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Es geht nicht nur um den Kies am Lech

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Noch mehr Kies für den Lechstrand soll es im kommenden Jahr geben.

Landsberg – „Bis Ende 2012 konnte man uns noch als Spinner abtun“, hat Wolfgang Neumeier bei der ersten Mitgliederversammlung des „Fördervereins Lechufer und Strand beim Inselbad“ zurückgeblickt. Inzwischen sei man „eine große Gruppe“, so der Mitgründer der ehemaligen Interessensgemeinschaft.

„Die Landsberger stehen hinter uns", weiß Neumeier. Diese Unterstützung will man künftig auch massiv dazu einsetzen, die Zukunft des Inselbades langfristig zu sichern.

80 Mitglieder hat der Verein bereits, noch auf der Versammlung wurden es ein paar mehr, doch damit soll noch lange nicht Schluss sein. „Wir haben keinen Grund, uns in falscher Bescheidenheit zu üben“, sagt Vorsitzender Peter Pechtold, „warum sollen wir nicht 1000 Mitglieder anstreben?“ Für dieses Ziel hat man laut Schatzmeister Thomas Reichenbächer beschlossen, den Familienbeitrag auf den eines Erwachsenen zu „deckeln“ – derzeit sind das 20 Euro pro Jahr. 

Dieses Gewicht will man dann als „Ansprechpartner für die Landsberger Stadtverwaltung“ einsetzen, wenn es um die Zukunft des Inselbades geht, denn da hat man beim Förderverein ganz offensichtlich Befürchtungen. „Die Stadt hat sich 2007 ganz dezidiert festgelegt und mit der Studie ,Stadt-Land-Fluss’ gesagt, wo sie hinwill“, so Neumeier, der Auszüge in einer Präsentation zeigte. „Im Ergebnis ist zu sehen, dass der Lechstrand aufgelöst und das Inselbad zu einem Kernbad umgebaut ist. Dazu haben sich auch der damalige OB und die Kulturbürgermeisterin bekannt.“ Offiziell heißt es in dem Konzept tatsächlich, das Bad sei „sanierungsbedürftig“, das Inselbad und die Freiflächen „stehen grundsätzlich zur Disposition“.

Noch mehr Kies?

Das will der Förderverein auf jeden Fall verhindern; in der Sprache verbindlich, in der Sache eindeutig. „Wir wollen uns politisch und sachlich durchsetzen. Es geht uns nicht nur darum, Kies an den Lechstrand zu werfen“, stellt Pechtold klar. Allerdings wird auch das weiterhin eine große Aufgabe für den Verein sein. Die erste Etappe hat man bereits geschafft, inzwischen ist eine Teilfläche wieder aufgekiest und wird von den Badenden gut angenommen. „Wenn wir genügend Mitglieder haben und uns die Firma Ditsch vielleicht wieder unterstützt, können wir 2014 auch den Rest schaffen“, sagte Erich Schmid, der sich um die Aufkiesung kümmert.

Vorstand Pechtold, den als gebürtigen Landsberger wie seinen Stellvertreter Dr. Hans Ulrich Haase viele persönliche Erinnerungen mit Bad und Strand verbinden, wird sich nun mit seinem Verein auch dafür einsetzen, einen immer wieder ins Spiel gebrachten Fuß­- weg vom Flößerplatz zum Lechsteg zu verhindern. Gegen diese Promenade spreche viel: „Es ist nicht nötig, dass man vom Inselbad her komplett zu macht. So, wie es jetzt ist, ist das die ausgewogenste Lösung, die Ruhezeiten für Strand und Natur sind gegeben und wir haben auch eine wirtschaftliche Stärkung des Inselbades.“ Bei einem komplett öffentlichen Zugang zum Strand seien dagegen Scherben und Müll sowie ein höheres Gefährdungs­­ potenzial zu befürchten.

Ins gleiche Horn stieß Ex-Oberbürgermeister Franz Xaver Rößle, der warnte: „Bei einem eigenen Zugang zum Lech schließe ich ausgerechnet die Besucher des Inselbades aus, die das meiste Interesse daran haben.“ Rößle hatte ein Rechts­gutachten für die Stadt Landsberg erstellt, in dem er zu dem Schluss kam, dass die Stadt nicht in der Haftung sei, falls Unfälle beim Baden am und im Lech passieren. Nicht einmal die Aufsicht, die zurzeit alle Besucher mündlich darauf hinweist, dass sie das Inselbad ver­- lassen, wäre nach seiner Sicht nötig. „Da muss niemand sitzen, ich würde es höchstens an sehr stark frequentierten Tagen empfehlen, wenn es schon einmal passieren kann, dass Mütter die Übersicht verlieren.“

Die fortgesetzte Debatte um die rechtlichen Fragen wollte Peter Vonnahme ohnehin nicht so recht verstehen. „Es ist in den letzten Wochen viel zu viel über die Haftung diskutiert worden“, meinte der ehemalige Verwaltungsrichter. „Zunächst einmal haben immer die Eltern die Haftung, das muss man wieder einmal klar sagen.“ Zudem sei klar, dass der Lech durchaus „ein gefährlicher Platz ist“, in den vergangenen Jahrzehnten sei es immer wieder zu Unfällen gekommen, „aber die Haftungsfrage hat sich da nie gestellt, das ist scheinbar ein Phänomen der Neuzeit.“

Offensiv geht der Verein auch mit seiner Verbindung zur UBV um. Peter Pechtold machte keinen Hehl daraus, dass man dieser Partei „sehr dankbar“ sei. „Die UBV hat das angestoßen und niemand sonst, egal wer jetzt aufspringt, auch wenn wir darüber natürlich auch froh sind.“ Als es an die Vereinsgründung ging, hätten sich die Parteimitglieder aber zurückge­- nommen. „Sie sind ins zweite Glied getreten. Die Politik ist jetzt vorbei, es geht uns um die Sache“, sagt Pechtold.

UBV-Stadtrat Christoph Jell konnte sich einen Seitenhieb auf die Konkurrenz dann aber doch nicht verkneifen. „Der ehemalige Oberbürgermeister Lehmann war ja ein erklärter Promenadenfreund. Interessant, dass die SPD mit Herrn Völkel, der ja immer sehr gut mit ihm ausgekommen ist, jetzt schon einmal vom Gegenteil überzeugt ist.“ Jell hofft, „dass sich da noch viele andere anschließen.“

Der Verein an sich sei „unpolitisch“, stellte Pechtold zum Schluss erneut fest, äußerte aber auf Nachfragen eines Mitglieds zu den erhöhten Parkgebühren auch in der Tiefgarage am Inselbad eine „ganz persönliche Meinung“: Es könne und dürfe nicht sein, „dass über solche Parkgebühren einem Bad oder auch einem Kino schleichend die Existenzgrundlage entzogen wird.“

Christoph Kruse

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