Flexibilität macht stark – Kreishandwerksmeister Ernst Höss: "Sind nicht die Melkkuh der Nation!"

Von der „medialen Krisenhysterie“ will Ernst Höss nichts wissen. „Ich halte es lieber mit Barack Obama und sage: Wir können’s“, so der Kreishand-werksmeister am Sonntag beim Neujahrsempfang im Landratsamt. Auch die anderen Redner, die an diesem Vormittag Grußworte an die Kreishandwerkerschaft richteten, wehrten sich gegen allzu viel Schwarzmalerei. Und falls jemandem angesichts der Wirtschaftslage das Lachen vergangen war, so schaffte Stoiber-Double Wolfgang Krebs als humorvoller Höhepunkt der Veranstaltung zuverlässig Abhilfe.

Die über 6000 Beschäftigten im regionalen Handwerk seien hoch-motiviert und würden sich mit Fleiß und Leistungsbereitschaft für den Bestand ihrer Betriebe einsetzen. „Wir sind flexibel, das ist unsere Stärke“, betonte Höss. Die Chancen für das Handwerk liegen für ihn in der Binnenkonjunktur, doch von staatlichen Konjunkturprogrammen hält er nichts. Deren Wirkung sei zweifelhaft, außerdem werde die Staatsverschuldung in die Höhe getrieben. Stattdessen forderte Höss generelle Strukturverbesserungen wie etwa eine Senkung der Mehrwertsteuer sowie der Steuer- und Abgabenlast. „Der Mittelstand ist nicht die Melkkuh der Nation“, wetterte Höss. Landrat Walter Eichner (CSU) unterstrich die wichtige Rolle des Handwerks gerade in der momentanen Lage: Es biete die sichersten Arbeitsplätze, investiere vor Ort, zahle dort auch Steuern und engagiere sich darüber hinaus für das Gemeinwohl. Mit Spannung wartet Eichner auf Details aus dem Konjunkturpaket II, mit denen aber frühestens Mitte Februar zu rechnen sei. „Derzeit ist noch völlig unklar, welche Maßnahmen gefördert werden und welche Kriterien zu erfüllen sind“, bedauerte er. Projekte, die der Landkreis Landsberg mit den zusätzlichem Geld durchführen könnte, seien eine Erweiterung des Landratsamts, dem etwa 30 Büros fehlen, die Schaffung weiterer Ganztagsklassen und die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude. Landsbergs Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) sieht die Region und speziell das Handwerk trotz der Krise noch relativ gut dastehen. Die Stadt werde mit öffentlichen Aufträgen auch weiterhin die Binnennachfrage stützen, und mit den regionalen Banken stünden den Betrieben starke und seriöse Geldinstitute zur Seite. Auch Gerhard Ketzler, Geschäftsführer der Handwerkskammer für München und Oberbayern, bescheinigte den regionalen Handwerksbetrieben eine stabile Substanz. Für das Jahr 2008 konnte er gute Zahlen vorlegen: Die Umsätze des Handwerks stiegen um vier Prozent auf 777 Millionen Euro, und die Zahl der Betriebe wuchs um 3,3 Prozent auf 2080. Insgesamt beschäftigten die Betriebe im vergangenen Jahr 6800 Mitarbeiter, was einem Plus von einem Prozent gegenüber 2007 entspricht. Die Ausbildungsplätze nahmen sogar um zwei Prozent zu: Insgesamt bildete das Handwerk 700 junge Menschen aus. Ausgezeichnet Bei den zahlreichen Ehrungen wurden Innungssieger, Meisterpreisträger, langjährige Mitarbeiter, verdiente Ausbildungsbetriebe, besonders engagierte Meisterfrauen und die Unterstützer der Benefizaktion „Handwerk mit Herz“ ausgezeichnet. Das 40-jährige Bestehen von Holzbau Fichtl aus Hechenwang und der Schreinerei Scherdi in Hofstetten wurde ebenso gefeiert wie der 66. Geburtstag des Installateurobermeisters Werner Tenschert. Drei Handwerksmeister er- hielten nach über 35 Jahren Selbstständigkeit den Goldenen Meisterbrief und hoben das Glas zum Meistertrunk. Als Höhepunkt kam zu den Klängen des bayerischen Defiliermarsches Stoiber-Double Wolfgang Krebs in den Saal marschiert und sorgte mit einer gelungenen Parodie des ehemaligen Ministerpräsidenten für Heiterkeit. Den musikalischen Rahmen lieferte die Blas- kapelle Prittriching.

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