Weniger Hecht, mehr Renken

Der Fischertag in Dießen

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Mit der Traditionsfahne der Fischereigenossenschaft Ammersee marschierten Berufsfischer und Ehrengäste von der Kirche St. Johann zum Unterbräu in Dießen. Mit dabei Vize-Bürgermeister Peter Fastl (links) und Uttings Bürgermeister Josef Lutzenberger (rechts), dazwischen Fischerei-Chef Dr. Bernhard Ernst.

Dießen – Seit 1691 treffen sich die Ammersee-Fischer traditionell an Peter & Paul – bis 1970 ein Feiertag in Bayern – zu ihrem Jahrtag. Heuer fiel er auf einen Samstag, sodass sich die rund 30 Ammersee-Berufsfischer am Montag in der Marktgemeinde Dießen zusammenfanden. Dr. Bernhard Ernst, Vorsitzender der Fischereigenossenschaft, konnte Positives berichten, machte aber auch dem Staat Vorwürfe, ihre Ressourcen nicht genügend gegen dreiste Diebe zu schützen. Die Kormorane seien die Problemvögel Nr. 1 am See, weil sie inzwischen nicht mehr selbst auf Beutezug gehen, sondern sich an den gefüllten Netzen der Fischer bedienen. Ein Großteil des Fangs werde so vernichtet.

„Momentan vernichten die Kormorane jährlich etwa 24 Tonnen Fisch, was dem Bedarf von rund 16.000 Menschen entspricht“, so Dr. Ernst. Man habe den Fischern zwar weitreichende Möglichkeiten eingeräumt, die Vögel an den Netzen zu vergrämen. Das habe aber nur bewirkt, dass die schlauen Kormorane jetzt einen Sicherheitsabstand zu den Booten wahren. „Aber spätestens dann, wenn wir nicht mehr am Netz sind, wird weiter geplündert!“, berichtet Dr. Ernst.

Ein weiteres Problem seien die etwa 45 Gänsesäger auf dem Ammersee, die über das Jahr rund fünf Tonnen Jungfische im Uferbereich verspeisen. Das wirke sich auf die Fischökologie und Ertragssituation nicht minder schwer aus. Auch die rund 1.500 Gänse am See würden das Wasserschilf „nicht mehr auf die Füße kommen lassen“. Damit fehlten Reinigungsanlage, Lebensraum und Brutstätten des Sees.

Es müsse endlich eine effektive Jagdausübung möglich gemacht werden. Die Jagd auf dem See sei nur noch auf ein Prozent der Seefläche beschränkt und werde von den Jagdpächtern – wenn überhaupt – nur sporadisch ausgeübt.

Der Staat sei nicht nur verpflichtet, das Eigentum der Fischer und damit auch die Netze zu schützen, forderte Dr. Ernst. Er trage auch die Verantwortung, dass die im See vorhandenen Ressourcen sinnvoll und zum Wohle der Bürger genutzt werden. „Unsere Politiker plädieren ständig die Förderung regionaler Lebensmittel, aber den Worten müssen jetzt Taten folgen“, betonte Dr. Bernhard Ernst. Explizit sprach er dabei die Kormoran-, Wasserschilf- und Jagdproblematik an. „Die Leistungsfähigkeit des Sees hinsichtlich der Fischerei muss gewährleistet sein.“

Zur Lage der Ammersee-Fischerei sagte Dr. Ernst, über das vergangene Jahr hinweg seien durchschnittliche Fangerträge erzielt worden. Hecht und Zander blieben zwar ein wenig hinter den Erwartungen zurück. Dafür sei die Entwicklung bei den Renken gut, besonders was die Stückgewichte zwischen 250 und 300 Gramm betreffe. Trotzdem liege der Hektarertrag von knapp sieben Kilo Fisch pro Hektar gerademal bei der Hälfte des seit 1970 gemittelten Ertragsdurchschnitts. Gemessen am Pro-Kopf-Verbrauch von 1,5 Kilogramm Süßwasserfisch würden die Ammersee-Fischer derzeit 21.000 Menschen versorgen.

Dr. Ernst gab aber auch seiner Freude Ausdruck, dass auf den Fischspeisekarten der regionalen Gastronomie nicht nur die Herkunft aus dem Ammersee, sondern auch immer öfter die Angabe der jeweiligen Fischer vermerkt sei. Das zeige die Wertschätzung des Fischerei-Handwerks.

Die jährliche Zusammenkunft der Ammersee-Fischer begann am Montag mit dem Festzug vom Untermüllerplatz zur Kirche St. Johann, angeführt von der Blaskapelle Entraching. Pfarrer Josef Kirchensteiner zelebrierte das Fischeramt, bevor es zurück in den Gasthof Unterbräu ging. Dr. Ernst konnte eine ganze Reihe von Ehrengästen begrüßen, darunter die Bürgermeister Josef Lutzenberger (Utting), Alexander Herrmann (Schondorf), Siegfried Luge (Eching) und Peter Fastl (Vize in Dießen) sowie Dr. Bernhard Gum von der Fischereifachberatung beim Bezirk Oberbayern. 

Dieter Roettig

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