Von der Kunst des Loslassens

Flugpionier Alois Wolfmüller im Projekt "Fliáng" 

1 von 21
Am Ende ist er doch noch fast fertig geworden: Der Wolfmüller-Flügelnachbau auf dem Hellmair-Platz
2 von 21
Von Donnerstag bis Sonntag konnten Kinder und Erwachsene auf den Spuren des Landsberger Flugpioniers Alois Wolfmüller wandeln: im Projekt "Fliáng".
3 von 21
Von Donnerstag bis Sonntag konnten Kinder und Erwachsene auf den Spuren des Landsberger Flugpioniers Alois Wolfmüller wandeln: im Projekt "Fliáng".
4 von 21
Von Donnerstag bis Sonntag konnten Kinder und Erwachsene auf den Spuren des Landsberger Flugpioniers Alois Wolfmüller wandeln: im Projekt "Fliáng".
5 von 21
Von Donnerstag bis Sonntag konnten Kinder und Erwachsene auf den Spuren des Landsberger Flugpioniers Alois Wolfmüller wandeln: im Projekt "Fliáng".
6 von 21
Von Donnerstag bis Sonntag konnten Kinder und Erwachsene auf den Spuren des Landsberger Flugpioniers Alois Wolfmüller wandeln: im Projekt "Fliáng".
7 von 21
Von Donnerstag bis Sonntag konnten Kinder und Erwachsene auf den Spuren des Landsberger Flugpioniers Alois Wolfmüller wandeln: im Projekt "Fliáng".
8 von 21
Von Donnerstag bis Sonntag konnten Kinder und Erwachsene auf den Spuren des Landsberger Flugpioniers Alois Wolfmüller wandeln: im Projekt "Fliáng".

Landsberg – Es geht ums Falten und Falzen, um Knicke an richtigen Stellen, um Startgeschwindigkeit, Gleitwinkel und Abwurfhöhe. Kurz: um Aerobatik. Bei dem viertägen Projekt „Fliáng“ haben Kinder und Erwachsene Alois Wolfmüllers Traum vom Fliegen nachgeeifert. Papierflieger gebastelt, Kabelbinder geknüpft, Wurftechniken optimiert. Und dem Landsberger Flugpionier in die Gegenwart verholfen.

„Es geht nicht nur um die historische Person Wolfmüller“, sagt Mitorganisator Wolfgang Hauck von dem Landsberger Kulturverein „dieKunstBauStelle“. Vielmehr solle sich etwas aus der Beschäftigung mit der Geschichte entwickeln.

Die „Entwickler“ des ersten Tages von „Fliáng“ sind die 24 Kinder der 8m, Mittelschule Landsberg. Unter Anleitung basteln sie Flugobjekte – fast schon Kunstwerke. An Schnüren aufgereiht, ergeben sie Mobiles, die in den Schaufenstern der Altstadt aufgehängt werden: rund um Wolfmüllers Geburtshaus, dem heutigen Discy in der Herzog-Ernst-Straße.

In diesem Geburtshaus ist auch der Zündfunke zu „Fliáng“ entflammt: Discy-Inhaber Edmund Epple hat den Anstoß gegeben. Dass Wolfmüller vor exakt 70 Jahren, am 3. Oktober 1948, gestorben ist, fiel erst später auf. Finanzielle Hilfe fürs Projekt kam durch die Hans-Heinrich-Martin-Stiftung, unterstützt haben auch "Die Aufmacher" und die Stadt Landsberg.

