Borkenkäfer auf dem Vormarsch:

Förster appellieren: Waldbestände jetzt überprüfen!

+
Der Buchdrucker Borkenkäfer beim Einbohren.

Landkreis – Viele Menschen haben sich heuer im April über die warme und trockene Witterung gefreut. Aber nicht nur uns, sondern auch dem Fichten-Borkenkäfer hat das gut gefallen. Im April gab es den ersten massiven Schwärmflug in die Wälder. Deshalb hat der Revierleiter Michael Lang vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck alle Waldbesitzer zu einer Infoveranstaltung eingeladen. Thema waren die frühe Erkennung und auch die Bekämpfung der Käfer.

Borkenkäfer sind winzige Tierchen. Die zwei Arten von Borkenkäfern werden nur etwa 4,2 bis 5,5 Millimeter (der Buchdrucker) beziehungsweise sogar nur 1,6 bis 2,9 Millimeter (der Kupferstecher) groß. Trotzdem können sie massiven Schaden anrichten. Daher ist für Lang das A und O die rechtzeitige Erkennung von befallenen Bäumen.

Und dafür gibt es eine recht einfache und zuverlässige Methode: Wenn man die Rinde eines Baumes mit einem Messer oder ähnlichem ankratzt erkennt man sofort, ob der Baum befallen ist. Rieselt aus der Rinde etwas, das so aussieht wie Schnupftabak, ist die Fichte befallen (siehe Foto unten rechts). Die kleinen Tierchen bohren nämlich Tunnel in die Rinde, um einen Brutplatz zu bauen. Dabei entsteht das Schnupftabak-ähnliche Bohrmehl.

Die schlechte Nachricht ist allerdings, dass es dann bereits zu spät ist. Für den Revierleiter Lang gibt es jetzt nur noch eine Möglichkeit: „Der Baum muss dann umgeschnitten und aus dem Wald transportiert werden – und mit ihm die Käferbrut.“ Der Abtransport aus dem Wald ist deshalb wichtig, weil der Käfer sich sonst weiter auf die anderen Bäume ausbreitet.

Wenn er das tut, kommt das die Waldbesitzer teuer zu stehen. Ihr Holz verliert an Wert. Der Frischholzpreis liegt derzeit bei etwa 80 Euro pro Festmeter. Für das „Käferholz“ bekommt man rund 25 Euro weniger.

Ist der Befall noch nicht vorangeschritten, kann man den Baum noch retten. Wenn sich die Käfer in ihrer frühen Larvenphase befinden, reicht es, den Baum zu schälen. Trifft das Sonnenlicht auf die Larven, sterben sie.

Die allerersten Fichten, die betroffen sind, seien schwache Exemplare, die am Rand des Waldes stehen und viel Sonne abbekommen. Dort hätten die Käfer leichteres Spiel. Kräftige Bäume könnten sich oftmals selbst gegen einen Befall wehren. Sobald sich die Käfer in die Rinde bohren, tritt Harz aus der Wunde und die Käfer stecken darin fest. Geschwächte Bäume, die der prallen Sonne ausgeliefert sind, können aber kein Harz mehr produzieren und haben somit sie keinen Schutz mehr gegen das Tier.

Die Käfer haben auch natürliche Fressfeinde, wie etwa den Specht, den Ameisenbuntkäfer oder die Schlupfwespe. Lang rät allerdings davon ab, diese Tiere vermehrt im Wald auszusetzen. „Das bringt nichts. Sie dezimieren die Masse nicht.“. Dafür seien es einfach zu viele Borkenkäfer.

Lang bezeichnet die Krabbeltiere als „faul, aber höchst intelligent“. Damit die Käfer von Baum zu Baum kommen, lassen sie sich gerne vom Wind mitreißen. Das geht schnell und kostet weniger Kraft. Dort angekommen, gehen sie ans Werk und bauen sich eine Rammelkammer, wo sie sich munter vermehren.

Außerdem sendeten sie Duftstoffe aus, die wiederum andere Käfer anlocken. Somit ist dann der gesamte Stamm in kürzester Zeit befallen. Wenn es den Tieren zu eng wird, senden sie wiederum einen anderen Duftstoff aus, der ihren Artgenossen signalisiert, dass die Fichte sozusagen wegen Überfüllung geschlossen ist. Die Käfer gehen daraufhin, weil sie eben faul sind, einfach auf den nächstgelegenen Baum über. Dort geht das Spiel wieder von vorne los und die nächsten Rammelkammern werden gebaut.

Mit diesem ausgeklügelten System sind die Käfer so erfolgreich, dass sie in recht kurzer Zeit einen riesigen Baumbestand befallen können. Die Käfer brauchen etwa sechs Wochen, um sich in der Rammelkammer komplett zu entwickeln. „Als Faustregel gilt, dass sich der Borkenkäfer mit jeder Generation verzwanzigfacht“, gibt Lang an. Das bedeute, dass die Brut in einem übersehenen Baum als nächstes 20 Bäume befallen könne. Würden auch diese Bäume nicht rechtzeitig von der Plage befreit, könne die nächste Generation dann sogar um die 400 Bäume befallen.

Lang macht auch klar, wie wichtig die Prophylaxe ist. Mischwälder seien weniger anfällig, außerdem müssten Fichten mit größeren Kronen gezüchtet werden. Das würde sie widerstandsfähiger machen. Lang spricht sich auch dafür aus, „die Bremse reinzuhauen“. Es sollten mehr Jungpflanzen gepflanzt werden. Die und die Laubbäume würden für ein anderes Kleinklima sorgen. Genauer gesagt ein feuchteres Klima. Und das gefällt den Käfern gar nicht.

Stephanie Novy

Auch interessant

Meistgelesen

"Nabucco" füllt den Landsberger Hauptplatz
"Nabucco" füllt den Landsberger Hauptplatz
5 Gründe, warum Sie sich anmelden sollten
5 Gründe, warum Sie sich anmelden sollten
Über tausend Besucher feierten zusammen
Über tausend Besucher feierten zusammen
Lufthansa lässt "Landsberg am Lech" endlich abheben
Lufthansa lässt "Landsberg am Lech" endlich abheben

Kommentare