seiner Elemente erkennen.

Die Fischaufstiegshilfe nimmt Gestalt an

Da Fische flussaufwärts wandern, befindet sich der Einstieg für die Fische unterhalb des Kraftwerks auf der linken Seite des Lechs in der Uferböschung. Über ein technisches Bauwerk, einen sogenannten „Vertical-Slot-Pass“, können die Wasserlebewesen über 63 einzelne Becken mit einem Höhenunterschied von rund elf Zentimetern die insgesamt über sieben Meter Höhendifferenz „in bequemen, gut zu meisternden Abschnitten“ überwinden, erklärt Projektleiterin Uta Mentz.

An dieses technische Bauwerk schließt sich eine naturnah ausgestalte Bachstrecke mit rund 400 Meter Länge und 2,50 Meter Gesamthöhenunterschied an. In diesem komplett neuen Bach fließt im Moment noch kein Wasser; deshalb kann deutlich wie er mit Totholz, lockerem Kies sowie mit einem abwechslungsreichen Verlauf so gestaltet wurde, dass er sich zu einem optimalen Wanderkorri-dor sowie zu einem attraktiven Lebensraum und Laichplatz für eine Vielzahl von Wassertieren und Pflanzenarten entwickeln dürfte.

Und weiter geht’s flussauf: Über ein anschließendes „Raugerinne“, etwa 80 Meter lang, können die Schuppenträger weitere 2,40 Meter Höhenunterschied passieren. Projektleiterin Mentz: „Das Gerinne ist wie die Bachstrecke der Natur nachempfunden und macht über einzelne, mit Wasserbausteinen gestaltete, unregelmäßige Becken die Höhendifferenz für Wasserlebewesen passierbar und ist ebenfalls ein attraktiver Lebens- und Rückzugsraum.“ Über einen Verbindungsbereich aus Rohrleitungen mit zwei Meter Durchmesser und einem of-fenem Gerinne, ein U-förmiger Trog, wandern die Fische dann weitere 80 Meter weiter zur Kauferinger Staustufe 18.

Mit dem „Ausstiegsbauwerk“ endet der Fischpass oberhalb des Kraftwerks. Es ist, wie der Einstieg ebenfalls, als technisches Bauwerk ausgestaltet und weist 13 Becken auf, die die restliche Höhendifferenz von bis zu 1,50 Meter ausgleichen. Da der Oberwasserstand am Kraftwerk wegen des Schwellbetriebes des Energieversorgers sowie witterungs- und jahreszeitlich bedingt schwankt, werde dieses Bauwerk so gestaltet, dass es über verschieden hoch angeordnete Ausgänge den Wasserlebewesen schließlich den Wechsel in den Lech ermöglicht.

„Die Anlage ist auf die Leitfischart Huchen ausgelegt“, so Reumschüssel, sie sei aber auch für kleine Fische wie Barbe, Nase, Äsche oder Gründling zur Wanderung geeignet. Die rund 850 Meter lange Fischaufstiegsanlage werde konstant von rund 550 Liter Wasser pro Sekunde durchflossen. Das garantiere dann auch eine ausrei- chend starke „Lockströmung“, die die Fische als Orientierungshilfe zum Auffinden der Fischaufstiegsanlagen brauchen.

Wenn die Anlage im Oktober ihrer Bestimmung übergeben wird, ist der Lech auch an dieser Stelle für Wasserlebewesen durchgängig sein. An den e.on-Lechkraftwerken in Kinsau und Klein-Kinsau gibt es schon seit 1992 Fischaufstiegshilfen, und auch, in deutlich geringeren Ausmaßen, am Lechwehr in Landsberg. Für die Kraftwerke Merching sowie Unterbergen seien die Vorarbeiten für Fischaufstiegshilfen im Gange, so Reumschüssel. Für alle weiteren Kraftwerke am Lech, für die solche Anlagen erforderlich sind, habe der Energieversorger laut Pressesprecher Reumschüssel in der Mittelfristplanung über 40 Millionen Euro eingestellt. „Das fördert die Flussökologie und die genetische Vielfalt der verschiedenen Wasserlebewesen im Lech.“

Kraftwerk Kaufering

Das Kraftwerk Kaufering in Norden der Marktgemeinde erzeugt laut e.on-Angaben seit 1975 mit der installierten Leistung von 16,7 Megawatt (MW) und drei Kaplan-Rohrturbinen pro Jahr rund 80 Millionen Kilowattstunden „CO2-freien Strom“. Rechnerisch wäre er ausreichend für über 24000 Haushalte. „Gegenüber dem aktuellen deutschen Strommix vermeidet allein die Stromerzeugung im Kauferinger Wasserkraftwerk pro Jahr über 55000 Tonnen CO2“, rechnet e.on-Sprecher Theodoros Reumschüssel vor.

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