"Systemrelevant und (nicht) schlecht bezahlt"

Fleischfachverkäuferin Lea Arens aus Kaufering

+
Fleischfachverkäuferin ist nicht für jeden ein Traumberuf. Lea Arens sieht das anders. Die 18-Jährige ist jetzt im dritten Lehrjahr und arbeitet in einer Filiale der Landmetzgerei Gschwill in Kaufering.

Kaufering – „Darf’s ein bisschen mehr sein?“, ist der Spruch, den man mit dem Beruf der Fleischfachverkäuferin verbindet. Lea Arens (18) entschied sich nach dem Abschluss in der Mittelschule für eine Ausbildung bei der Landmetzgerei Gschwill in ihrer Heimatstadt Kaufering. Warum sie das tat, wie das Leben mit Corona ist und was die Zukunft bringt, hat sie dem KREISBOTEN erzählt. Mit dabei war ihr Chef und Ausbilder Michael Gschwill.

Frau Arens, wie sind Sie denn nach dem Ende der Schulzeit zu dem Entschluss gelangt, gerade diesen Beruf zu wählen?

Lea Arens: „Vor allen Dingen bin ich durch meine Mama auf die Idee gekommen, denn die hat auch in einer Metzgerei gearbeitet. Sie hat sehr positiv darüber gesprochen und irgendwann habe ich mir gedacht, das schaue ich mir mal an. Nach einem einwöchigen Praktikum habe ich mit dem Chef geredet, war überzeugt und wurde eingestellt.“

Wie haben Ihre Freunde darauf reagiert?

Arens: „Die haben schon ein bisschen komisch geschaut und gesagt, dass könnten sie selbst nicht machen. Aber wenn es mir Spaß machen würde, stünden sie auch voll hinter mir.“

Wie ging dann die Lehre los? Was muss man am Anfang machen?

Arens: „Ich bin von den Kollegen und Kolleginnen an die Hand genommen worden und habe gelernt, wie man bedient oder Salate und Thekengerichte herstellt. Wir sind jeden Tag die einzelnen Fleischteile durchgegangen und ich musste mir Preise und Nummern merken. Sehr interessant finde ich auch die richtige Verwendung der Fleischteile beim Kochen und Wichtiges über die Ernährung. Ansonsten muss man natürlich aufräumen, den Laden sauber halten und die Theke auffüllen. Es gibt immer was anderes zu tun. Zum Beispiel werden jetzt wieder viele Grillspezialitäten vorbereitet.“

Zudem steht ja auch Berufsschule an. Wie oft müssen Sie die Schulbank drücken?

Arens: „Es gibt zwölfmal im Jahr eine Woche Blockunterricht. Dafür muss ich nach München zur Metzgereischule.“

Hat die Ausbildung Ihren Vorstellungen entsprochen?

Arens: „Ja. Der Beruf ist für mich sehr abwechslungsreich. Vor allen Dingen der Kontakt zu den Kunden gefällt mir gut. Ich bin völlig zufrieden. Auch die Bezahlung ist in Ordnung, ich erhalte nun im dritten Lehrjahr 1.030 Euro brutto und komme damit gut über die Runden. Ich habe meine Entscheidung bis heute noch keine Sekunde bereut.“

Beim Schlachten an sich sind Sie aber nicht dabei, oder?

Arens: „Nein, das muss ich nicht, aber ich habe mich einmal freiwillig dafür entschieden, dabei zuzuschauen. In der Berufsschule gibt es ein Seminar, wo das Pflicht ist. Wir müssen einfach auch wissen, was hinter den Kulissen vor sich geht.“

Michael Gschwill: „Uns ist es wichtig, dass unsere Mitarbeiter Einblick bei den Landwirten bekommen und uns bei der Produktion über die Schulter schauen können. Dadurch können Sie unsere Kunden gut beraten, die sich sehr dafür interessieren, woher das Fleisch kommt. Regionalität liegt uns am Herzen.“

Was würden Sie denn jungen Leuten sagen, die darüber nachdenken, diesen Beruf zu ergreifen?

Arens: „Man sollte aufgeweckt sein und Freude am Umgang mit den Kunden haben. Gerade das Gespräch mit den Menschen ist wichtig und es geht nicht immer nur um Fleisch und Wurst, sondern es gibt viele Aspekte über die man reden kann.“

Beim Thema Kunden muss natürlich die aktuelle Lage mit dem Virus angesprochen werden. Wie beeinflusst die Pandemie Ihre Arbeit?

Arens: „Ich nehme es eigentlich recht locker. Die Kunden halten sich an die Vorschriften und im Moment läuft es normal weiter. Seit Montag sind auch die Mund-Nasen-Masken Pflicht, für uns und die Kunden. Ich habe mir selbst eine genäht, die man wiederverwenden kann. Eine Arbeitskollegin hat mich auf diese Idee gebracht.“

Sie sind nun im dritten Lehrjahr und im August fertig. Wie sehen die Pläne für die Zukunft aus?

Arens: „Es sieht wohl so aus, dass mich mein Chef gerne übernehmen möchte. Ich werde also hier in Kaufering bleiben, wo wir drei Filialen haben.“

Was machen Sie gerne, wenn Sie nicht hinter der Theke im Laden stehen?

Arens: „Ich verbringe eigentlich viel Zeit mit meinen Freunden, aber das geht im Moment leider nicht. Ich tanze leidenschaftlich gerne und war früher auch mal in einem Verein. Ansonsten fahre ich viel Fahrrad und bin oft in der Natur unterwegs.“

Herr Gschwill, noch ein Frage an Sie. Wie sieht es in Ihrer Branche mit dem Nachwuchs aus?

Gschwill: „Wir hoffen, dass durch die momentane Situation der Blick auf das Handwerk und die regionale Versorgung verstärkt wird. Wird bieten ein Praktikum für junge, interessierte Leute an, die gerne in die Metzgerei oder den Verkauf reinschnuppern möchten.“

Frau Arens, Herr Gschwill, wir bedanken uns für das Gespräch. Bleiben Sie gesund.
Dietrich Limper

Auch interessant

Meistgelesen

Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Utting: Drei Millionen für „Haus der Kinder“
Utting: Drei Millionen für „Haus der Kinder“
Landsberg: Sommerunterhaltung mit „Mandragola“ und Moreth Company
Landsberg: Sommerunterhaltung mit „Mandragola“ und Moreth Company
Bis dass die Socken dampfen: Ein Rundgang durch das Breite Moos 
Bis dass die Socken dampfen: Ein Rundgang durch das Breite Moos 

Kommentare