Forschen wie Forstwissenschaftler

Welcher Waldboden ist der beste Wasserspeicher? Wie kommt das Holz am effektivsten zum Biomassekraftwerk? Studenten der Fachhochschule Weihenstephan können darauf eine Antwort geben. Eine Woche lang verbrachten sie in Kaufering und nahmen das Kauferinger Nachhaltigkeitskonzept unter die Lupe. Ziel war es herauszufinden, wie zukunftsweisend das Konzept ist und zu untersuchen, ob es noch optimiert werden kann. Was bei diesen Untersuchungen von (Energie-)Wald und Biomassekraftwerk herausgekommen ist, haben die angehenden Forstwissenschaftler am Donnerstagabend im Feuerwehrhaus vorgestellt.

„In dieser Woche haben sie sich den letzten Schliff geholt.“, erklärte Prof. Dr. Stefan Wittkopf vom Lehrbereich Holzenergie die Bedeutung des Projekts für die 16 Studenten. Betriebswirtschaftliche und ökologische Aspekte wurden da in Kaufering analysiert. Den Verbund von Biomassekraftwerk, Energiewälder und Holz aus der Region und Mittelwaldwirtschaft nannte Wittkopf „einzigartig in Bayern“, daher habe man sich den Ort für die Projektwoche ausgesucht. Der Markt Kaufering kann von den Ergebnissen der jungen Leute profitieren und mit den Ratschlägen für das Biomassekraftwerk, die Belieferung mit Holzhackschnitzeln und mit den Ergebnissen zu Au- und Energiewäldern innerhalb der Holzproduktion arbeiten. Ein bisschen wie in der Schule mögen sich die Gemeinderäte und weitere energieinteressierten Bürger da gefühlt haben als die Studenten im sechsten Semester vorn an der Tafel standen. Los ging es mit Chemieunterricht – oder dem Prozess der Energie- und Wärmegewinnung im Biomassekraftwerk, der von Studentengruppe eins erläutert wurde. „So einfach und so prägnant hat es noch niemand erklärt“, lobte einer der Zuhörer in der anschließenden Diskussion. Dabei war von besonderem Interesse: Wie lässt sich die Wirtschaftlichkeit bei der Energiegewinnung aus Holzhackschnitzeln erhöhen? Von da aus ging es zurück in den Wald, an den Punkt, wo das Holz zum Kraftwerk gelangt. Diese vier Studenten analysierten die Holzhackschnitzellogistik der Waldbesitzervereinigung (WBV) Landsberg. Zwischenlagerplätze günstig Vorgeschlagen wurde hier, Zwischenlagerplätze für noch ungehacktes Holz einzurichten. Diese Lagerplätze seien, wenn sie nicht zu weit entfernt lägen, vorteilhafter als Holz direkt im Wald zu hacken. Wenn Holz an gut zugänglichen Plätzen zwischenlagere, sei der „Materialfluss“ zum Kraftwerk leichter zu steuern. Das Hacken und der Transport zum Heizkraftwerk würden günstiger, die Holzqualität erhöhe sich, da es besser trocknet und sich der Wassergehalt deshalb verringere. Für den Wald zahle es sich ebenso aus, denn der Borkenkäfer breite sich nicht auf dem Hackholz aus. Mit Holz-Zwischenlagerplätzen könne die Waldbesitzervereinigung bessere Preise erzielen. Der Geschäftsführer der WBV Martin Mall zeigte sich interessiert an den Ideen der jungen Forstwissenschaftler und erklärte, dass man sich damit auseinandersetzen werde. Mit dem Baum als Rohstofflieferant befasste sich Gruppe „Auwald“ und informierte die Anwesenden über diese Art von Waldgebiet, das an Flüssen liegt und mit Bäumen wie Weide, Esche, Ulme und Bergahorn eine gute Nährstoffversorgung aufweist. Die Studenten hatten hier auch ein Experiment parat: Andre Tiemann goss jeweils Wasser auf drei Waldböden und zeigte so, welcher Untergrund ein guter Wasserspeicher und daher ertragreich an Bäumen ist. „Der Schlüssel liegt im Boden“, bestätigte Kauferings Forstrevierleiter Ludwig Pertl mit Blick auf die vier untersuchten Wälder der Umgebung. Die Empfehlung der Gruppe hieß, dass so genannte „Auwälder“ wie der Schechen bei Kaufering nicht nur wegen ihrer Artenvielfalt sondern auch aufgrund der besseren Ertragsleistung mit standortgerechten Baumarten (Edellaubholz) „bestockt“ werden sollten. Das Thema Energiewald, den es als Pappelwald im Kauferinger Trinkwasserschutzgebiet gibt und der momentan Forschungsobjekt der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft ist, beschäftigte eine weitere Studentengruppe in dieser Projektwoche. Grün wurde es im Raum, denn die Ergebnisse dieser Analysen wurden anhand lebendiger (Baum-)Beispiele erklärt. Holzenergie im Trend Den Trend zum Energieholz halte an, erklärte Betreuer Wittkopf. „Jedes Jahr kommen in Bayern zehn bis 15 neue Biomassekraftwerke dazu.“ Das dafür nötige Holz bereitzustellen, sah er machbar als an. Zum Ablauf der Projektwoche äußerte sich der Professor ebenfalls positiv. Von Seiten der Gemeinde Kaufering begeistert war Bürgermeister Dr. Klaus Bühler, der die Projektarbeit der Studenten aus Weihenstephan als plakativ bezeichnete. „Wir machen das gerne.“, sagte Bühler – die Marktgemeinde hatte die jungen Forscher unterstützt und ihnen zum Beispiel die Räume in der Turnhalle zur Verfügung gestellt. Im nächsten Jahr soll es wieder eine Studentengruppe der Fachhochule geben, die sich für ein Projekt über das Energiekonzept in die Marktgemeinde – dann mit anderen Forschungszielen – begibt.

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