Florierender Handel

Kommt ein 35-Jähriger aus einem Dorf bei Landsberg mit einer Bewährungsstrafe davon oder muss er für drei Jahre ins Gefängnis? Diese Frage entscheidet sich am heutigen Mittwoch vor dem Schöffengericht Landsberg. Laut Staats­an­-walt­schaft soll der Angeklagte im Laufe von fünf Jahren mit rund sieben Kilo Haschisch gehandelt haben. Er selbst und sein Lieferant behaupten, es sei nur etwa die Hälfte dieser Menge gewesen. Weitere Zeugenaussagen sollen Klärung bringen.

Im August 2005 begann der ehemalige Zeitsoldat, von einem Landwirt in Hofstetten (siehe obenstehender Bericht) regelmäßig Haschisch zu be­- ziehen – laut Staatsanwältin Susanne Schmidt mindestens 55 Mal jeweils 100 bis 150 Gramm für 5,50 Euro pro Gramm. Einen Teil des Rauschgifts konsumierte der Kommunikationselektroniker selbst, den Rest verkaufte er gewinnbringend an den Lebensgefährten seiner Nichte weiter, der das Haschisch – wiederum mit einem Preisaufschlag versehen – an seinen eigenen Bruder veräußerte. „Ich habe das Haschisch nur verkauft, um meinen eigenen Konsum zu finanzieren und nicht, um ein Vermögen anzuhäufen“, beteuerte der Angeklagte vor Amtsrichter Dr. Wolfgang Daum und den Schöffen. Von August 2007 bis Dezember 2008 habe gar kein Handel stattgefunden, weil er in dieser Zeit eine Technikerschule besucht und kein Interesse am Haschischrauchen gehabt habe. „Das ließ sich nicht vereinbaren“, erklärte der Angeklagte. Denn unter Drogeneinfluss könne man „sich nicht so viel merken“. Nach Saudi-Arabien Im Juni dieses Jahres sollte dann endgültig Schluss sein mit den Drogen. „Ich hatte ein Arbeitsangebot nach Saudi-Arabien, das ich annehmen wollte“, erzählte der 35-Jährige. Dazu kam es jedoch nicht mehr: Sein Kunde wurde mit 200 Gramm Haschisch erwischt, woraufhin die ganze Handelskette aufflog. Der 35-Jährige sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Der Lieferant des Angeklagten bestätigte diese Aussagen, insbesondere die fast eineinhalbjährige Geschäftspause. Der Kunde, der ebenfalls als Zeuge geladen war, konnte sich daran jedoch nicht erinnern. Er gab an, ab Mitte 2005 regelmäßig einmal im Monat beim Angeklagten Haschisch eingekauft zu haben. Für Staatsanwältin Schmidt hatte diese Aussage großes Gewicht. „Der Zeuge hat selbst ein Verfahren am Hals. Warum sollte er sieben Kilo einräumen, wenn es nur die Hälfte gewesen wäre?“, gab sie zu bedenken. Schmidt beantragte deshalb für den Angeklagten eine Freiheitsstrafe von drei Jahren. Verteidiger Achim von Lucke möchte dagegen mit Hilfe weiterer Zeugen die Aussage seines Mandanten untermauern. Richter Wolfgang Daum vertagte daher die Verhandlung. Sie wird an diesem Mittwoch um 15 Uhr fortgesetzt. Dann sollen die Freundin und der Bruder des Kunden sowie die Schwester des Angeklagten weiter Licht ins Dunkel bringen.

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Lisa will Bierkönigin sein
Lisa will Bierkönigin sein
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Rational AG ist weiter auf Wachstumskurs
Rational AG ist weiter auf Wachstumskurs

Kommentare