Dernière für den Rathausflügel

Förder-Konzert für den neuen Flügel: Zauberhafte Romantik

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Die künstlerische Leiter Christoph Hartmann (links) und Franz Lichtenstern (rechts) wurden von Pianistin Tomoko Nishikawa und Bratschist Tilbert Weigel im Konzert unterstützt.

Landsberg – Melancholisch gibt sich das Programm des letzten Rathauskonzertes in diesem Jahr. Seufzende Sonaten, Schilflieder und Romanzen verbittersüßen den zahlreichen Zuhörern den Sonntagabend: der letzte, bei dem der 40 Jahre alte Steinway-Flügel zum Einsatz kommt. Denn schon bald kommt der Neue. Der Große. Vormals im Gasteig zu hören, wird er im neuen Jahr die Zuhörer der Rathauskonzerte begeistern – und sicher auch die geladenen Pianisten.

„Ich habe den Flügel von Anfang an mitbekommen“, erzählt Christoph Hartmann, die eine Hälfte der künstlerischen Leitung der Rathauskonzerte. Und auch die andere Hälfte, Franz Lichtenstern, erinnert sich an die vielen Abende, bei denen Gerhard Johannes die Tasten drückte. „Es ist auch ein bisschen traurig, dass er jetzt wegkommt“, meint Hartmann. Dennoch haben er und Lichtenstern dieses letzte Förderkonzert organisiert. Und im Bratschisten Tilbert Weigel und der Pianistin Tomoko Nishikawa dankenswerte Unterstützung bekommen. Denn wie es sich für ein Benefiz-Konzert gehört: Alle Musiker spielen ohne Gage.

Auch wenn der Flügel seine Derniere hat, gibt‘s unter den eher unbekannten Werken der Romantik auch einige Premieren. Die hat zum Beispiel Weigels Bratsche. Bekommen hat er sie im August. Zwar ist sie schon bei den Bamberger Wagnerfestspielen erklungen. Aber ihren ersten Soloauftritt mit August Klughardts „Schilfliedern“ hat sie an diesem Abend. Und das passt. Denn es ist eine Viola des Landsberger Geigenbauers Martin Schleske. Deren Klang zu den sanften Tönen von Hartmanns Englisch Horn – sozusagen die Altvariante der Oboe: perfekte Harmonie, ein Schwelgen in Melodien. Die Schilflieder sind Fantasiestücke zu einem Gedichtzyklus von Nikolaus Lenau. In dem geht es um die unerfüllte Liebe – der sich Klughardt in seiner Komposition annähert und sich dabei der für die Spätromantik typischen Natursymbolik bedient. Sonnenuntergang, ziehende Wolken und schließlich „des Mondes trüber Glanz“. Eine weitere Premiere ist die Romanze für Englisch Horn und Klavier vom französischen Komponisten und Orgelspezialisten Charles-Marie Widor. „Ich habe das einmal gehört, aber bisher noch nie in einem Konzert gespielt“, erzählt Hartmann.

Brahms Sonate in e-moll hatte zwar keine Premiere im Rathaussaal. Lichtenstern hat sie bereits mehrmals mit Johannes gespielt. Nicht verwunderlich, hat Brahms doch nur zwei Cello-Sonaten geschrieben. Die e-moll-Sonate sei dabei die leichtere, „wobei leicht bei Brahms eigentlich nie zutrifft“, korrigiert Lichten-

stern. Auch für das Publikum ist das Stück das anspruchsvollste des Abends. Brahms war fasziniert vom „männlich ernsten Charakter des Instruments“. Bei der Uraufführung des Werkes habe Brahms am Klavier aber so laut gespielt, dass das Cello kaum zu hören war, erzählt Lichtenstern. Der Cellist war ein Stümper. Wie sich das Konzert in perfekter Interpretation anhört, zeigte Lichtenstern in Begleitung von Nishikawas leichtem, aber direkten Anschlag. Ein facettenreicher, notwendiger Bruch, der dem sonst so schwelgerischen Abend Würze gibt.

Der neue Steinway, ein D-Konzertflügel, kommt nicht durchs Fenster. Sondern über das alte Treppenhaus. „Bei den Fenstern hätte man den Zwischenholm absägen müssen“, erklärt Kulturamtsleiterin Claudia Flörke den nicht ungefährlichen Transportweg. Spielen darf ihn als Erster der Landsberger Markus Philipper: beim Sponsorenkonzert am 30. Dezember. Und der alte? Der genießt bei Steinway seinen Lebensabend.

Susanne Greiner

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