Ohne Container wird’s nicht gehen

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Kauferings Rathauschef Erich Püttner wirbt unermüdlich für eine „Willkommenskultur“ gegenüber Flüchtlingen und Asylbewerbern in seiner Martgemeinde. Bisher habe es keine Probleme gegeben.

Kaufering – Erich Püttner glaubt nicht, dass in Kaufering die Stimmung kippt, wenn es um die Aufnahme von Flüchtlingen und Asylbewerbern geht. „Unsere Mitbürger haben weiterhin eine positive Grundhaltung gegenüber den Flüchtlingen“, so der Bürgermeister im Gespräch mit dem KREISBOTEN. Das hänge sicherlich unter anderem auch damit zusammen, dass Kaufering in der Nachkriegszeit eine echte Flüchtlingsgemeinde war.

Viele der damaligen Flüchtlinge hätten das nicht vergessen, ist Püttner überzeugt, daher gäbe es auch viel Verständnis für die Situation der Menschen. Der Rathauschef verschweigt nicht, dass es auch kritische Stimmen bei den Anwohnern in der Kolpingstraße gäbe. Wie berichtet, sollen dort in einem Haus unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht werden. Dagegen hatten Anwohner eine Unterschriftenaktion gestartet.

In absoluten Zahlen ausgedrückt, leben derzeit rund 120 Flüchtlinge in der Marktgemeinde. Das entspricht gerade mal 1,2 Prozent der Bevölkerung. Dazu sollen in nicht allzu ferner Zukunft noch rund 30 unbegleitete minderjährige Jugendliche kommen.

Kaufering ist im Landkreis die Gemeinde mit der höchsten Aufnahmequote. Die meisten der Asylbewerber wohnen in zwei Häusern des Landkreises in der Schlesierstraße. Für diese Menschen muss eine neue Unterkunft gefunden werden, da die Häuser aus bautechnischen Gründen Anfang 2016 abgerissen werden. Derzeit diskutiert man im Marktgemeinderat über die Alternativen einer Unterbringung.

Sicher scheint, dass man die Flüchtlinge in Containern unterbringen will. Wo diese aber stehen sollen, ist noch unklar. Der Marktgemeinderat präferiert nach Aussagen des Rathauschefs das hinter dem Rathaus und dem Kinderspielplatz gelegene freie Grundstück in der Pfälzer Straße. Püttner betonte, dies sei aber noch nicht durchgeplant. Es könne durchaus sein, dass das Grundstück zu klein sei. Weitere Alternativen könnten die Kugler- wiesen, das Areal der Sportanlagen im Bereich Franz-Senn-Weg/Grünanlagen Jahnstraße oder das Areal „Am Schechen“ in der Landrat-Müller-Hahl-Straße sein. Das Landratsamt werde diese Standorte auf Praktikabilität und Machbarkeit prüfen. Das letzte Wort über den Standort der Container habe aber der Marktgemeinderat.

"Tolle Menschen"

Seit mehr als vier Jahren leben Asylbewerber in Kaufering. Große Probleme habe es bisher nicht gegeben, resümierte Erich Püttner. „Das sind tolle Menschen, hochgebildet und mit einem hohen Willen zur Integra- tion“. Streit habe es bisher höchstens einmal untereinander gegeben. Positiv wirke sich auch die Unterstützung durch die örtliche Volkshochschule aus. Kaufering gelte sogar als ein Modellprojekt im ganzen Landkreis. Deshalb soll es die Leiterin der VHS, Eva Licciadello, nach Vorstellungen Püttners in einer der nächsten in einer der nächsten Bürgermeisterdienstbesprechungen vorstellen. Dazu komme die „vorbildliche Betreuung durch die überdurchschnittlich vielen ehrenamtlichen Helfer“ unter Leitung von Elke Puskeppeleit, die in Kaufering hauptamtlich für die Asylsozialberatung tätig ist.

Der zweite Problemkreis in der Kauferingen Asylpolitik sind die Pläne des Landratsamtes, minderjährige unbegleitete Flüchtlinge in einem Haus in der Kolpingstraße unterzubringen, das der Landkreis kaufen will. „Wir haben versucht, den Anwohnern die Angst zu nehmen“, betonte Püttner. Das Konzept sehe vor, die Betreuung in Zusammenarbeit mit dem SOS-Kinderdorf-Verein durchzuführen. Die Jugendlichen würden somit „absolut professionell rund um die Uhr“ betreut. „Sie haben ein ausgefülltes Tagesprogramm mit Schule, Ausbildung und organisierter Freizeitbeschäftigung“, so der Rathauschef. Für den hohen Betreuungs-Qualitätsstand seien die SOS-Kinderdörfer bekannt.

Landratsamt und die Marktgemeinde haben zwischenzeitlich in einer Bürgerversammlung, an der auch Landrat Thomas Eichinger teilnahm, die Anwohner informiert. Für Erich Püttner war dies wichtig, da die Marktgemeinde in vielen Punkten nicht Herr des Verfahrens sei. Klar sei aber den Besuchern der Informationsveranstaltung geworden, dass die bisherigen Erfahrungen mit Asylbewerbern grundsätzlich positiv ausgefallen seien. Püttner hofft, dass die Kauferinger weiter ihre „Willkommenskultur“ beibehalten. Erich Püttner ist überzeugt, dass sich in den nächsten Jahren die Flüchtlingsproblematik weiter verschärfen wird. „Die Krisen dieser Welt werden mehr und größer“.

Siegfried Spörer

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