Forscher in die Pappelplantage

Einen „wohlwollenden“ Beschluss hat der Kauferinger Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit Blick auf ein Forschungsprojekt des Bayerischen Landesamtes für Wald und Forstwirtschaft (LWF) gefasst. Dieses soll prüfen, wie sich ein Energiewald auf die Grundwasserneubildung und -qualität, den Stoffhaushalt, die Bodenqualität und die ökologische Artenzusammensetzung auswirkt. Finanziert wird das Projekt vom bayerischen Umweltministerium für drei Jahre mit rund 308000 Euro. Startschuss wird in wenigen Wochen sein. Über den Zeitraum nach 2011 erhofft sich das Projektteam nun Unterstützung von der Marktgemeinde, um weitere wichtige Daten sammeln zu können.

Dafür würden laut Hans-Jürgen Gulder, Leiter des Amtes für Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck, rund 11000 Euro jährlich benötigt. Seinem Wunsch nach sollte das Forschungsprojekt mit dem Geld bis 2016 fortgeführt werden, um letztlich genauere Daten zu erhalten, etwa, wie die Auswirkungen auf besagte Punkte nach der Rodung eines Energiewaldes seien. „Hierzu gibt es noch keine Zahlen“, so Gulder. In diesem Zusammenhang lobte er Kaufering wegen seines „beispielhaften“ Nachhaltigkeitskonzeptes, das bei Wirtschaft und „hoher Politik“ auf großes Interesse gestoßen ist. Das Forschungsprojekt, das in Kürze in Kaufering starten soll, wurde von Projektbearbeiterin Martina Zacios vom LWF in Freising vorgestellt. Im Visier der Wissenschaftler steht dabei eine rund drei Hektar große Pappelplantage, die im vergangenen Jahr im Trinkwasserschutzgebiet gesteckt wurde. Hier soll untersucht werden, welche Veränderungen es beim Grundwasser und Boden gibt, ausgelöst durch Niederschläge, Verdunstung und Versickerung. Aber auch der Nitratgehalt, der in den Boden eingebracht wird, ist ein wichtiger Indikator, betonte Diplom-Geografin Zacios. Verglichen werden sollen die Werte dann auch mit einer parallel stattfindenden Untersuchung auf einer agrarbewirtschafteten Fläche, die sich auf dem Areal des Agrarbildungszentrums Landsberg, in unmittelbarer Nähe zu A96 befindet. Die Messungen werden in beiden Fällen sowohl unterirdisch mittels Sonden als auch überirdisch durch Messeinheiten durchgeführt. Darüber hinaus liefert die Station des Deutschen Wetterdienstes in Penzing die notwendigen Klimaergebnisse. Um letztlich wirklich aussagekräftige Informationen über den ganzen Zeitraum eines Energiewaldes, also vom Setzen bis hin zur Rodung und dessen Auswirkungen auf den Boden und Grundwasser zu haben, warb auch die Wissenschaftlerin um eine Fortführung des Projektes bis 2016. Da Kaufering in Sachen Nachhaltigkeit die Nase weit vorne hat, fällte auch der Marktgemeinderat mehrheitlich einen „wohlwollenden“ Beschluss. Wenngleich er noch keine definitive Förderzusage nach 2011 geben wollte. Laut Bürgermeister Dr. Klaus Bühler bestünde ja auch die Möglichkeit, dass bei Erfolg des Forschungsprojektes, das Bayerische Umweltministerium dieses auch für die Zeit danach fördert. Immerhin, so merkte Michael Kortstock (UBV) an, seines Zeichens Präsident der Hochschule München, werden „For- schungsprojekte in der Regel zunächst immer nur auf drei Jahre begrenzt.“ Kritik von Drexl Weniger begeistert von dem Vorhaben zeigte sich Gemeinderat und Bauernverbandsobmann Johann Drexl. Er monierte in erster Linie, dass für die Energiewälder vor allem die landwirtschaftlich guten Böden herhalten müssten. Zwar befürworte er Energiewälder, doch dann bitte sollten diese auf schlechteren Böden kultiviert werden, „auch mit Blick auf den Ernährungsengpass, der zukünftig auf uns zukommen wird“. Auch Hans-Jürgen Gulder vom Landwirtschaftsamt zeigte Verständnis für Drexls Äußerungen. Jedoch obliege es jedem Eigentümer selbst aus unternehmerischen Gründen zu entscheiden: „Der Markt wird das regeln.“

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