Gebärden besser verstehen

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Der Sozialpreis der VR-Bank Landsberg-Ammersee ging heuer an den Förderverein der Grundschule Kaufering, das AWO Mehrgenerationenhaus und die Familienoase Landsberg. Die Vorstände Stefan Jörg (hinten, 7. von links) und Hans-Jürgen Rehberger (hinten, 2. von rechts) gratulierten den Gewinnern gemeinsam mit dem amtieren und dem ehemaligen Landrat, Thomas Eichinger (hinten, 6. von rechts) und Walter Eichner (ganz rechts).

Landsberg – 15 Bewerbungen, drei Preisträger, viele glückliche Gesichter: Zum fünften Mal ist der mit 3000, 2000 und 1000 Euro dotierte Sozialpreis der VR-Bank Landsberg-Ammersee verliehen worden. Er zeichnet „überdurchschnittliches ehrenamtliches Engagement“ in allen Bereichen sozialer Tätigkeit aus. Der 1. Preis ging an den Förderverein der Grundschule Kaufering für ein Projekt, das den Schülern Grundkenntnisse in Gebärdensprache vermittelt.

Gespannt saßen alle Bewerber am Abend der Preisverleihung im Festsaal des Landrats- amts. Wer die glücklichen Gewinner sein würden, blieb nämlich bis zuletzt ein Geheimnis. Stefan Jörg, Vorstandssprecher der VR-Bank, verriet zu Beginn, dass die Entscheidung der Jury „denkbar knapp“ ausgefallen sei. Er riet allen, die nicht zu den Preisträgern zählten, sich nächstes Jahr erneut zu bewerben. Auch Landrat Thomas Eichinger hatte schon im Vorhinein Trost parat: „Gewinner im Sozialen sind sie alle.“

Dann übernahm nicht, wie gewohnt, Bayern-1-Moderatorin Ulla Müller die Bühne, sondern Ex-Landrat Walter Eichner. Müller hatte ihn offenbar von ihrem Urlaubsort aus auf den Einsatz als Moderator vorbereitet. „Sie hat gesagt, ich darf nie das Mikrofon aus der Hand geben“, berichtete Eichner gut gelaunt.

Nach der Vorstellung aller 15 Projekte – es waren heuer nur halb so viele Bewerbungen eingegangen wie im vergangenen Jahr – wurde es spannend. Und die Freude war groß, als Eichner schließlich als Sieger die Vertreter des Fördervereins der Grundschule Kaufering nach vorne rief. Da unter den Schülern seit letztem Jahr ein gehörloses Kind ist, entstand in der Schulfamilie der Wunsch, das Miteinander mit hörgeschädigten Menschen zu verbessern. Der Förderverein sorgte dafür, dass einmal in der Woche ein Gebärdensprachenlehrer in die Klassen kommt. „Die Kinder nehmen viel mit, lernen viel und gehen dadurch selbstverständlich mit Gehörlosen um“, wusste Eichner. „Ein absolut lobenswertes Projekt, weil gerade Deutschland im Bereich Gebärdensprache weit abgeschlagen im internationalen Vergleich steht. In anderen Ländern haben wesentlich mehr Menschen zumindest Grundkenntnisse.“

Mailen und skypen

Platz 2 ging an das AWO Mehrgenerationenhaus für sein „Café der Kulturen“ in der Begegnungsstätte Kratzertreff. Hier haben Flüchtlinge einen Nachmittag in der Woche die Möglichkeit, das Internet zu nutzen und per E-Mail oder Skype Nachrichten aus ihren Heimatländern zu bekommen. Vier PCs und drei Laptops stehen zur Verfügung, 15 Helfer organisieren den Betrieb. Einer von ihnen ist selbst Asylbewerber, wie Walter Eichner berichtete. „Ibrahim Wahid aus Afghanistan kann sehr gut Deutsch und unterstützt die Ehrenamtlichen.“

Die Familienoase Landsberg freute sich über den 3. Preis für ihr Projekt Familienpaten. Diese ausgebildeten Ehrenamtlichen unterstützen Familien in schwierigen Zeiten ein- bis zweimal die Woche – zum Beispiel mit Kinderbetreuung, Hausaufgabenbegleitung, handwerklicher Hilfe, Behördengängen oder Haushaltsorganisation. „So eine Paten- schaft dauert zwischen sechs Monaten und einem Jahr“, berichtete Eichner. Durch Hilfe zur Selbsthilfe würden die Familien dann wieder in die Eigenständigkeit geschoben.

Die Preisgelder fließen selbstverständlich wieder in die ausgezeichneten Projekte – zum Beispiel für weitere Stunden mit dem Gebärdensprachenlehrer, für die Anschlusskosten des Internet-Cafés und für die Ausbildung und Unkostenerstattung der Familienpaten.

Ulrike Osman

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