Dem Leiter der Mittelschule Christian Karlstetter geht es bei „Fliáng“ um Vernetzung von Geschichte und Kreativität. „Und es soll natürlich auch Spaß machen.“ Die Klasse 8m sei sofort mit Begeisterung dabei gewesen. Er selbst habe den letzten Papierflieger vor 25 Jahren gebastelt: „Ich wollte probieren, ob ich so einen Flieger noch zusammenkriege.“ Hat geklappt. Stolz zeigt Karlstetter den frisch entstandenen Papierjet. Was ein wahrer Fliegerbastler ist, dem bleibt das Knick-und-Falten-Wissen in den Händen. Die Schüler seien am Anfang erstaunt gewesen, dass es gar nicht so leicht ist, berichtet der Schulleiter. „Wenn man eine Falte falsch macht, kann man den Flieger wegwerfen.“

Am zweiten Tag, dem Freitag, öffnet die Flugwerkstatt in der Säulenhalle. Auch hier viele Kinder am Papierfliegerbauen. Und viele Väter. Hochkonzentriert sind alle bei der Arbeit, um die Flugmodelle Batman, Enterprise, Orion (eindeutig eine ältere Bauserie) und Mini-Jet aus einem Blatt Papier hervorzuzaubern. Techniker Peter vom Theater erzählt, er sei „früher gar nicht schlecht im Fliegerfalten“ gewesen. Sein gelber Blitz gleitet galant durch die Halle, nachdem er die rechte Tragfläche leicht nach oben gebogen hat. Ein enthusiastischer Bastel-Vater sucht nach einer Möglichkeit, seinem Jet „vorne Stabilisierung und ein Gewicht“ zu geben.

Im hinteren Teil der Säulenhalle ist über die Kunst des Loslassens zu lesen. Der Text stammt aus dem Buch „Blitzschnelle Papierflieger“ und beschreibt, wie man einen Flieger wirft: „Dazu wird nicht wie im Dartspiel vor der Nase, sondern etwas seitlich stehend mit angewinkelten Ellenbogen ausgeholt.“ Nur so erreicht man ein „harmonisches Werfen“. Hilfestellung ja. Aber Anweisung? Nein: „Jeder kann hier seinen Spaß haben“, sagt Epple.

Getestet werden die Papierobjekte im Theatersaal. Abschussrampe ist der oberste Rang. Ein Flieger sackt steil nach unten, ein anderer trudelt durch die Luft, der dritte gleitet zur Freude seines 10-jährigen Erbauers galant in leichter Linkskurve auf die Bühne. Es ist kein Wettkampf. Eher ein Schaulaufen. Zu gewinnen gibt es trotzdem etwas: Ein Rundflug wird unter den Teilnehmern verlost. In einem richtigen Flugzeug!

Neben den Papierfobjekten entsteht mit Anleitung durch Bühnenbildnerin Renate Stoiber ein Wolfmüller-Nachbau: ein Flügel. Die Materialien: Holz, Wühlmausgitter und 12.000 Kabelbinder. Die werden ins Gitter eingeknüpft. Knüpfer 1 steckt durch, Knüpfer 2 fädelt ein, Knüpfer 1 zieht fest. Das dauert. Und noch sind die Hälfte der ‚Federn‘ unverarbeitet. Mit den 12.000 Kabelbindern ist es auch nicht getan: „Ich habe ausgerechnet, dass wir insgesamt 40.000 brauchen“, sagt Hauck. Am Ende zeigt sich: Es reicht doch. Zumindest für die Illusion eines dicht mit Federn besetzten Flügels. So dicht, dass man nicht umhin kann, in sofort zu streicheln.

„Fliáng“ hat Kinder und Erwachsene vier Tage lang begeistert. Das Projekt hat den Landsberger Flugpionier lebendig gemacht. Ihn im Jetzt manifestiert. Wolfmüller hätte an dem Projekt seine helle Freude gehabt.

Susanne Greiner

Auch interessant

Meistgelesen

Ein Rathaus mit Flügeln
Ein Rathaus mit Flügeln
Christian Hartge unter den Bundesbesten
Christian Hartge unter den Bundesbesten
Keine Stille Nacht allein unterm Baum
Keine Stille Nacht allein unterm Baum
Mehr Besucher ins Paartal?
Mehr Besucher ins Paartal?

Kommentare